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El Paso

Trauer um Benjamin Alire Sáenz

Der schwule US-Schriftsteller Benjamin Alire Sáenz ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Sein Roman "Aristoteles und Dante" machte ihn auch in Deutschland bekannt. International galt er als wichtige Stimme queerer Literatur aus Lateinamerika.


Benjamin Alire Sáenz wurde 71 Jahre alt (Bild: Larry D. Moore / wikipedia)

Der schwule US-amerikanische Schriftsteller und Lyriker Benjamin Alire Sáenz ist tot. Er starb am 28. Juli nach längerer Krankheit im Alter von 71 Jahren in El Paso, Texas, wie der Thienemann Verlag, bei dem Sáenz' Jugendromane auch im deutschsprachigen Raum erschienen sind, am Freitag mitteilte. International zähle er zu den wichtigen Stimmen einer lateinamerikanischen queeren Jugendliteratur, die Fragen von Identität, Herkunft und gesellschaftlicher Wirklichkeit ins Zentrum rücke, hieß es weiter.

Eines seiner bedeutendsten Bücher ist "Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe" (Simon & Schuster, 2012). Der Roman wurde international mit 25 Übersetzungen, mehreren Auszeichnungen und einer Kinoverfilmung viel beachtet und erschien 2014 in der Übersetzung von Brigitte Jakobeit unter dem Titel "Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums". Das Buch fand auch in Deutschland ein breites Feuilleton-Echo und war 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Die Fortsetzung erschien 2023

Die "Zeit" schrieb über den Roman: "Es ist eine große Liebesgeschichte, die Benjamin Alire Sáenz erzählt, weite Strecken getragen von scheinbar beiläufigen und doch so tiefen Dialogen." Die "Süddeutsche Zeitung" urteilte: "Benjamin Alire Sáenz hat einen großartigen, psychologisch kundigen Adoleszenz-Roman geschrieben, mit zwei so liebenswerten Helden, dass man sie am Ende nicht loslassen möchte."

2017 erschien bei Thienemann außerdem "Die unerklärliche Logik meines Lebens" in der Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn, 2023 folgte mit "Aristoteles und Dante springen in den Strudel des Lebens" der zweite Band der Geschichte um die beiden Jungen aus El Paso.

Coming-out mit 54 Jahren

Sáenz wurde 1954 im Ort Old Picacho im US-Bundesstaat New Mexico geboren und wuchs in einer mexikanisch-amerikanischen Arbeiter*innen-Familie nahe der Grenze zu Mexiko auf – eine Erfahrungswelt, die er später immer wieder literarisch verarbeitete. Nach einem Studium der Philosophie und Theologie, unter anderem in Belgien, wurde er zunächst katholischer Priester, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er studierte Kreatives Schreiben, war Wallace-E.-Stegner-Stipendiat an der Stanford University und lehrte viele Jahre im Creative-Writing-Programm der University of Texas at El Paso.

Sein Werk umfasst Lyrik, Romane und Erzählbände für Erwachsene sowie Kinder- und Jugendbücher. Wiederkehrende Themen sind das Aufwachsen in prekären Verhältnissen, familiäre Brüche, Sucht sowie die Erfahrung von Rassismus und Homofeindlichkeit – stets verbunden mit einer genauen, dialogstarken Beobachtung seiner Figuren. Sáenz hat entscheidend dazu beigetragen, queere und mexikanisch-amerikanische Lebensrealitäten im Jugendbuch sichtbarer zu machen.

Benjamin Alire Sáenz outete sich 2008 im Alter von 54 Jahren als schwul, nachdem er in den frühen 1990er Jahren Patricia Macias geheiratet hatte und sich nach mehr als einem Jahrzehnt Ehe scheiden ließ. Er habe lange gebraucht, um seine Sexualität zu akzeptieren, sagte er später in Interviews. (cw)

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