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  • 12. Februar 2004, noch kein Kommentar

Hamburg Der Hamburger Justizsenator Roger Kusch (CDU, Bild rechts) ist am Donnerstag morgen im Hamburger Stadtteil Neugraben bei einer Wahlkampfveranstaltung von hinten mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt worden. Das Klappmesser hinterließ eine blutende Stichwunde im Oberschenkel Kuschs.

Zuvor sei er nach Angaben der Zeitung "Die Welt" von der 41-jährigen Täterin "mit üblen Worten als Homosexueller beschimpft" worden. Hamburgs Polizeipräsident Udo Nagel sagte am Nachmittag, die Frau sei geistig verwirrt. Die mutmaßliche Täterin habe sich von hinten an den Justizsenator herangepirscht und die Worte "Du schwule Sau, Du hast mein Kind umgebracht" gerufen. Es gebe aber keine Anhaltspunkte, dass die 41-Jährige jemals ein Kind gehabt hätte.

Der Senator ließ sich mit einem Dienstwagen in das Krankenhaus Mariahilf bringen, wo er behandelt wurde. Die Wunde durch die sieben Zentimer lange Wunde wurde mit fünf Stichen genäht, so Nagel. Nach gut zwei Stunden wurde er entlassen, die Behandlung werde aber ambulant weitergeführt. "Es geht ihm gut, auch psychisch", sagte der leitende Oberarzt Hans-Joachim Rose der dpa.

Die Täterin wurde vor Ort von Passanten überwältigt und festgenommen und wird mittlerweile von Beamten des Landeskriminalamts verhört. Kusch hatte bisher keinen Personenschutz. Politiker aller Parteien reagierten bestürzt auf das Attentat. Der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle sagte: "Die Tat zeigt, dass innere Liberalität und Toleranz stets neu erkämpft werden müssen".

Gegenüber der Zeitung "Die Welt" sagte er: "Ich habe die Frau erst gar nicht wahrgenommen, sondern nur den Messerstich bemerkt. Ich habe dann einen Schmerz gespürt und das blutverschmierte Messer in ihrer Hand gesehen. Dann wurde sie auch schon von Mitglieder aus meinem Wahlkampf-Team überwältigt. Ich hatte doppeltes Glück. Der Stich hat weder Nerven, Knochen oder lebenswichtige Organe verletzt und ich ich hatte mutige Menschen neben mir."

Kusch gilt als Hardliner innerhalb der CDU, so stoppte er die Abgabe von sauberen Spritzen in den Gefängnissen. Nachdem Ronald Schill dem Bürgermeister Ole von Beust ein Verhältnis mit Kusch unterstellte, stritt dieser den Vorwurf ab, outete sich aber als schwul. In Sachen Homo-Ehe kündigte Kusch immer wieder Initiativen im Bundesrat, ließ den Worten aber nie Taten folgen. Kusch ist seit 2001 Hamburger Justizsenator, vorher hatte der Jurist während der Amtszeit von Helmut Kohl im Bundeskanzleramt gearbeitet, war später Oberstaatsanwalt beim Bundesgerichtshof. Am 29. Februar wird in Hamburg vorzeitig eine neue Regierung gewählt, die CDU hat dabei Aussichten auf 50 Prozent der Wählerstimmen. Kusch soll nach Willen von Beusts Justizsenator bleiben.

Es ist dies nicht der erste Angriff auf schwule Politiker aufgrund ihrer Sexualität. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), wurde mehrmals öffentlich wegen seiner Homosexualität beschimpft, unter anderem bei einer Trauerfeier für Hildegard Knef. Im Oktober 2002 verübte ein Mann ein Messerattentat auf den Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe, das diesen schwer verletzte. Als Grund gab der Mann seinen "Hass auf Homosexuelle" an. Am 27. November 1978 wurden der offen schwule Stadtrat Harvey Milk (Bild rechts) und der Bürgermeister von San Francisco, Dan Moscone von dem Stadtrat Dan White mit Kopfschüssen getötet, nachdem dieser seine konservativen Positionen nicht durchsetzen konnte und resigniert aus dem Stadtrat ausschied. (nb)

Letzte Aktualisierung 12. Februar 2004, 15.30 Uhr



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