Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?59009

Reisetipp

Amsterdam zum WorldPride: Eine Stadt, die Wärme schenkt

Zwei Tage nach dem Berliner CSD-Anschlag reist unser Autor mit gemischten Gefühlen nach Amsterdam – zwischen Pridefahnen, einer Mahnwache und einem spontanen Gespräch mit der Bürgermeisterin wird daraus mehr als ein Pressetrip.


In Amsterdam sieht man zum WorldPride Regenbogenflaggen, soweit das Auge reicht (Bild: Fabian Girschick)

Montag, 27. Juli, 5 Uhr morgens. Als ich zum Flughafen aufbreche, wirken die Ereignisse des Wochenendes noch nach: Erst zwei Tage ist es her, dass beim Berliner Christopher Street Day ein Auto in die Menge raste. Die Stimmung in der queeren Community ist entsprechend gedrückt, und auch mir fällt der Weg zum Gate schwerer als sonst. Doch Flug und Hotel sind längst gebucht – und vielleicht ist gerade jetzt der richtige Moment, um für ein paar Tage rauszukommen.

Es ist bereits meine dritte Reise nach Amsterdam, doch diesmal ist vieles anders. Bislang kannte ich die niederländische Metropole nur im Herbst und Winter, nun führt mich mein Weg mitten im Sommer an die Grachten. Und der Zeitpunkt könnte kaum besonderer sein: Die Stadt steht ganz im Zeichen des WorldPride.


In Amsterdam fühlen sich viele queere Menschen sicher und zeigen ihre Zuneigung offen auf der Straße (Bild: Fabian Girschick)

Ein Paralleluniversum der Offenheit

Schon auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel wird klar, dass sich hier etwas verändert. Überall hängen Regenbogen­flaggen, überall queer-codierte Botschaften auf Plakaten – an Straßenbahnen, Cafés, Schaufenstern. Je näher ich dem Zentrum komme, desto dichter wird dieses Bild, bis sich ein fast surreales Gefühl einstellt: als würde man in eine Parallelwelt eintauchen, in der Queerness das Normalste der Welt ist. So, wie es eigentlich überall sein sollte.

Doch es sind nicht allein die Flaggen, die diesen Eindruck erzeugen. Es sind vor allem die Menschen. Fremde verteilen auf der Straße Komplimente, ohne welche zurückzuerwarten, stellen Fragen, zeigen ehrliches Interesse. Man hört Sprachen aus aller Welt, und viele sind bereit, sich auf andere Sprachen einzulassen, nur um sich besser zu verstehen. Offenheit wirkt hier nicht wie eine Pose zum WorldPride, sondern wie gelebter Alltag.


Das "Zero Flags Project" zeigt die Flaggen der Länder, in denen Queerness weiterhin strafbar ist (Bild: Fabian Girschick)

Zwischen Euphorie und Erinnerung

Ganz verschwindet der Schatten der vergangenen Tage aber nicht – und das soll er auch nicht. Beim "Zero Flags Project" hängen die Flaggen von 63 Ländern, in denen gleich­geschlechtliche Beziehungen oder Gender Expression kriminalisiert werden, in zwölf davon droht sogar die Todesstrafe. Auffällig viele Menschen bleiben stehen, lesen, diskutieren – darunter auch etliche nicht-queere Besucher*­innen, die sich sichtlich überrascht zeigen, wie viele Staaten betroffen sind.


Ein emotionaler Moment: die Mahnwache in Amsterdam nach dem Attentat auf dem Berliner CSD (Bild: Fabian Girschick)

Am Dienstagabend versammeln sich zudem Hunderte am Homomonument zu einer Mahnwache für die Opfer der Amokfahrt in Berlin. Es gibt eine Schweigeminute, Dragqueens wie Jennifer Hopelezz sprechen, ebenso Bürgermeisterin Femke Halsema. Die Stimmung ist ruhig, solidarisch, ernst – ein Moment, der zeigt, dass Pride nicht nur Feiern bedeutet, sondern auch Trauer und Zusammenhalt.

- Werbung -

Was die Bürgermeisterin sagt


Während der Mahnwache ergab sich ein wertvoller Austausch mit der Amsterdamer Bürgermeisterin Femke Halsema (Bild: Fabian Girschick)

Bürgermeisterin Halsema nehme ich kurz beiseite – ganz spontan, ohne Presseteam an ihrer Seite. Auf meine Frage, welche Note sie Amsterdam auf einer Skala von 1 bis 10 in Sachen Queer­freundlichkeit geben würde, weicht sie zwar aus, doch ihre Antwort hat es in sich. Amsterdam sei seit langem eine besonders queer­freundliche Stadt: Hier fand die erste gleich­geschlechtliche Ehe der Welt statt, der Canal Pride existiert seit über 25 Jahren, hinzu kommen ein lebendiges Nachtleben und zahlreiche Organisationen, die die queere Community schützen und stärken.

Gleichzeitig warnt sie davor, sich in Sicherheit zu wiegen: Wie in Berlin, Paris oder New York wachse auch in Amsterdam eine gewisse Intoleranz. Was die Stadt aber auszeichne, sei die Stärke und Solidarität ihrer Community – eine Kraft, die sie selbst als das eigentliche Fundament der Queer­freundlichkeit Amsterdams beschreibt.

WorldPride: Vielfalt in allen Facetten

Während des WorldPride gibt es in Amsterdam unzählige Programmpunkte zu entdecken: Bootstouren durch die Grachten, Konzerte, Kunstausstellungen, Performances. Während meines Aufenthalts sind noch nicht alle großen Events angelaufen, doch die Vorfreude ist überall spürbar. Am 4. August etwa steigt ein großes Konzert am Museumplein mit Stars wie Beth Ditto und Billy Porter.

Die Stadt zeigt damit, wie breit Pride gedacht werden kann: nicht nur als Party, sondern als Kultur, Politik und Begegnung zugleich. Genau diese Balance zwischen Feiern und Reflexion macht den WorldPride in Amsterdam so besonders.

Ein Zuhause inmitten der Pride: das Generator Amsterdam

Zwischen all den Eindrücken draußen wird das Generator Amsterdam zu einem echten Rückzugsort. Das moderne, stylische Hotel liegt direkt an einem Park, der zum Verweilen einlädt, und wird überwiegend von jungen, internationalen Gästen besucht, die genauso offen wirken wie die Stadt selbst – fast wie ein kleiner Mikrokosmos Amsterdams. Abends laufen im Auditorium kostenlose Filme, später starten Pub-Crawl-Touren, die zwar von einem externen Veranstalter organisiert werden, aber direkt im Hotel starten und Menschen aus aller Welt zusammenbringen.


Hier kann man zwischen all den Eindrücken zur Ruhe kommen – im Generator Amsterdam (Bild: Fabian Girschick)

Auch kulinarisch hat das Haus einiges zu bieten, darunter mehrere vegane Optionen, die sich direkt vor Ort bestellen und genießen lassen. Besonders bemerkenswert: Am 1. August findet ein eigenes "Gay Pride Festival" direkt im Hotel statt – ein Zeichen dafür, wie selbstverständlich das Generator Safe Spaces schafft, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Ein Fazit voller Wärme

Ganz verschwinden die Gedanken an den Berliner CSD nie – und das ist auch gut so. Doch es tut unglaublich gut zu sehen, wie viele Menschen hinter der queeren Community stehen. In Amsterdam war es gefühlt eine ganze Stadt, die mich so offen empfangen hat wie kaum eine andere auf der Welt. Eine Stadt, die Pride nicht nur durch Flaggen zur Schau stellt, sondern sie tatsächlich lebt.

Es war eine besondere Reise. Eine, die gezeigt hat, wie wichtig Orte der Wärme und Solidarität gerade jetzt sind. Und es war ganz sicher nicht meine letzte Reise nach Amsterdam.

-w-