https://queer.de/?59011
Menschenverachtende Entgleisung
Katholischer Pfarrer: CSD-Anschlag ist "Signal des Himmels"
Für den katholischen Pfarrer Winfried Abel ist der Anschlag auf den Berliner CSD ein "Signal des Himmels" und "Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr". Die Pride-Demo sei eine "Parade der Schamlosigkeit" und "Verherrlichung der Perversion".

Der katholische Pfarrer Winfried Abel macht aus seiner extremen Queerfeindlichkeit kein Geheimnis (Bild: Youtube, Screenshot, Kirche in Not)
- 1. August 2026, 14:00h 4 Min.
- Zu Update springen: Bistum Fulda distanziert sich
Der katholische Pfarrer Winfried Abel aus Hünfeld-Großenbach hat den islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD, bei dem eine Frau getötet und 31 Personen verletzt wurden, als "Signal des Himmels" und "Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr" bezeichnet. Die menschenverachtende Entgleisung fiel in einem Leserbrief an die "Fuldaer Zeitung", den das Regionalblatt tatsächlich abdruckte. Über den Skandal hatte zuerst das regionale Nachrichtenportal "Osthessen News" berichtet.
Für Abel ist der CSD ein "Parade der Schamlosigkeit"
In seinem Kommentar kritisierte der 87-Jährige, der bis 2014 Pfarrer von St. Andreas in Fulda-Neuenberg war, den Berliner Erzbischof Heiner Koch, der sich nach dem CSD-Anschlag solidarisch mit der queeren Community gezeigt hatte. "Ein katholischer Bischof nennt also die Parade der Schamlosigkeit und die zur Schau gestellte Verherrlichung der Perversion ein 'frohes und bewegendes Fest'!?", fragte Abel empört. "Haben die Hirten der Kirche nicht den prophetischen Auftrag, solche Ereignisse im Sinne des Evangeliums zu deuten und ins rechte Licht zu stellen?"

Abels Leserbrief in der "Fuldaer Zeitung"
Der Pfarrer im Ruhestand nannte es ferner "bezeichnend, dass Vertreter des Islam dem einst christlichen Abendland die zunehmende sittliche Dekadenz zum Vorwurf machen und die westliche Kultur verachten". Die Ablehnung des Christentums rechtfertige zwar "in keiner Weise das brutale und menschenverachtende Vorgehen des islamischen Terroristen", räumte Abel ein. "Doch sollten alle, die sich noch Christen nennen, derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels verstehen, als einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr".
Abel fiel bereits 2025 mit queerfeindlicher Tirade auf
In der Leserbrief-Rubrik der "Fuldaer Zeitung" blieb Abels Entgleisung von der Redaktion unkommentiert. In der Kolumne "Rückspiegel" distanzierte sich immerhin Chefredakteur Tobias Farnung. Die "zutiefst verstörende Argumentation" des Pfarrers nehme "den Opfern ihre Würde", kommentierte Farnung in der Samstagsausgabe. Der Leserbrief sei "keine gute Werbung für das Christentum".
Winfried Abel gilt als einer der großen Meinungsmacher innerhalb der katholischen Kirche – er hat in den letzten Jahren oft in katholischen Medien wie EWTN, K-TV oder Radio Horeb seine erzkonservativen Ansichten verbreitet.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Pfarrer mit einer queerfeindlichen Tirade bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. "Sogenannte 'Pride-Paraden' sind Symptome einer sittlich entfesselten Gesellschaft, die die Grenzen des Anstands und der Moral überschritten hat, – sie sind eine bunte Darbietung von Perversionen, die Verherrlichung geschmackloser Obszönitäten und ein Spektakel des verlorengegangenen Schamgefühls", schrieb er im Juli 2025 in einem offenen Brief (queer.de berichtete). Er erklärte, die Kirche sei "niveaulos" geworden, weil die Bischöfe den Unterschied "zwischen sexueller, erotischer, freundschaftlicher und göttlicher Liebe" nicht mehr kennen würden, "sondern undifferenziert alles gutheißen und segnen, was unter dem Begriff 'Liebe' daherkommt!" (mize)
Update 02.08.2026: Bistum Fulda distanziert sich
Das Bistum Fulda hat sich von den queerfeindlichen Äußerungen Abels distanziert. "Sie geben weder die Position des Bistums noch die Haltung seiner Verantwortlichen wieder", hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme.
"Insbesondere jede Deutung eines terroristischen Anschlags als Ausdruck eines göttlichen Handelns weisen wir entschieden zurück", so das Bistum. "Angesicht der verbrecherischen Tat am vergangenen Samstag gilt unsere Anteilnahme den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die durch die Tat erschüttert wurden. Es kann und darf nicht hingenommen werden, dass in unserem Land Menschen sich aufgrund ihrer sexuellen Identität als existenziell bedroht erleben."
Das Bistum betonte in seiner Stellungnahme: "Als Kirche glauben wir, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist und eine unveräußerliche Würde besitzt. Daraus erwächst der Auftrag, allen Menschen mit Achtung, Respekt und Nächstenliebe zu begegnen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität." Der Christopher Street Day stehe für das Anliegen, auf die Würde aller Menschen aufmerksam zu machen und sich gegen Ausgrenzung und Gewalt einzusetzen. Das Bistum unterstütze das friedliche Engagement für eine offene, respektvolle und freiheitliche Gesellschaft. "Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Christopher Street Day wünschen wir einen friedlichen Verlauf und einen respektvollen Dialog."
Links zum Thema:
» Bericht in der "Fuldaer Zeitung" mit Kommentar des Chefredakteurs













