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Zulassungsstudie
HIV-Therapie im Wochentakt: Neues Kombi-Präparat zeigt starke Wirksamkeit
Statt einer täglichen Tablette könnte HIV-Patient*innen künftig eine wöchentliche Einnahme genügen. Eine internationale Studie zeigt: Die neue Wirkstoffkombination hält die Viruslast ebenso zuverlässig unterdrückt wie eine etablierte Therapie.

Symbolbild: Eine neue HIV-Therapie könnte den Alltag für Betroffene erleichtern (Bild: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Rolf Müller)
- 3. August 2026, 11:52h 3 Min.
Menschen mit HIV könnten künftig von einer deutlich selteneren Medikamenteneinnahme profitieren. Wie eine Zulassungsstudie zeigt, wirkt eine nur einmal wöchentlich einzunehmende Tablette ebenso zuverlässig wie eine bislang übliche Therapie, bei der Patient*innen täglich zur Pille greifen müssen. Getestet wurde dabei die Kombination der Wirkstoffe Islatravir und Lenacapavir bei Erwachsenen, deren HIV-Infektion bereits gut unter Kontrolle war.
An der weltweiten Studie nahmen mehr als 600 Menschen aus zwölf Ländern teil. Per Zufallsprinzip erhielten sie entweder die neue Wochentablette oder ihre bisherige tägliche Dreifachtherapie aus Bictegravir, Emtricitabin und Tenofoviralafenamid. Solche Wirkstoffkombinationen sollen grundsätzlich verhindern, dass das HI-Virus Resistenzen ausbildet. Da die Studie doppelblind angelegt war, erhielten alle Teilnehmenden zusätzlich Placebos.
Nach 48 Wochen fielen die Ergebnisse in beiden Gruppen nahezu identisch aus, wie ein Team um Jürgen Rockstroh von der Uniklinik Bonn im Fachblatt "New England Journal of Medicine" darlegt. In beiden Studienarmen blieb die Viruslast bei 93 Prozent der Teilnehmenden dauerhaft unterdrückt.
Keine Resistenzen aufgetreten
Ebenso wichtig: Mit dem neuen Präparat trat bei keiner teilnehmenden Person ein virologisches Versagen auf. "Es gab keine Resistenzentwicklung", sagte Studienleiter Rockstroh der Deutschen Presse-Agentur. Er hatte die Ergebnisse zuvor auf der Welt-Aids-Konferenz in Rio de Janeiro präsentiert und bezeichnete das Ausbleiben von Resistenzen als "ein sehr wichtiges Ziel". Auch Abbruchrate und Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen unterschieden sich zwischen beiden Gruppen kaum: Bei der wöchentlichen Einnahme brachen fünf, bei der täglichen sechs Teilnehmende die Studie ab, schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen bei rund 5 Prozent auf.
Finanziert wurde die Untersuchung von den Pharmakonzernen Gilead Sciences und Merck Sharp & Dohme (MSD), die beide Wirkstoffe herstellen. Rockstroh zufolge dürfte ein Zulassungsantrag zunächst in den USA gestellt werden, eine Zulassung in Europa würde voraussichtlich später folgen. Sollte die US-Zulassungsbehörde zustimmen, könnte das Mittel demnach in der zweiten Jahreshälfte 2027 auf den Markt kommen.
Für Menschen, denen die tägliche Tabletteneinnahme schwerfällt, könnte das neue Präparat eine echte Entlastung bedeuten, so Rockstroh. Er verwies darauf, dass HIV-Medikamente bei Einführung der antiviralen Kombinationstherapie 1996 noch dreimal täglich geschluckt werden mussten.
Depotspritzen bereits im Einsatz
Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft, wertete die Entwicklung als sehr positiv. Zwar gebe es bereits zugelassene Depotspritzen, die monatlich, alle zwei oder alle sechs Monate verabreicht würden. "Aber für alle, die lieber eine Tablette einnehmen, ist die neue Entwicklung großartig", so der Experte. Betroffene müssten so nicht täglich an die Einnahme – und damit an ihre Infektion – erinnert werden.
Brockmeyer geht davon aus, dass das nun getestete Präparat zugelassen wird. Der Wirkstoff Lenacapavir, der erstmals 2022 in Europa zugelassen wurde, gehört zur relativ neuen Klasse der sogenannten Kapsid-Inhibitoren. Islatravir zählt zu den sogenannten NRTTI (Nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Translokations-Inhibitoren). (dpa/cw)














