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Pride-Saison

Kritik an ACAB-Banner und Anti-CDU-Song bei CSD Lünen

CDU und SPD äußerten sich irritiert über bestimmte Botschaften beim CSD Lünen. Insbesondere ein historischer CSD-Song, in dem die CDU wegen ihre Blockadehaltung bei der Ehe für alle kritisiert wird, stößt den Konservativen sauer auf.


Der erste CSD in Lünen zog den Zorn von großen Parteien auf sich (Bild: Instagram / CSD Lünen)

Der erste CSD in der 85.000 Einwohner*­innen zählenden Stadt Lünen in Westfalen vom 18. Juli hat ein politisches Nachspiel: Politiker von CDU und SPD kritisierten unter anderem, dass dort eine Flagge mit der Aufschrift "ACAB – All Cats Are Beautiful" gezeigt wurde. Das in den Siebzigerjahren in Großbritannien populär gewordene Akronym steht allerdings in der Regel für "All Cops are Bastards" – also sinngemäß für "Alle Bullen sind Schweine".

"Wir fanden das deplatziert", sagte der CDU-Kommunalpolitiker Andreas Grundmann, der auch am CSD teilgenommen habe, gegenüber den "Ruhr Nachrichten" (Bezahlartikel). Er erklärte weiter, dass mitlaufende CDU-Politiker*­innen daraufhin die CSD-Demo verlassen hätten und direkt zum CSD-Ständefest auf dem Willy-Brandt-Platz gegangen seien.

Der Lüner SPD-Chef und Landtagskandidat Steven Roch schloss sich der Kritik an: "Ich habe das auch wahrgenommen und finde es kritisch. Es hat dem Geist der Veranstaltung nicht entsprochen."

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Kritik an Polizei auch an anderen CSDs

Immer wieder gibt es Kritik an der Polizei auf CSD-Demos in Deutschland, kürzlich etwa auch in Kiel (queer.de berichtete). Kritisiert wird, dass die Polizei in der demokratischen Bundesrepublik jahrzehntelang Homosexuelle nach dem erst 1994 abgeschafften Paragrafen 175 verfolgen ließ.

Zwar gibt sich die Polizei heute meist queerfreundlich, etwa durch die Einrichtung von Ansprechpartner*innen bei queerfeindlicher Gewalt. Allerdings ist der alte Schwulenhass in Teilen der Behörde noch immer gegenwärtig: Letztes Jahr behauptete etwa Rainer Wendt, der damalige Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dass queere Menschen "uns ihre sexuelle Orientierung ständig aufdrängen" wollten. Er rief dazu auf, keinen Kniefall "vor einer Laune des Zeitgeistes" – also vor homosexuellen oder anderen queeren Menschen – zu machen (queer.de berichtete). Wendt sprach als langjähriger Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft für 100.000 Mitglieder.

CDU irritiert über CDU-kritischen CSD-Song

Der Lüner CDU-Fraktionschef Christoph Tölle ergänzte, dass er über andere Dinge beim CSD unglücklich gewesen sei. So seien andere Parteien auf dem CSD aktiv gewesen, außerdem sei dort ein Lied gegen die CDU gespielt worden. "Wir sind neutral und finden den CSD per se gut. Allerdings wurde dieser als parteineutral angekündigt. Das war aber nicht der Fall", so Tölle. Dennoch wolle seine Partei auch in Zukunft den CSD unterstützen.

Bei dem kritisierten Lied handelte es sich um "Christophers Straße" von EQT, den offiziellen Song des CSD Ulm/Neu-Ulm aus dem Jahr 2014. Darin heißt es unter anderem: "Ja, denn die Politiker tun nichts, sind schlimmer als ihr Ruf ist, weshalb er seine Stimme liebend gern dem CSD, aber niemals der CDU gibt."

CSD-Organisator: "Politische Kritik an Parteien" gehört zum CSD

CSD-Organisator Ian Marx findet diese Kritik irritierend. "Der Liedtext bezieht sich auf die damalige Ablehnung der Ehe für alle durch die CDU", sagt Marx und führt aus: "Politische Kritik an Parteien gehört seit Jahrzehnten zum Christopher Street Day, sie sollte jedoch sachlich bleiben."

Die Union hatte jahrelang die von den anderen im Bundestag vertretenen Parteien geforderte Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht abgelehnt. Selbst bei der Abstimmung zur Öffnung der Ehe im Juni 2017 – also drei Jahre nach Entstehung des Songs – stimmten drei Viertel der Abgeordneten von CDU und CSU für die Beibehaltung des Ehe-Verbots für Schwule und Lesben (queer.de berichtete). (dk)

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