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Kulturkampf

Augsburg: AfD-naher Jugendverein meldet Demo gegen Dragqueen an

In Augsburg laufen Rechte Sturm gegen den Auftritt von Dragqueen Vicky Voyage in der Stadtbücherei.


Vicky Voyage liest schon seit Jahren in Bibliotheken Kinderbücher vor (Bild: IMAGO / Wolfgang Maria Weber)

Der AfD-nahe Jugendverein Aljuza will am Mittwochnachmittag eine Demonstration gegen den Auftritt von Dragqueen Vicky Voyage in der Stadtbücherei abhalten. Laut Polizei werden 200 Teilnehmende beim rechtsextremen Protest erwartet.

Die kostenlose Veranstaltung für Kinder und Eltern soll um 15:30 Uhr beginnen. In der Ankündigung zur bereits ausgebuchten Kinderbuch-Lesung heißt es: "Hosen für Jungs und Röcke für Mädchen? Zwei Mamas oder zwei Papas? – Wer sagt eigentlich, was normal ist und was nicht? Drag-Queen Vicky Voyage zeigt bei diesem besonderem Bilderbuchkino, dass das Anders Sein zum Leben gehört und dass alle so leben dürfen, wie sie es sich wünschen."

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"Obszöne Körperkult-Ideen"

Aljuza ("Alternatives Jugendzentrum Augsburg") macht dagegen Front. Bei der Lesung würden "obszöne Körperkult-Ideen" verbreitet. Besonders erregt zeigt sich der Verein darüber, dass eine Dragqueen die Bücher vorliest: "Dass solche Bücher ausgerechnet von Personen vorgetragen werden, die im Bereich 'Drag' tätig sind – einer klar erwachsenen, sexualisierten Unterhaltungsform -, macht die Sache nur noch unerträglicher und zeigt, wie weit die ideologische Entgrenzung bereits fortgeschritten ist."


(Bild: Instagram)

Laut der "Augsburger Allgemeinen" (Bezahlartikel) handelt es sich bei dem Jugendverein um ein "Nachwuchsprojekt einiger AfDler aus dem Raum Augsburg". Bei dem Verein sei in führender Position auch ein Mitarbeiter des AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Jurca aktiv, der vor drei Jahren rechtskräftig wegen Vergewaltigung verurteilt worden war.

Gegen die rechte Demo formierte sich auch Protest: So plant ein linkes Zentrum am frühen Nachmittag eine Demo gegen Aljuza. "Wir werden die Lesung sowohl vor rechten Übergriffen und Störversuchen schützen, als auch den Rechten nicht unbeantwortet die Straße überlassen, um ihren fundamentalistischen und sexistischen Müll zu verbreiten", heißt es in der Ankündigung.

Dragqueens als Hassobjekte der Rechten im antiqueeren Kulturkampf

Dragqueens gelten vielen Konservativen und Rechtsextremen inzwischen als Symbol des angeblichen moralischen Verfalls. Die in der queeren Community populäre Kunstform wird von ihnen dabei oft als Vorwand genutzt, um eigene Vorurteile gegen Homosexuelle in einem anderen Zusammenhang zu rechtfertigen. So gab es 2023 Proteste gegen eine Dragqueen-Lesung in München, bei der selbst die CSU Verbote forderte und die schwule Kunstform als "woke Frühsexualisierung" beschrieb (queer.de berichtete). Besonders aggressiv polemisiert stets die rechtsextreme AfD gegen den "Dragqueen-Sumpf" (queer.de berichtete).

Erst kürzlich verbot auch die CDU-Stadträtin Malgorzata Sijbrandij in Berlin mehrere Dragqueen-Lesungen, angeblich um Kinder vor einer "polarisierenden Begleitung" zu schützen (queer.de berichtete). Sogar der Chef der Lesben und Schwulen in der Union, die sich eigentlich für queere Rechte einsetzen, unterstützte dieses Verbot (queer.de berichtete).

Lesungen von Dragqueens basieren auf dem amerikanischen Konzept der "Drag Queen Story Hour". Diese wurde erstmals 2015 in einer Bücherei San Francisco durchgeführt. Damit wollen Dragqueens bei Kindern dafür werben, Bücher zu lesen – außerdem soll ihnen schon früh gezeigt werden, dass die Gesellschaft vielfältig ist. Anders als von Rechten behauptet lesen Dragqueens dabei nie Anleitungen zum Analsex oder zu anderen derartigen Themen, sondern altersgerechte Kinderbücher, die in den Bibliotheken erhältlich sind. (cw)

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