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Streamingtipp

Schwieriges Coming-out auf dem Bauernhof

Die ZDF-Miniserie "München Beats" führt zurück in die 1990er Jahre und erzählt eine fiktionale Geschichte um die Entstehung des realen legendären Münchner Kunstpark Ost. Mittendrin ist auch ein schwuler Bauernsohn.


Bauernsohn Andi Bierwirth (Ben Münchow, r.) und Friseur John (Helge Mark, l.) kommen sich auf der Tanzfläche näher (Bild: ZDF / Marc Reimann)

In der neuen TV-Serie "München Beats" steckt eine überraschende Menge realer Historie. Da ist zunächst mal das Kartoffelknödel-Unternehmen Pfanni, das 1996 seinen Standort im Zentrum von München aufgeben musste. Dann der legendäre Kunstpark Ost, ein 90.000 Quadratmeter großes Areal, das in den früheren Fabrikhallen von Pfanni als Zwischennutzung entstand und von 1996 bis 2003 die größte Partyzone Europas war. Und schließlich das Lokal Deutsche Eiche, seit Jahrzehnten ein Treffpunkt für queere Menschen in München – Schwulensauna inklusive.

Basierend auf diesen realen Schauplätzen haben die Macher*innen der ZDF-Serie eine Geschichte um zwei Familien entwickelt, die ein dunkles Geheimnis verbindet – und gleichzeitig die Anfänge der Techno-Bewegung und die damalige Situation queerer Menschen eingeflochten. Beide Familien sind unmittelbar mit Pfanni verbandelt: Theo Meinhardt (Tobias Moretti) leitet das Unternehmen in dritter Generation und residiert mit Gattin Alicia (Sophie von Kessel) und erwachsenem Sohn Marius (Klaus Steinbacher) in einer schicken Villa. Marius ist gerade aus New York zurück, wo er versucht hat, ein Internet-Unternehmen aufzuziehen, damit jedoch pleite ging.

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Küchenhilfe im Schwulenlokal

Die Bauernfamilie Bierwirth wiederum liefert seit langer Zeit tonnenweise Kartoffeln an Pfanni und hat dadurch ein stabiles Einkommen. Marius und die Bierwirth-Sprösslinge Linda (Jule Hermann) und Andi (Ben Münchow) kennen sich daher schon seit Kindertagen. Aber Techno-Fan Linda ist zunehmend frustriert vom Leben auf dem Lande und der Arbeit auf dem Hof. Und als sie an einer Party in München andere junge Techno-Fans kennenlernt und sich mit ihrer Mutter Veronika (Marlene Morreis) gerade wieder mal heftig gezankt hat, beschließt sie, nach München zu flüchten, um dort DJ zu werden.


Linda Bierwirth (Jule Hermann) zieht nach München, um ihren großen Traum zu verwirklichen: DJ zu werden (Bild: ZDF / Marc Reimann)

Über die anderen Techno-Fans kommt sie in Kontakt mit der Deutschen Eiche, dessen männliches Betreiberpaar gerade eine Küchenhilfe sucht. Das weitgehend schwule Publikum schreckt Linda genauso wenig wie die Männersauna im Keller. Und schon bald verdient sie genug Geld, um ihren DJ-Traum weiterzuverfolgen. Zudem begegnet sie nach langen Jahren Marius zum ersten Mal wieder, und es dauert nicht lange, bis es zwischen den beiden funkt.

Wegen neuer Frisur unter Verdacht

Ihr Bruder Andi derweil ist mit Leidenschaft Bauer und fühlt sich wohl auf dem Land. Aber als er Linda dann mal in München besuchen geht, entdeckt er dort eine ganz andere Welt, die ihn gleichermaßen anzieht wie beunruhigt. Linda überredet ihn, sich von ihrem schwulen Freund und Friseur John (Helge Mark) einen neuen Haarschnitt machen zu lassen. Und während es zwischen den beiden auch schon bald funkt, wird er zu Hause auf dem Dorf wegen seiner neu blondierten Strähnen von seinen Freunden prompt als schwul verspottet. Plötzlich ist er hin- und hergerissen zwischen zwei Welten. Und auch sein Vater Georg (Frederic Linkemann) wird mit den Sprüchen über seinen Sohn konfrontiert und reagiert äußerst ungehalten.


Andi Bierwirth (Ben Münchow, l.) lässt sich bei John (Helge Mark, M.) die Haare färben. Seine Schwester Linda Bierwirth (Jule Hermann, l.) unterstützt den mutigen Schritt (Bild: ZDF / Holly Fink)

Denn die Lage ist schon so schwierig genug. Kurz zuvor sah sich Pfanni-Chef Theo nämlich gezwungen, "seine Bauern" darüber zu informieren, dass er das Werk in München aus finanziellen Gründen schließen muss – und ihre sichere Einnahmequelle bald schon weg sein wird. Derweil die Bauern entsetzt sind, wittern Marius und Linda eine Chance: Gemeinsam mit dem erfahrenen Techno-Partyveranstalter Harald Prell (Tim Seyfi) wollen sie in den alten Pfanni-Fabrikhallen eine neue Party-Location aufbauen. Doch Theo hält nicht nur das für eine schlechte Idee, er beobachtet auch die Beziehung zwischen Marius und Linda mit Unbehagen. Und aus ganz anderen Gründen, als Marius und seine Mutter zuerst vermuten.

Schädliches Männerbild

Das Familiendrama zieht nicht zuletzt deshalb rein, weil es so stark mit realen Ereignissen und Schauplätzen verwoben ist, auch wenn es sich entlang vertrauter Konfliktlinien bewegt: Das konservative Land trifft auf die wilde Stadt, Tradition auf Veränderung – und mittendrin versucht ein schwuler Jungbauer, einen Weg dazwischen zu finden. "Andi liebt das Leben auf dem Land, die Arbeit, den Hof, seine Familie, den Stammtisch", sagt sein Darsteller Ben Münchow in den Medienunterlagen zur Serie. "Gleichzeitig ist genau dieser Ort für ihn auch sehr eng. Er glaubt, dass er dort nicht der Mensch sein kann, der er vielleicht eigentlich ist."

Münchow, der selbst auf dem Land aufgewachsen ist und als Schüler wegen eines Ohrrings auch schon als schwul verspottet wurde, hat sich mit einigen Menschen ausgetauscht, die in den 1990er Jahren jung und schwul waren. "Dabei ging es nicht nur um Homosexualität, sondern auch stark um ein bestimmtes Männerbild, das ehrlich gesagt teilweise noch heute nicht verschwunden ist. Es hat vielen Menschen sehr geschadet – nicht nur Frauen, sondern auch Männern selbst. Weil es ihnen oft gar nicht erlaubt, verletzlich zu sein oder sich frei zu entwickeln."

Den Mut von damals braucht es heute wieder

Doch so schwierig die Zeiten für Schwule damals gewesen sein mögen: Eine Passage der Serie zeigt auch, dass sie durchaus Hoffnungen auf eine bessere Zukunft hatten. Lindas Chef Rudi (Michael A. Grimm), der Betreiber der Deutschen Eiche, redet ihr gut zu, nachdem ihr Bruder im Dorf krankenhausreif geprügelt worden ist: "Du wirst sehen, eines Tages wird das keinen mehr jucken. Da werden sich alle outen, Politiker, Fußballer. Vielleicht dürfen wir sogar heiraten. Aber jetzt braucht es ein paar, die mutig sind – oder verzweifelt genug." Rudis Hoffnungen haben sich erfüllt, zumindest teilweise. Denn es juckt leider noch immer einige, und den Mut, den braucht es heute wieder mehr als auch schon.

Alle vier Folgen von "München Beats" können ab Freitag, den 7. August 2026 um 10 Uhr in der ZDF-Mediathek gestreamt werden. Die TV-Ausstrahlung erfolgt am 26. und 27. August jeweils um 20:15 Uhr in Doppelfolgen.

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