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Österreich

Schwuler Mann ermordet – Hass auf Homo­sexuelle als Motiv?

In Niederösterreich soll ein Kampfsportler einen jungen Mann in eine tödliche Falle gelockt haben. Gegenüber der Polizei soll der Mordverdächtige Zeitungsberichten zufolge gesagt haben, er hasse Homosexuelle.


Symbolbild: Die massive Brutalität der Tat sorgt auch bei der österreichischen Polizei für Erschütterung (Bild: IMAGO / CHROMORANGE)

Langenzersdorf ist eine mittelgroße Marktgemeinde in Niederösterreich mit etwas mehr als 8.000 Einwohner*­innen. Die Kriminalitätsrate ist niedrig. Doch nun erschüttert ein grauenhafter Mordfall die ansonsten so ruhige Gemeinde. Die Ermittlungen der Polizei sind noch nicht abgeschlossen.

Bekannt ist bislang, dass es sich bei dem Toten um einen 29-Jährigen Mann aus Wien handelt. Er wurde offenbar erschlagen. Er wies schwere Verletzungen im Kopf und Halsbereich auf. Es wurde bislang keine Tatwaffe gefunden. Als Mordverdächtiger wurde ein 18-jähriger Mann festgenommen. Wie die "Kronen Zeitung", Österreichs größte Tageszeitung, berichtete, soll der 18-Jährige bei der polizeilichen Vernehmung als Motiv angegeben haben: "Ich hasse Homo­sexuelle". Die beiden Männer sollen sich über das Internet kennengelernt haben. Der Mordverdächtige sei ein Kampfsportler. Laut "Kronen Zeitung" dürfe er "das Opfer aus Hass in eine tödliche Falle gelockt haben".

Die "Kronen Zeitung" ist bei polizeilichen Ermittlungen und Kriminalfällen schnell und detailliert informiert, weil deren Journalist*­innen über gute Kontakte zur Polizei verfügen. Auch die Tageszeitung "Kurier" berichtete: "Mord in NÖ: Hass auf Homo­sexuelle dürfte das Motiv sein". Im "Kurier" heißt es: "Getrieben von seinem Hass auf Homo­sexuelle soll der 18-Jährige, ein ungarischer Staatsbürger, so lange auf den Wiener, den er zuvor in sozialen Medien kennengelernt haben soll, eingeschlagen haben, bis dieser leblos am Boden lag." Bei der Polizei zeige "man sich angesichts der massiven Brutalität der Tat erschüttert", schreibt der "Kurier".

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Ermittlungen bezüglich "Pedo Hunter"

Der Tatverdächtige wurde in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. Es wurde die Untersuchungshaft beantragt. Für den Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Laut "Kronen Zeitung" und "Kurier" ermittelt die Polizei, ob der Mordverdächtige zu den sogenannten "Pedo Huntern" gehört. "Pedo Hunter" seien "jedenfalls ein brandgefährlicher internationaler Trend, der von Übersee Europa erfasst hat", so die "Kronen Zeitung". Bei den Jägern handelt es sich um Personen oder Gruppen, die schwule und bisexuelle Männer hassen und ihnen fälschlicherweise Pädophilie unterstellen. Sie locken schwule und bisexuelle Männer unter dem Vorwand des Kinderschutzes mit Fake-Profilen auf Dating-Plattformen im Internet an. Bei einem Treffen werden schwule und bisexuelle Männer schwer misshandelt. Die Opfer haben, wie die Polizei immer wieder feststellt, keine pädophile Neigungen.

Im Vorjahr Großrazzien gegen "Pedo Hunter"-Szene

In Österreich ist das Phänomen "Pedo Hunter" nicht unbekannt. Im Vorjahr führte die Polizei in diesem Zusammenhang in mehrere Bundesländern Großrazzien durch (queer.de berichtete). Dabei kam es zu zahlreichen Verhaftungen. Die sichergestellten Beweismittel zeigten, was die "Tatverdächtigen im gemeinsamen Vorgehen gegen ihre Opfer eint: Der offensichtliche Spass an roher Gewalt", erklärte damals die Polizei.

Die Opfer wurden bei den Treffen mit heftiger Gewalt (Tritte mit Stahlkappenschuhen, Angriffe mit Waffen) schwer verletzt, ausgeraubt, erniedrigt und dabei gefilmt. Einmal wurde ein Mann fast zu Tode geprügelt. Die Razzien führten zu mehreren Strafprozessen. Den Angeklagten wurde schwerer Raub, versuchter Mord und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Es kam zu mehreren Verurteilungen.

Die Polizei stellte bei der Auswertung der Fälle ausdrücklich klar, dass keines der Opfer pädophil war. "Die Gruppierung gab vor, dass sie durch ihre Handlungen gegen pädophile Personen vorgehen würde. In Wirklichkeit richteten sich die immer brutaler werdenden Tathandlungen gegen die homosexuelle Szene", betonte die Polizei. Die Täter*innen "haben gezielt nach ihren Opfern gesucht, haben Dating-Apps als Werkzeug missbraucht, um Menschen aufzuspüren", sagte Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. "Wir haben es nicht mit zufälligen Einzeltäter*innen zu tun, sondern mit einem strukturellen Problem der Gewalt gegen LGBTIQ Menschen", so Mariam Vedadinejad, Gruppensprecherin bei Queeramnesty Österreich.

Die Instrumentalisierung von Pädophilie-Vorwürfen gegen Schwule erfolgt unter anderem auch durch rechtsextreme Gruppierungen. Vorbild war lange Zeit ein russischer Neonazi, der unter dem Spitznamen "Tesak" bekannt war. Er wurde im September 2020 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden (queer.de berichtete). Der russische Neonazi war der Anführer einer Gruppe, die schwule Männer im Internet in eine Falle lockte und mit Gewaltanwendungen in Videos für soziale Netzwerke öffentlich erniedrigte.

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