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Premiere

Bolivien feiert seine erste gleich­geschlechtliche Ehe

Bolivien verbietet in seiner Verfassung eigentlich die gleichgeschlechtliche Eheschließung, muss sich aber an internationales Recht halten: Ein lesbisches Paar hat sich nun vor Gericht das Recht auf die eigene Hochzeit erstritten.


Fabiana Banzer (li.) und Scarlett Rocha sind bislang das einzige gleichgeschlechtliche Ehepaar, das in Bolivien geheiratet hat (Bild: Facebook / Fabiana Banzer)

Nach einem fast vierjährigen Rechtsstreit haben Fabiana Banzer und Scarlett Rocha am Freitag als erstes gleich­geschlechtliche Paar in Bolivien zivilrechtlich geheiratet. Trotz der Anerkennung ihrer Hochzeit verbietet die Verfassung des 12,5 Millionen Einwohner*­innen zählenden südamerikanischen Landes gleich­geschlechtliche Ehen nach wie vor. Dennoch könnte ihr juristischer Sieg anderen gleich­geschlechtlichen Paaren die Tür für die Anerkennung ihrer Partnerschaft öffnen.

Das Paar hatte am 12. Oktober 2022 mit juristischer Unterstützung der queeren Organisation IGUAL Bolivia eine zivilrechtliche Eheschließung beantragt. Die Organisation wies darauf hin, dass der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte (IAGMR), der für 20 Länder in der Karibik, Mittel- und Südamerika zuständig ist, im Januar 2018 ein Recht auf gleich­geschlechtliche Eheschließungen garantierte (queer.de berichtete). In dem Gutachten hieß es, dass Staaten, die die Amerikanische Menschenrechtskonvention von 1969 unterzeichnet haben, gleich­geschlechtlichen Paaren "Zugang zu allen bestehenden nationalen Systemen der Familienregistrierung, einschließlich der Ehe, sowie zu allen aus der Ehe hervorgehenden Rechten" gewähren sollten.

Artikel 63 der bolivianischen Verfassung beschränkt die Ehe jedoch auf heterosexuelle Paare. Der darauffolgende langwierige Rechtsstreit von Banzer und Rocha führte dazu, dass die Gerichte zwei Verfassungsbeschwerden stattgaben.

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Andere Paare müssen sich Recht auf Eheschließung vor Gericht erkämpfen

Das Paar gewann schließlich seinen Kampf, doch dieser Sieg gilt bislang ausschließlich für die beiden Frauen. Es gab bisher keine Gesetzes- oder Verfassungsänderungen, die gleichgeschlechtliche Ehen landesweit erlauben würden. Dennoch könnte der Erfolg den Weg für ähnliche Klagen ebnen und so den Prozess hin zur Ehe für alle beschleunigen.

"Scar und ich sind seit mehr als vier Jahren zusammen", schrieb Banzer am Wochenende in einem öffentlichen Facebook-Beitrag. "Es macht mich sehr glücklich, unserer Familie und unseren Freund*innen mitzuteilen, dass wir nach einem Rechtskampf von drei Jahren und 10 Monaten als zwei Frauen endlich Zugang zur Zivilehe erhalten haben."

Banzer und Rocha sind erst das zweite gleichgeschlechtliche Paar, das von Bolivien rechtlich anerkannt wurde. Im Dezember 2020 gewannen David Aruquipa und Guido Montaño ihren Rechtsstreit und wurden das erste gleichgeschlechtliche Paar, das seine Partnerschaft als eingetragene Lebenspartnerschaft registrieren lassen konnte (queer.de berichtete).

"Rechte entstehen nicht von einem Tag auf den anderen"

Aruquipa erklärte am Sonntag, dass er die kürzliche Eheschließung der beiden Frauen als bedeutenden Fortschritt auf dem längeren Weg des Landes zur Ehe für alle betrachtet. "Anstatt von einem Anfang zu sprechen, sollten wir von einer historischen Kontinuität sprechen: von der ersten anerkannten Lebenspartnerschaft bis zur ersten Zivilehe", schrieb er auf Facebook. "Rechte entstehen nicht von einem Tag auf den anderen."

Obwohl Bolivien einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen seit 1832 nicht kriminalisiert und auch über Antidiskriminierungsgesetze zum Schutz von queeren Personen verfügt, dürfen gleichgeschlechtliche Paare rechtlich keine Kinder adoptieren. Zudem ist lesbischen Paaren der Zugang zu In-vitro-Fertilisation nicht garantiert, und sogenannte Konversionstherapien zur "Heilung" von Homosexualität bleiben im Land weiterhin legal. Hintergrund ist, dass sowohl die katholische Kirche als auch schnell wachsende evangelikale Kirchen im Land enormen politischen Einfluss besitzen und die Gleichbehandlung von Homosexuellen aus religiösen Gründen kategorisch ablehnen. (dk)

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