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Oberbayern
14-Jähriger schwänzte wegen queerer Veranstaltung die Schule: Eltern über Bußgeld empört
Rechte Medien und die AfD haben derzeit Schnappatmung, weil ein 14-Jähriger wegen eines queeren Seminars ein Tag lang die Schule schwänzte – und dafür einen Bußgeldbescheid erhielt.

Da fehlt doch eine rechte Hand… (Bild: Archiv)
- 11. August 2026, 15:00h 3 Min.
Seit rund einer Woche gibt es in rechtspopulistischen Kreisen eine Empörungswelle über einen 14-jährigen Schüler, der im Gymnasium Markt Indersdorf (Landkreis Dachau) am 10. Juli eine queere Veranstaltung nicht besuchen wollte – und deshalb nun einen Bußgeldbescheid erhalten habe. Während AfD und Co. schäumen, beharrt das Landratsamt auf dem Bußgeldverfahren – schließlich habe der Schüler einen Tag lang unentschuldigt im Unterricht gefehlt.
Anlass war ein zweistündiger Schulworkshop des Projekts diversity@school von diversity München, in dem es um sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität ging. Das Thema ist für die achte Klasse an bayerischen Gymnasien vorgesehen. Junge, ehrenamtliche Referent*innen klären in Gegenwart einer Lehrkraft die Jugendlichen über queere Themen auf, sollen Vorurteile abbauen und Akzeptanz gegenüber queeren Mitschüler*innen fördern.
Die Eltern des 14-Jährigen sahen darin aber "Indoktrination" und beschwerten sich laut dem rechten Portal "Apollo News" über den Workshop. Die Schule habe aber im Vorfeld darauf verwiesen, dass es sich dabei um eine Pflichtveranstaltung handle. Empört berichteten sie dann, dass der 14-Jährige vom Landratsamt nach seinem Fernbleiben einen Bußgeldbescheid erhalten habe. Festgelegt wurde die Mindeststrafe in Höhe von 50 Euro. Das Schreiben war an den Schüler und nicht die Eltern adressiert, weil er bereits 14 Jahre alt ist und damit als Jugendlicher nach deutschem Recht selbst Verantwortung trägt.
Die Eltern des Schülers wollen gegen den Bescheid vorgehen. Sie werfen der Schule laut "Apollo News" unter anderem vor, auf ihre Bedenken nicht angemessen reagiert zu haben oder ihnen nicht die Materialien vorgelegt zu haben, die im Kurs verwendet werden sollten.
Landratsamt: Schüler machte ganzen Tag blau
Die Schule selbst will sich gegenüber Medien nicht über den Vorfall äußern. Das Landratsamt teilte aber gegenüber dem "Merkur" (Bezahlartikel) mit, dass der Schüler nicht nur für das Seminar gefehlt habe, sondern den ganzen Schultag lang. Die Schule habe daraufhin das unentschuldigte sechsstündige Fehlen dem Landratsamt mitgeteilt, was ihre Pflicht gewesen sei. Daraufhin habe das Amt – wie gesetzlich vorgeschrieben – ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Das sei nicht selten: Bayernweit seien im letzten Jahre insgesamt 251 derartige Verfahren eingeleitet worden.
Ein Sprecher wunderte sich im "Merkur", warum die Eltern ihr Kind nicht einfach den ganzen Tag krankgemeldet hatten. Dann hätte das Amt auf diesen Verfahren verzichten können.
AfD hält Bußgeldverfahren für rechte Blaumacher für "unverhältnismäßig"
In rechten Online-Medien rollte dann eine Empörungswelle über die Schule hinweg, der sich auch die rechtsextreme AfD anschloss. "Es ist vollkommen unverhältnismäßig, einen 14-Jährigen mit einem Bußgeldverfahren zu überziehen, weil seine Eltern begründete Bedenken gegen eine ideologische Pflichtveranstaltung hatten", empörte sich etwa der Landtagsabgeordnete Franz Schmid. Warum ein Kind wegen eines Workshops einen ganzen Tag blau machen dürfen sollte, erklärte er aber nicht. Immerhin war der 10. Juli in Oberbayern ein strahlend schöner Sommertag, an dem sicher viele Jugendliche lieber ins Freibad gegangen wären.
Die AfD hat sich immer wieder gegen die Gleichbehandlung von queeren Schüler*innen im Unterricht ausgesprochen. Jeglichen Unterricht zu diesem Thema kritisiert sie als "Frühsexualisierung". Letztes Jahr trat die Partei etwa im Landtag von Sachsen-Anhalt dafür ein, "Vielfaltspropaganda" durch "heterosexuelle Normalität" zu ersetzen (queer.de berichtete). (dk)















