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August 2026

Heiliger des Monats: Igor

Einmal monatlich verneigen wir uns vor schwulen Heiligen. Im August vor Igor – dem Heiligen Schwan von St. Petersburg.


Bild: F. G. Borghi

Das Coffee-Table-Book "Unholy" von F. G. Borghi (Bild) und Björn Koll (Text) ist die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" – und wie es sich für devotionale Kunst gehört, gibt es die ikonischen Mannsbilder inzwischen nicht mehr nur als Buch, sondern auch als Postkartenheft oder als Kalender. Und bei uns. Einmal monatlich verneigen wir uns vor den schwulen Heiligen des Monats. Im August vor dem Heiligen Igor.

Igor Wassili Petrowitsch wurde 1858 im sibirischen Dorf Bratsk (russisch Братск) geboren und kam als Achtzehnjähriger nach St. Petersburg. Er brauchte für die 5.150 Kilometer lange Strecke zu Fuß genau 156 Tage. In dieser Zeit trat er jeden Abend in Gasthäusern als Tänzer auf, um sich Essen und Bett (und vielleicht noch etwas anderes) zu verdienen. In St. Petersburg lernte er den damals vierunddreißigjährigen Pjotr Iljitsch Tschaikowski kennen, der sich unsterblich in ihn verliebte. Igor jedoch war in den deutschen Tänzer Siegfried verliebt, was zu Spannungen führte, ihn aber auch zur Idee für das Ballett Schwanensee inspirierte, das 1877 in Moskau uraufgeführt wurde, wobei er den Hauptpart natürlich selbst tanzte. In dem Ballett ging es um den verzauberten Schwanenprinzen Igor, der nur durch die wahre und ewige Liebe von Siegfried aus dem Bann des furchtbar bösen Zauberers Rotbart erlöst werden kann. In späteren Fassungen wurde der Schwanenprinz durch die Schwanenprinzessin Odette und in der Muppet-Show sogar durch Miss Piggy ersetzt.

Die Urfassung hatte auch ein wirklich schönes Ende, in dem Igor, Siegfried und der dann gar nicht mehr so böse Zauberer Rotbart zu dritt sehr, sehr glücklich bis an ihr Lebensende zusammenblieben. Liebe triumphierte über den Tod, das Gute über das Böse. Nicht umsonst wurde Schwanensee zum Tod der Kreml-Herren Juri Andropow 1984 und Konstantin Tschernenko 1985 oder auch während des Staatsstreiches gegen Michail Gorbatschow im russischen Fernsehen in Dauerschleife gezeigt.

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Inzwischen warten wir schon wieder seit Jahrzehnten auf eine Wiederholung. 1921 erlebte der nunmehr pensionierte heilige Igor noch einen weiteren Triumph, als mit der Einführung des neuen Strafgesetzbuches der Sowjetunion Homosexualität legalisiert wurde. Leider hielt das nur bis 1934. Danach wurden sexuelle Handlungen zwischen Männern (muscheloschstwo, мужеложство; wörtlich etwa Beischlaf mit Mannern) bis 1993 wieder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis oder Zwangsarbeit bestraft. Aktuell ist die Situation queerer Menschen in Russland nicht viel besser.
Deshalb: Lasst die Schwane tanzen! Gerne schon am nächsten 13. August, Igors Gedenktag.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das bei Salzgeber erschienen ist. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Alle "Unholy"-Produkte sowie viele weitere nichtheteronormative Bücher und Filme gibt es u.a. im Salzgeber.Shop.

Infos zum Buch

F. G. Borghi, Björn Koll: Unholy. An Almost Complete Hagiography of Gay Saints. Texte auf Deutsch und Englisch. 192 Seiten. Salzgeber. Berlin 2025. Hardcover: 59 € (ISBN 978-3-95985-713-0)
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