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WNBA

Transphobe Debatte in der besten Basketball-Frauenliga der Welt

Profi-Basketballerin Sophie Cunningham will keine trans Frauen in ihrem Sport akzeptieren – und mutiert mit dieser abweisenden Haltung zur Heldin der transfeindlichen MAGA-Bewegung.


Sophie Cunningham ist die neueste Teilnehmerin im Kulturkampf gegen trans Menschen (Bild: IMAGO / Sports Press Photo)

Die Debatte um den Umgang mit trans Menschen überschattet derzeit die amerikanische Frauen-Basketballliga WNBA. Auslöser waren Äußerungen von Sophie Cunningham, Profispielerin des Teams Indiana Fever aus Indianapolis, die sich im Juli für ein Spielverbot für trans Frauen ausgesprochen hatte. Konservative Politiker*innen feuerten daraufhin die Debatte in der weltbesten Frauen-Liga an. Das Thema ist dabei rein theoretischer Natur, da noch nie eine offen trans Frau in der WNBA gespielt hatte.

Cunningham begründete ihre Position mit dem Schutz von Sportlerinnen und berief sich auf den "gesunden Menschenverstand" – "Junge Mädchen" sollten nicht gezwungen werden, gegen "biologische Männer" zu spielen. Trans Frauen beschrieb sie dabei als pauschale Gefahr für cisgeschlechtliche Frauen.

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Unterstützung aus dem Trump-Kosmos

Die Äußerungen führten unter Fans zu geteilten Reaktionen. Während die Spielerin bei Auswärtsspielen teils mit Pfiffen und Protestaktionen konfrontiert wurde, erhielt sie Unterstützung aus dem konservativen politischen Spektrum, unter anderem von US-Vizepräsident JD Vance, der im Fox News Channel erklärte: "Wissen Sie, manchmal, wenn man in diesem Land mutig ist, versuchen einige der schlimmsten Menschen der Welt, einen anzugreifen." Als mutig sind der Republikaner Cunningham an, als "schlimmste Menschen" trans Frauen und queere Aktivist*innen.

Auch innerhalb der Liga positionierten sich Akteurinnen unterschiedlich. Natalie Nakase, Cheftrainerin der Golden State Valkyries, sprach sich explizit für die Teilnahme von trans Frauen aus: "Ich setze mich dafür ein, dass Frauen und kleine Mädchen spielen dürfen – und dazu gehören auch trans Frauen. Es geht um Inklusion. Es geht darum, allen zu ermöglichen, sie selbst zu sein. Ich habe selbst Momente erlebt, in denen mir vermittelt wurde: 'Du solltest hier nicht dazugehören.' Deshalb möchte ich, dass sich dieser Ort niemals so anfühlt."

Cunninghams Verein, die Indiana Fever, hielt sich aus der Debatte um die Teilnahme von trans Frauen heraus, verteidigte aber seine Spieler: "Unsere Spieler sind besonnene Erwachsene mit eigenen Sichtweisen und Stimmen, und diese Ansichten sind ihre eigenen."

Die WNBA-Spielergewerkschaft (WNBPA) warnte in einer Stellungnahme vor der politischen Instrumentalisierung des Themas und verurteilte Anfeindungen: "Hass, Missbrauch und Dämonisierung von Personen oder Personengruppen, einschließlich trans Personen, schüren nur Angst, Spaltung und Schaden."

Republikaner machen Wahlkampf mit Transphobie

Republikaner nutzen die Debatte jedoch für politische Provokationen: Die ehemaligen NBA-Spieler Enes Kanter Freedom und Royce White kündigten etwa an, sich für den WNBA-Draft zu registrieren. White begründete diesen Schritt gegenüber "Fox News" augenzwinkern damit, dass er sich "manchmal als Frau identifiziert – für Zwecke des Basketballs". Kanter Freedom ist bereits bei republikanischen Parteitagen aufgetreten und engagiert sich gegen "Wokeness", White trat 2024 als republikanischer Senatskandidat in Minnesota an. Beobachter*innen werten diesen Schritt als gezielte Provokation, ähnlich der Aktionen des deutschen Neonazis Sven Liebich (queer.de berichtete).

Die Regierungspartei heizt die Debatte wohl derzeit an, weil Anfang November wichtige Zwischenwahlen stattfinden werden. Hier drohen die Republikaner, beide Kammern des US-Kongresses zu verlieren, wodurch das Parlament viele Projekte von Präsident Donald Trump blockieren könnte. Mit einer transfeindlichen Haltung hofft die Partei, ihre wichtige evangelikale Wählerbasis zu motivieren, zur Wahl zu gehen. Denn viele wenden sich nach mehr als anderthalb Jahren der zweiten Amtszeit von Trump enttäuscht von ihm ab. Die Gründe: Wegen Auswirkungen seiner Zollpolitik und des von Trump entfachten Krieges gegen den Iran leiden viele Menschen unter hoher Inflation, zudem sind viele Trump-Fans wegen nicht eingehaltene Transparenzversprechen etwa im Fall von Jeffrey Epstein unglücklich.

Die Debatte um Cunningham treibt unter Trump-Fans teils bizarre Blüten. Der prominente freikirchliche Pastor, Podcaster und Verleger Eric Conn behauptete etwa, dass professioneller Frauen-Sport generell schlecht sei: "Die WNBA ist eine Brutstätte für Androgynität und Homosexualität, die unvermeidlich zu Transgenderismus führt." Frauensport diene als Propaganda-Mittel für Linke, um die traditionelle Familie auszulöschen.


(Bild: X)

Im aktuellen Tarifvertrag der WNBA ist bislang lediglich verankert, dass "nur Frauen in der WNBA spielen" dürfen; eine genaue Definition des Begriffs "Frau" fehlt dort jedoch. Eine Arbeitsgruppe der Liga hat nun die Aufgabe übernommen zu prüfen, ob und inwiefern die Teilnahme- und Regelkriterien für die Zukunft präzisiert werden müssen. Viele andere Sportarten haben auf Druck der Trump-Regierung bereits ein Verbot von trans Frauen beschlossen, so auch das IOC, das die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles organisiert (queer.de berichtete).

Studien widerlegen Märchen vom pauschalen Trans-Vorteil im Sport

Republikaner und auch einige Frauenaktivistinnen werfen trans Frauen pauschal vor, nur im Frauensport antreten zu wollen, weil sie als "biologische Männer" Vorteile erwarten. Sie zeigen dabei oft empört Bilder, in denen trans Frauen männlich aussehen. Wissenschaftlich ist diese Haltung indes nicht: Mehrere Studien deuten eher darauf hin, dass sich bei trans Frauen Vor- und Nachteile ausgleichen. Eine Anfang dieses Jahres veröffentlichte Meta-Studie hat etwa keine Hinweise darauf gefunden, dass trans Frauen nach einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie körperliche Vorteile gegenüber cisgeschlechtlichen Frauen im Sport besitzen (queer.de berichtete). Meta-Studien, bei denen viele wissenschaftliche Untersuchungen herangezogen werden, gelten als Goldstandard der wissenschaftlichen Evidenz, da sie Daten mehrerer Studien zusammenfassen, die statistische Aussagekraft erhöhen und widersprüchliche Ergebnisse klären. (cw)

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