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Lebensrettende Medikamente

Studie: Pubertätsblocker können Suizide bei trans Jugendlichen verhindern

Pubertätsblocker sind derzeit ein großes Thema in der Diskussion um trans Menschen. Eine große neue Studie bestätigt nun: Die Medizin senkt das Risiko massiv, dass betroffene Jugendliche an Suizid denken.


Viele konservative und rechtspopulistische Politiker*­innen wollen den trans Jugendlichen trotz immer eindeutigere wissenschaftlicher Ergebnisse diese Behandlung vorenthalten – und treiben sie damit unter Umständen dazu, sich selbst zu töten (Bild: Daydreamerboy / wikipedia)

Trans Menschen leiden laut einer Reihe von Studien eher an mentalen Problemen und Suizid-Gedanken. Sogenannte Pubertätsblocker, die das Eintreten der Pubertät vorübergehend unterdrücken, können dieses Risiko bei jungen Menschen aber erheblich senken, wie eine neue Kohortenstudie jetzt bestätigt hat. Die im Juli im Fachjournal "JAMA Network Open" veröffentlichte Untersuchung von Dr. Clair Kronk von der angesehenen New Yorker "Icahn School of Medicine at Mount Sinai" hatte Krankenkassen-Abrechnungsdaten von mehr als 230.000 Jugendlichen im Alter von zehn bis 17 Jahren analysiert.

Die Teilnehmenden wurden für die Untersuchung in vier Gruppen unterteilt: Trans Kinder und Jugendliche mit sowie ohne Behandlung durch Pubertätsblocker und cisgeschlechtliche Jugendliche mit sowie ohne Behandlung – letztere erhielten die Medikamente primär aufgrund von vorzeitiger Pubertät. Die Forschenden rechneten dann Störfaktoren wie Demografie, sozioökonomischen Status, Region und lokale politische Rahmenbedingungen heraus.

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Suizidale Gedanken gehen um 80 Prozent zurück

Das Ergebnis: Die Daten bestätigen, dass junge trans Menschen im Vergleich zu cisgeschlechtlichen Gleichaltrigen eine deutlich höhere Diagnoserate bei Affektstörungen, also psychischen Erkrankungen, sowie bei suizidalen Gedanken und Verhaltensweisen aufweisen. Doch bei jenen trans Jugendlichen, die Pubertätsblocker einnahmen, konnte das Risiko von Affektstörungen um fast die Hälfte und von suizidalen Gedanken um sogar 80 Prozent gesenkt werden.

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die Gabe von Pubertätsblockern dazu beitragen kann, die bestehenden Ungleichheiten in der psychischen Gesundheit zwischen trans- und cisgeschlechtlichen Jugendlichen teilweise auszugleichen. Die Autor*innen weisen aber auch darauf hin, dass es sich bei der Studie um eine Beobachtungsstudie handelt, die zwar einen statistischen Zusammenhang zwischen der Vergabe von Pubertätsblockern und besserer psychischer Gesundheit feststellte, dies aber noch nicht zwingend beweise, dass das eine direkt die Ursache für das andere ist. Faktoren wie die Unterstützung durch die Familie, der Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung, Selbsthilfegruppen oder andere psychosoziale Einflüsse konnten nicht berücksichtigt werden, da diese aus den analysierten Krankenkassendaten nicht hervorgehen.

Andere Studien waren aber bereits zuvor zu ähnlichen Ergebnissen gekommen, etwa eine andere US-Untersuchung, die Anfang des Jahres im "Journal of Pediatrics" veröffentlicht worden war (queer.de berichtete). Allerdings stehen Pubertätsblocker in vielen Ländern derzeit unter politischem Druck: Das von einer transphoben Welle erfasste Großbritannien verbot die Vergabe etwa 2024 (queer.de berichtete).

Auch die Hälfte der US-Bundesstaaten – meist konservative republikanische Regionen – haben mit politischen Entscheidungen die Vergabe von Pubertätsblockern untersagt. Laut einer Untersuchung der queeren US-Organisation The Trevor Project aus dem Jahr 2024 stiegen danach die Suizidversuche in diesen Staaten um bis zu 72 Prozent an.

Auch deutsche Politiker*innen gegen Behandlung von trans Jugendlichen

Auch in Deutschland machen transfeindliche Kräfte Stimmung gegen medizinische Betreuung von geschlechtlichen Minderheiten: Der Deutsche Ärztetag forderte etwa 2024, die Behandlung von trans Jugendlichen einzuschränken (queer.de berichtete). Der bayerische Landtag hat zudem mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und AfD beschlossen, sich politisch dafür einzusetzen, trans Jugendliche nur noch in Ausnahmefällen in den Genuss von medizinischer Behandlung wie Pubertätsblockern kommen zu lassen (queer.de berichtete).

Was sind Pubertätsblocker?

Pubertätsblocker (medizinisch: GnRH-Analoga) sind Medikamente, die die Ausschüttung von Geschlechtshormonen (Östrogen und Testosteron) im Körper vorübergehend unterdrücken. Sie pausieren die körperliche Entwicklung, die normalerweise während der Pubertät stattfindet. Damit sollen irreversibler körperlicher Veränderungen verhindert und den jungen Menschen Zeit gegeben werden, sich über ihre Geschlechtsidentität klar zu werden. Wird die Behandlung beendet, setzt die körpereigene Pubertät nach wenigen Monaten von selbst wieder ein.

Es werden allerdings auch Nebenwirkungen gemeldet, etwa Hitzewallungen, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Schwere akute Nebenwirkungen sind insgesamt zwar selten. Es besteht aber Sorge über langfristige Auswirkungen etwa auf Fruchtbarkeit oder die Entwicklung der Knochen, zu denen die wissenschaftliche Evidenz derzeit noch begrenzt ist. Es dürfte auch länger dauern, bis entsprechende Studien vorliegen, denn die US-Regierung von Donald Trump setzt seit 2025 gezielt Maßnahmen um, um die die Durchführung, Finanzierung und Veröffentlichung wissenschaftlicher Studien zu trans Themen – insbesondere im Bereich der Jugendmedizin – zu verhindern. In den letzten Jahren waren knapp die Hälfte der weltweiten Studien zu trans Themen aus den Vereinigten Staaten gekommen. Parallel dazu hat das Weiße Haus eine Desinformationskampagne gestartet, mit der die Existenz von trans Menschen pauschal geleugnet werden soll. (dk)

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Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern lauten: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Für trans Personen gibt es in Deutschland ein großes Netzwerk aus Treff-, Unterstützungs- und Beratungsangeboten. So bietet etwa die Deutsche Gesellschaft für Trans­identität und Intersexualität mehrere Beratungsstellen. Weitere lokale Angebote lassen sich oft über Suchmaschinen finden.
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