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Er wurde 67 Jahre alt

Aktivist Michael Jähme gestorben

Seit Jahrzehnten engagierte sich Michael Jähme für die Rechte von queeren Menschen und HIV-Positiven. Der 67-Jährige starb jetzt nach einem Unfall.


Michael Jähme engagierte sich jahrzehntelang für HIV-Positive und queere Menschen (Bild: Danny Frede / Aidshilfe Köln)

Der langjährige Schwulen- und Aids-Aktivist Michael Jähme ist am Donnerstag im Alter von 67 Jahren infolge eines Bergunfalls gestorben. Das bestätigte die Aidshilfe NRW.

"Mit Michael Jähme verliert die Aidshilfe- und Schwulenbewegung in Nordrhein-Westfalen eine engagierte, streitbare und prägende Stimme", teilte die Aidshilfe mit. "Über Jahrzehnte hat er die Entwicklung der Aidshilfe, der Positivenselbsthilfe und der schwulen Selbstvertretung mitgestaltet und sich konsequent gegen Stigmatisierung und Diskriminierung eingesetzt."

Michael Jähme gehört zu der Generation von Aktivist*innen, die sich Ende des letzten Jahrtausends – auf dem Höhepunkt der HIV/Aids-Krise – zusammenschlossen, als staatliche Strukturen oft zögerten und die gesellschaftliche Stigmatisierung von Betroffenen enorm war. Er arbeitete viele Jahre für die Aidshilfe Wuppertal und wurde 1998 erstmals in den Landesvorstand der Aidshilfe NRW gewählt. Im Jahr 2000 übernahm er den Landesvorsitz, den er bis 2004 innehatte.

Auch danach brachte er sich als wichtiger und streitbarer Gesprächspartner weiterhin in Debatten über HIV, Selbsthilfe, Prävention, gesellschaftliche Teilhabe und die Entwicklung der Aidshilfebewegung ein. Sein Blog "Termabox" machte ihn zu einer weithin beachteten Stimme der Positivenselbsthilfe. 2012 ernannte ihn die Aidshilfe NRW zu ihrem ersten Ehrenmitglied.

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Er wollte überkommene Bilder von HIV und Aids verändern

Besonders wichtig war Jähme, die überkommenen Bilder von HIV und Aids zu verändern. Jähme setzte sich dafür ein, Menschen mit HIV nicht auf ihre Infektion zu reduzieren, sondern ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Dabei gelang es ihm immer wieder, die verschiedenen Generationen von Menschen mit HIV miteinander ins Gespräch zu bringen, ohne die Unterschiede ihrer Erfahrungen und Lebensbedingungen zu verschweigen.

1990 hatte Michael Jähme selbst die Diagnose HIV erhalten. "Er erlebte die damalige Gewissheit, nicht mehr lange zu leben, und entschied sich für ein engagiertes Leben in der Aidshilfe", so die Aidshilfe NRW. "Seine persönliche Erfahrung machte ihn zu einem wichtigen Zeitzeugen der HIV-Pandemie und der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um HIV und Aids."

Erinnerung an Opfer des Paragrafen 175

Ein weiterer Schwerpunkt seines Engagements war die Erinnerung an die Verfolgung Homosexueller in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik. Seit 2012 widmete er sich der Biografiearbeit mit schwulen Männern und stärkte deren Bewusstsein für den eigenen Beitrag zur Zeitgeschichte.

Im Rahmen der Arcus-Stiftung führte er seit 2013 Zeitzeugeninterviews durch und dokumentierte die Lebensgeschichten schwuler und bisexueller Männer, die insbesondere nach 1945 weiterhin durch den Paragrafen 175 StGB verfolgt und verurteilt wurden (queer.de berichtete). Als Ansprechpartner für schwule und bisexuelle Männer in der Arcus-Stiftung trug er dazu bei, Erfahrungen einer Generation zu bewahren, deren persönliche Entfaltung durch gesellschaftliche und rechtliche Repressionen massiv eingeschränkt worden war. 2015 wurde er für dieses Engagement mit der Kompassnadel des Queeren Netzwerks NRW ausgezeichnet (queer.de berichtete).

Freund*innen, Weggefährten und Kolleg*innen werden Gelegenheit haben, in einer Gedenkfeier im Café Bach der Aidshilfe Köln Abschied von Michael Jähme zu nehmen. Der Termin wird noch bekanntgegeben.

Würdigungen

Viele Verbände würdigten die Arbeit Jähmes. "Wir haben Michael als engagierten Forscher, besonders im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Aids-Krise erlebt. Er hat viele Impulse dazu geliefert und Beiträge für die queere Geschichtsforschung geleistet", teilte der Vorstand des Centrums Schwule Geschichte (CSG) mit.

"Michael war nicht nur ein Kollege, sondern ein Mensch, dem es ein persönliches Anliegen war, Aidshilfen weiterzuentwickeln, kritisch zu hinterfragen, sie aber auch zu unterstützen und gemeinsam zu kämpfen, wenn es nötig war", so die Aidshilfe Köln. "Und das war und ist leider oft nötig. [...] Wir werden ihn schmerzlich vermissen."

Die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren erklärte: "Mit ihm verliert BISS e. V. weit mehr als eines seiner Gründungsmitglieder. Wir verlieren einen schwulen Mann mit einem kritischen, wachen Geist, mit einem starken Eigensinn im besten Sinne – einen Menschen, der sich seine Eigenständigkeit bewahrte, der genau hinsah, nachfragte und auch widersprach. Und einen Menschen mit Selbstironie, Humor und einer heiteren Seite, die ihn unverwechselbar machte."

Die Beratungsstelle Durchblick erklärte auf Facebook: "Michael war ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Interessen von Menschen mit HIV, für die Rechte schwuler Männer, ohne die Interessen anderer zu übergehen. Er war auch ein Mensch, der für ausgleichende Gerechtigkeit stand. Vor allem aber hatte er bei aller Ernsthaftigkeit viel Humor und viel Empathie für seine Mitmenschen. Er war DAS Gesicht der Aidshilfe Wuppertal." Weiter heißt es: "Dass Du nun in den Bergen stirbst, ist fast schon metaphorisch. Auch im Leben hast Du manchen steilen Berg erklommen und mit Dir an der Seite konnte man manche Gipfel stürmen." (pm/cw)

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