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"Jagd auf Schwule" und "Feindbild Queer"

Dokus über Queer­feindlichkeit bei ARD und ZDF

Woher kommt der immer mehr aufkommende Hass gegen queere Menschen? ARD und ZDF zeigen dazu zwei Dokumentationen, die dieser Frage auf den Grund gehen wollen.


"Jagd auf Schwule" erscheint am Dienstag, der Doku-Zweiteiler "Feindbild Queer", in dem unter anderem der schwule Handball-Bundesligaspieler Lucas Krzikalla interviewt wird, am Donnerstag (Bild: SR, ZDF / Christiane Grundlach)

ARD und ZDF bringen in den nächsten Tagen zwei Dokumentationen heraus, die sich mit Angriffen auf queere Menschen beschäftigen. In der ARD-Mediathek wird ab Dienstag der Film "Jagd auf Schwule – Wer steckt hinter den Fake-Dates?" zur Verfügung stehen. Die Streamingseite des ZDF zeigt zudem nächsten Monat am 21. September die zweiteilige Dokuserie "Feindbild Queer". Zudem wird die Doppelfolge am 28. September ab 20:15 Uhr im Spartensender ZDFinfo ausgestrahlt.

Die ARD-Doku wurde vom team.recherche, der jungen investigativen Dokureihe der ARD, erstellt. Darin wird die Frage gestellt, warum schwule Männer über Dating-Apps wie Grindr oder Romeo zu vermeintlichen Dates gelockt und dort überfallen, gedemütigt und teils schwer verletzt werden. Erst im Juni wurde etwa ein 20-Jähriger in Berlin zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er schwule Männer via Grindr angeschrieben und sich mit ihnen getroffen hatte, um sie auszurauben und zu verprügeln (queer.de berichtete).

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ARD geht undercover in "Pedohunter-Bewegung"

Die ARD-Recherche zeigt, dass dahinter mehr steckt als Beschaffungskriminalität: eine Online-Szene, die unter dem Deckmantel des Kinderschutzes Jagd auf Schwule macht und in die Rechtsextreme gezielt hineinwirken. Dazu befragte das Rechechereteam Staatsanwaltschaften oder Polizeidienststellen an und fand mehr als 70 angezeigte Fake-Date-Überfälle in den vergangenen zehn Jahren, allein 34 davon im Jahr 2025. Die Dunkelziffer liegt dabei noch höher: Laut Befragungen zeigt nur einer von zehn Betroffenen eine derartige Tat überhaupt an. Die Doku geht undercover in die sogenannte "Pedohunter-Bewegung" und interviewt etwa einen der Admins dieses Servers.

In der Doku sprechen auch Betroffene wie der Berlin Sänger Leopold, der Opfer eines Fake-Dates geworden war. Er berichtet, wie zwei Männer stundenlang in seiner Wohnung bleiben, ihn schlagen, auf seinen Boden spucken. Einer fragt ihn zwischendurch nach einem Kaffee und davor, ob die Tassen sauber seien. Leopold: "Das ist mir erst im Nachgang so bewusst geworden, dass er sich so vor mir geekelt hat." Und: "Ich habe mich so geschämt in dem Moment und so erniedrigt gefühlt." Warum er trotzdem vor die Kamera geht: "damit ich mich nicht dafür schämen muss."

Die Behörden kennen dabei die Muster, der Leopolds Anzeige aufnahm, habe ihm gesagt: "Das kann passieren und das passiert auch gerade gehäuft." Auf ARD-Anfrage bestätigen Verfassungsschutzämter, dass Pedohunting als Vorwand dient, die Hemmschwelle zur Gewalt zu senken, und hohes Mobilisierungspotenzial für rechtsextreme Jugendliche hat.

ZDF fragt: Woher kommt der Hass?

Das ZDF beschäftigt sich in "Feindbild Queer" breiter damit, wie queere Menschen Anfeindungen und Gewalt in ihrem Alltag erleben. Der Zweiteiler von Manuel Gogos, Timm Giesbers und Susanne Gerecke begleitet Menschen in den Spannungsfeldern von Familie und Politik, Kirche und Moschee. Die Sendung stellt die Frage, warum queere Menschen zunehmend zum Feindbild werden – und was ihr Schutz über den Zustand einer offenen Gesellschaft aussagt. Folge eins trägt den Titel "Kampf für die Vielfalt", Folge zwei fragt: "Woher kommt der Hass?"

Dabei werden unterschiedliche Persönlichkeiten interviewt, etwa Handball-Bundesligaspieler Lucas Krzikalla, der sich 2022 als schwul geoutet hatte (queer.de berichtete). Er erlebte nach seinem Coming-out breite Unterstützung.

Die Berliner Dragqueen Barbie Breakout nimmt dagegen einen gesellschaftlichen Backlash wahr: Freiheitsrechte würden zunehmend infrage gestellt, Stereotype gezielt für Kampagnen gegen Minderheiten genutzt.

Für die Ursachen der Queerfeindlichkeit blickt die Sendung in "christliche Milieus" oder spricht mit Islamismus-Aussteiger Tugay Saraç. "'Feindbild Queer' erzählt von Menschen, die sich ihre Sichtbarkeit nicht nehmen lassen wollen", erklärte das ZDF in seiner Ankündigung. "Die beiden Dokumentationen zeigen, wie aus Angst Entschlossenheit entstehen kann, und fragt, ob sich eine offene Gesellschaft einschüchtern lässt oder ihre Freiheit selbstbewusst verteidigt." (cw)

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