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Interview

Neil Patrick Harris: Coming-out aus Angst vor einem Zwangs-Outing

Vor 20 Jahren outete sich Neil Patrick Harris. In einem Podcast erklärt er nun, dass er den Schritt nicht ganz freiwillig gewagt habe.


Neil Patrick Harris (li.) und sein Ehemann David Burtka sind heute glücklich verheiratet – vor 20 Jahren mussten sie sich noch verstecken (Bild: PhilipRomanoPhoto / wikipedia)

Heute gilt er als eine der bekanntesten queeren Ikonen und ist glücklich mit Ehemann David Burtka verheiratet, mit dem er gemeinsam zwei Kinder großzieht. Doch sein offizielles Coming-out vor 20 Jahren war alles andere als ein selbstbestimmter Moment voller Leichtigkeit: Im Podcast "Great Company with Jamie Laing" blickte Neil Patrick Harris offen auf die toxische Boulevard-Kultur der 2000er-Jahre zurück – und wie drohende Online-Hetzkampagnen ihn dazu zwangen, mit seiner sexuellen Orientierung an die Öffentlichkeit zu gehen.

Neil Patrick Harris feierte als Frauenheld Barney Stinson in der 2005 gestarteten Sitcom "How I Met Your Mother" gerade einen Megaerfolg. Hinter den Kulissen war er bereits glücklich mit David Burtka liiert – am Set wussten alle Bescheid. Doch nach außen hin herrschte Angst: Es war die Hochzeit berüchtigter Klatsch-Blogger wie Perez Hilton, die gezielt Jagd auf ungeoutete Promis machten und mit Spekulationen Klicks generierten.

Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, mussten Harris und Burtka auf roten Teppichen Versteckspiele spielen und getrennt auftreten – eine Dynamik, von der Harris heute sagt, dass sie David damals unweigerlich das Gefühl gab, weniger wert zu sein oder im Schatten stehen zu müssen.

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PR-Statement zwang Harris zum Coming-out

Der Wendepunkt kam, als ein PR-Agent einem Reporter auf die direkte Frage nach der Homosexualität von Harris antwortete, dass dieser "nicht von dieser Gesinnung" sei. Als diese Äußerung die Runde machte, hatte der damals 33-jährige Harris das Gefühl, sich öffentlich dazu äußern zu müssen, um öffentlichen Aufrufen an Personen zuvorzukommen, sich mit persönlichem Wissen über seine sexuelle Orientierung zu melden.

Daraufhin erarbeitete Harris gemeinsam mit seinem PR-Team eine Botschaft, die sich für ihn authentisch angefühlt habe. Das im November 2006 veröffentlichte Statement lautete damals: "Ich bin ziemlich stolz, sagen zu können, dass ich ein sehr zufriedener schwuler Mann bin, der sein Leben auskostet." Das Statement tat der Popularität von "How I Met Your Mother" keinen Abbruch: Die Sitcom lief bis 2014 mit hervorragenden Quoten.

Angst vor Stigma und "Gott hasst Schwuchteln"-Fanatismus

Im Podcast erklärte Harris: "Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein wenig Angst davor, was daraus [dem Coming-out] entstehen würde – welche Art von Stigma damit einhergehen könnte. Damals gab es Leute, die Schilder mit 'Gott hasst Schwuchteln' in Vorgärten steckten, nicht wahr? Es hatte also das Potenzial für eine ziemlich üble Woche."

Am Ende war er froh darüber, dass nichts von dem eigetreten sei: "Im besten Fall herrschte Gleichgültigkeit. Vor meinem Coming-out gab es viele Menschen, die es viel schwerer hatten und die mir gewissermaßen den Weg dafür geebnet haben."

"Ich war fast ein bisschen beleidigt, dass nicht mehr Leute überrascht waren", scherzte er im Gespräch. "Ich hatte ein bisschen mehr 'Warte mal, was?? Er?!?? Er ist doch so maskulin!' erwartet." Heute seien Coming-outs in seiner Branche einfacher.

Harris erklärte auch, dass er nie die Chance gehabt habe, in der er sich anonym selbst finden konnte, da er bereits als Jugendlicher in der populären Serie "Doogie Howser, M.D" (1989-1993) im Auge der Öffentlichkeit gestanden hatte. Er erzählte, dass er ständig von Erwachsenen im Showbusiness umgeben gewesen sei und typische Jugenderfahrungen verpasste – wie das Experimentieren mit Goth-Outfits oder sich in einer Bar zu betrinken.

Harris wusste schon als Teenager, das er schwul ist

Außerdem erzählte Harris, dass er schon in seinen frühen Teenagerjahren wusste, dass er schwul ist. Damals hätte er sich aber nie vorstellen können, irgendwann fest verpartnert zu sein und Kinder zu haben. Obwohl er einen Teil seines jungen Erwachsenenlebens in Los Angeles verbrachte, sei die weitläufige Stadt nicht fußgängerfreundlich und daher wenig geeignet für spontane Flirts oder das Kennenlernen von Leuten.

In dieser Zeit habe er die schwulen Bars in West Hollywood gemieden, weil diese – wie er sagte – eher für Leute waren, die "sehr laut, stolz und offen geoutet" lebten, während er selbst "sehr unsicher" gewesen sei, wie er selbstbewusst zu seiner sexuellen Orientierung stehen sollte. Er erklärte jedoch, dass er offener daten und Leute kennenlernen konnte, als er anfing, in New York City zu arbeiten – dort konnte er in Schwulenbars gehen, ohne dass sich die Leute sonderlich für seine Berühmtheit interessierten. (cw)

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