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"Teenage Sex and Death at Camp Miasma"
Horny Horror: Der Slasher-Film wird queer
Eine junge queere Filmemacherin darf den x-ten Teil eines Slasherfilms drehen. Dafür besucht sie den Star des allerersten Films – und das Treffen wird intimer als gedacht. "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" von Jane Schoenbrun ist Hommage und Kritik am Slasher zugleich.

"Little Death" ist die böse Figur der "Camp Miasma"-Slasherfilme
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18. August 2026, 05:54h 6 Min.
Wenn "Little Death" den Speer in jemanden rammt, fließt das Blut nicht nur. Es schießt meterweit in einem geraden Strahl nach oben wie aus einem Springbrunnen. Ein Tod, der ganz und gar nicht klein ist, wie der Name vielleicht denken lässt. Und der durch diese Übertreibung auch eher lustig als blutrünstig erscheint. Zur offensichtlichen Doppeldeutigkeit von "Little Death" später mehr.
"Little Death" ist die böse Figur der "Camp Miasma"-Slasherfilme. Es handelt sich um den Geist eines Kindes, das sowohl als Junge als auch als Mädchen erzogen wurde. Das genderfluide Kind wurde bei einem Sommercamp Opfer eines Hassverbrechens: Die anderen Kinder haben es im See ertrunken.
Ein liebevoll entworfenes Filmuniversum
Seitdem spukt der Geist auf dem Grund herum. Immer mal wieder taucht er als "Little Death" auf – und steckt seinen Speer in alles, was nicht schnell genug vor ihm davonrennen kann. Dieser Geist ist eigentlich eine interessante Figur: Opfer, Täter und sexuelles Sehnsuchtssymbol zugleich. So weit, so die typische Dramaturgie der "Camp Miasma"-Filme.
Es gibt über ein Dutzend der Filme, dazu Brettspiele, kleine Spielfigürchen, einen Arcade-Spielautomaten: Es ist ein ganzes und liebevoll entworfenes Filmuniversum, das "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" entwirft und im Vorspann zeigt. Eine echte und nostalgische Hommage ans Slasher-Genre. Aber auch eine deutliche Kritik: Denn dazu kommen Artikel in Zeitungen und Blogs, über den Flop der Reihe oder die Transphobie, die erst Jahre später kritisiert wird.
Der zurückgezogene Star

Poster zum Film: "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" startet am 20. August 2026 im Kino
Jetzt will auch Kris Williams (gespielt von der aus der HBO-Serie "Hacks" bekannten Hannah Einbinder) Teil dieser Filmwelt werden: Die junge queere Filmemacherin (Pronomen: she/they) soll ein weiteres Sequel drehen. Doch der neueste Film soll reflektierter werden und die Versäumnisse der Vergangenheit geraderücken. Dafür will sie Billy Presley (Gillian Anderson) treffen, den Star aus dem ersten Film.
Nach einer langen Fahrt durch die Schneelandschaft im Nordwesten der USA merkt Kris, wo they gerade ankommt: Am Drehort des ersten Films. Denn Billy lebt mittlerweile zurückgezogen dort, wo der erste Teil von "Camp Miasma" gedreht wurde.
Intime Begegnung statt Arbeitstreffen
Die ehemalige Schauspielerin wirkt elegant. Sie trägt einen dunkelroten Lippenstift, perfekte blondierte Locken, weich fallende Kleidung und einen schwarzen Turban. Und ist damit das Gegenstück zu Kris mit Mittelscheitel und einem bequemen Pulli.
Billy ist etwas schrullig, aber von Anfang an sehr flirty. Kris ist sichtlich nervös in Anwesenheit des Stars des Franchises, das ihr so viel bedeutet. Doch relativ schnell entwickelt sich das Arbeitstreffen zu einer intimen Begegnung. So erzählt Kris davon, wie unzufrieden sie mit der polyamourösen Beziehung ist, von Orgasmen und geheimen Sehnsüchten.
Frittiertes Hühnchen war selten so sexy
Das ist die horny Seite von "Teenage Sex and Death at Camp Miasma", dem dritten Spielfilm von Jane Schoenbrun. Der Umgang mit Sex ist lustvoll, aber vor allem spielerisch, voller Leichtigkeit und mit viel Augenzwinkern. Genau in diesen Momenten ist der Film am stärksten.
Nur ein Beispiel: Als Billy ihrem Gast wenig glamourös zum Abendessen frittiertes Hühnchen aus KFC-Eimern serviert, begleitet sie das mit einem dahingesäuselten "I love dipping sauce", was sich wohl nicht nur auf die Dips bezieht. Im Anschluss sieht man in Großaufnahme und Slow Motion, wie die beiden die frittierten Teile in die Saucen tunken, das genüsslich-schmatzende Platschen dabei hat fast ASMR-Qualität: Fast Food wurde selten so sexy inszeniert.
"Kultfigur für die queere Crowd"
Diese Freiheit, die sich auch in anderen heiteren Momenten offenbart, ist neu in den Filmen der US-amerikanischen nichtbinären filmschaffenden Person Jane Schoenbrun. "We're All Going to the World's Fair" und "I Saw the TV Glow", die ersten Spielfilme, waren deutlich schwerer.
Jane Schoenbrun schaffte es bereits mit diesen Filmen, "zur Kultfigur für Filmnerds und die queere Crowd" aufzusteigen, urteilte das Magazin epd Film in einem ausführlichen Werkporträt. Das US-Branchenblatt "Variety" schrieb kürzlich sogar davon, dass eine "aufstrebende Gruppe von trans und nichtbinären Künstler*innen ins Rampenlicht rückt".
Mit im Call: "Queer Assistant"
Dazu gehören Louise Weard, Alice Maio Mackay, Avalon Fast, Vera Drew – und Jane Schoenbrun. Jane Schoenbrun, 39, ist dabei wohl aktuell die trans filmschaffende Person mit den höchsten Budgets in Hollywood. "Ich habe große Schuldgefühle", sagte they gegenüber "Variety", "weil ich das Geld aus Hollywood angenommen habe, nach dem ich offensichtlich verzweifelt greife."
Die Schuld kehrt Jane Schoenbrun im dritten Film um in eine wenig subtile Kritik an Hollywood, dessen kapitalistischen Mechanismen und dem Umgang mit Minderheiten. In einem Call, den Kris nach dem aufregenden Besuch bei Billy auf einem Parkplatz führt, ist auch ein*e "Queer Assistant" dabei – das ist tatsächlich der Name der Assistenz.
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Filme als Safer Space, um Fantasien auszuleben
Gegenüber "Variety" erklärte Schoenbrun: "Immer wenn ich mit Leuten aus Hollywood per Zoom spreche, ist mein Transsein präsent." Selbst wenn die anderen es gut meinten, sei es eine Minderheitenerfahrung, weil auf der anderen Seite keine anderen trans Menschen sind. "Und wenn doch, dann ist es eine queere Assistenz, oder? Und diese Person hat keine wirkliche Macht, sie ist nur als Aushängeschild anwesend."
Es gelingt "Teenage Sex and Death at Camp Miasma", diese Systemkritik eher beiläufig mitzuerzählen. Andere Themen bleiben dagegen sehr auf der Metaebene: Der Film verhandelt etwa die Frage, ob das Publikum die Medien erschaffen – oder andersherum, oder inwieweit Filme ein Safer Space sein können, um Fantasien auszuleben.
Mord mit dem Phallussymbol
"Wenn es zu echt wird, kannst du immer abschalten" ist ein Satz, der mehrfach fällt. All das ist auf einer theoretischen Ebene interessant, macht aber noch lange keinen Film aus, den man über die gesamte Laufzeit gespannt sieht.
Während der Film einerseits darunter leidet, zu theorieschwanger zu sein, reizt er andere platte Motive zu sehr aus: Die eingangs erwähnte Figur "Little Death" ist ein etwas zu überdeutlicher Verweis auf die französische Orgasmus-Metapher "La petite Mort". Dass der mörderische Geist ausgerechnet mit einem spitzen Speer, dem Phallussymbol schlechthin, zuschlägt, versteht sich da von selbst.
"Teenage Sex and Death at Camp Miasma" überzeugt vor allem dank den zwei wunderbaren Darstellerinnen, die im richtigen Tempo miteinander agieren. Auch als queere Erweiterung des Slasher-Genres funktioniert der Film, genau wie als Kritik an queerfeindlichen Untertönen. Immer wieder ist der Film dagegen zu sehr verliebt in seine eigenen Thesen – die auch noch weniger neu sind, als es der Film gerne hätte.
Teenage Sex and Death at Camp Miasma. Slasher-Film. USA 2026. Regie: Jane Schoenbrun. Cast: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Cherry, Sarah Sherman, Patrick Fischler, Dylan Baker, Jasmin Savoy Brown, Kevin McDonald, Quintessa Swindell, Jack Haven. Laufzeit: 112 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: MUBI. Kinostart: 20. August 2026
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