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Aufregung um Werbespot
USA: Konservative Schwulen-Panik wegen eines Käse-Crackers
Die christlich-konservative US-Gruppe One Million Moms hat einen neuen Feind ausgemacht: einen Käse-Cracker. Hintergrund ist ein Werbespot, in dem ein junger Mann scheinbar seinen Schwiegervater in spe küssen will.

Dieser Werbespot für einen Cracker empört die "One Million Moms" (Bild: Youtube)
- 18. August 2026, 13:40h 3 Min.
Wer im Visier der ultrakonservativen US-Organisation "One Million Moms" landet, befindet sich meist in bester Gesellschaft. Ob Dragqueens in Super-Bowl-Werbespots, eine trans Frau in einem Seifen-Werbespot oder Fernsehserien mit queeren Figuren: die christlich-fundamentalistische Gruppierung – die trotz ihres Namens im Wesentlichen von der Aktivistin Monica Cole und der berüchtigten evangelikalen American Family Association (AFA) betrieben wird – wittert hinter jedem angewinkelten Handgelenk oder jeder Regenbogenfahne den Untergang des Abendlandes.
Die AFA setzt sich seit 1977 für ein christliches Amerika ein, in dem für queere Menschen kein Platz sei. Scott Lively, der Chef der kalifornischen Sektion der AFA, veröffentlichte 1995 etwa das Buch "The Pink Swastika" (Das pinke Hakenkreuz), in dem die NSDAP als Homosexuellenorganisation bezeichnet und Schwulen die Schuld an den Massenmorden der Nazis gegeben wurde.
"One Million Moms" empört über homoerotischen Heißhunger
Nun hat das moralische Radar der Organisation erneut angeschlagen. Das Vergehen dieses Mal: ein Werbespot für salziges Käsegebäck. Im Zentrum der Empörung steht der Spot mit dem Titel "The Boyfriend" aus der aktuellen Werbekampagne des Snack-Riesen Cheez-It. Das Motto der Kampagne: "Cravings Can Happen Anywhere" (Heißhunger kann einen überall überkommen).
In dem 30-sekündigen Spot stellt eine junge Frau ihren neuen Freund erstmals ihrem Vater vor. Der Freund wird jedoch von einem unstillbaren Heißhunger übermannt – denn vor dem Gesicht des Vaters schwebt (in seiner Fantasie) ein goldbrauner Cheez-It-Cracker. Völlig hypnotisiert beugt sich der Schwiegersohn vor, flüstert schmachtend: "Oh wow. Du bist in echt ja noch leckerer und salziger" – und setzt an, um nach dem Cracker zu schnappen. Für einen Moment sieht es exakt so aus, als wolle der junge Mann den verwirrten Vater innig auf den Mund küssen, bevor die Szene abbricht und er genüsslich Cracker knabbert, während Vater und Tochter fassungslos dastehen.
"Sinnliche Botschaft zwischen zwei Männern"
Was vom Kreativteam der Agentur FCB New York als harmloser Slapstick gedacht war, sorgt bei den "One Million Moms" für akute Schnappatmung. Auf ihrer Website startete die Gruppe eine Petition, um den Werbespot sofort aus dem US-Fernsehen verbannen zu lassen. In ihrer Erklärung wetterte die Organisation: "Leider beinhaltet das Thema der Kampagne anstößige sexuelle Anspielungen mit einer extrem sinnlichen Botschaft zwischen zwei Männern."
Die Organisation befürchtet, dass Kinder jetzt damit anfangen, ihre zukünftigen Schwiegerväter zu küssen: "Offenbar ist es den Führungskräften von Cheez-It völlig egal, wie schädlich und destruktiv solche Werbung für Kinder ist. Jeder weiß, dass Kinder das wiederholen, was sie hören und sehen", heißt es. Damit würde die Cracker-Firma "Familien vor den Kopf stoßen".
Papiertiger mit Tradition
In der queeren Community und den US-Medien sorgt der jüngste Boykottaufruf vor allem für Amüsement. "One Million Moms" ist seit Jahren dafür bekannt, lautstarke Kampagnen gegen queere Sichtbarkeit und progressive Popkultur zu lancieren – mit einer beachtlichen Erfolglos-Quote. Bürgerrechtsorganisationen wie GLAAD weisen seit Langem darauf hin, dass die vermeintliche Massenbewegung vor allem ein Papiertiger ist, der durch ständige Empörungsmaschinerie Spenden für fundamentalistische Dachverbände generieren soll.
Allerdings besteht die Gefahr, dass die neue konservative Welle in den USA unter der Trump-Regierung zu weitergehender staatlicher Zensur führen könnte: So regte die staatliche Telekommunikations-Aufsicht FCC an, dass Fernsehsendern bei queeren Inhalten künftig zur Ausstrahlung von Warnhinweisen verpflichtet werden könnten (queer.de berichtete). Die FCC drohte Fernsehsendern außerdem mit Lizenzentzug, sollten sie "woke" Inhalte zeigen (queer.de berichtete). (cw)














