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"Homo-Propaganda" aus dem Vatikan

Zu queer­freundlich: Russland zensiert Buch von Papst Franziskus

Papst Franziskus hat in seiner Autobiografie ein paar warme Worte für queere Menschen gefunden. Das war zu viel für Moskau: In der russischen Ausgabe wurden all diese Stellen gestrichen.


Die russische Papst-Autobiografie ist teilweise geschwärzt worden (Bild: Christians Against War)

Die Zensurmaschinerie macht Überstunden: In der russischen Ausgabe des Buches des verstorbenen Papstes Franziskus ("Hoffe: Die Autobiografie") wurden Passagen zu queeren Themen großflächig geschwärzt und gestrichen. Das Buch erschien bereits im Januar 2025 wenige Monate vor dem Tod des Papstes international, ist aber erst jetzt im Putin-Reich veröffentlicht worden.

Wie die Antikriegs- und Menschenrechtsgruppe "Christians Against War" öffentlich machte, betrifft die Zensur im renommierten russischen Verlag Alpina zentrale Aussagen von Franziskus zu queeren Gläubigen: Dazu zählt die Feststellung von Franziskus, dass Homosexualität "kein Verbrechen, sondern eine menschliche Realität" sei. Der Zensur fielen der ganze Abschnitt des Buches zum Opfer, in dem Papst Franziskus sagt, dass schwule und trans Menschen in der katholischen Kirche willkommen seien. Diese Aussagen wurden mit schwarzen Balken geschwärzt. Auch in digitalen Ausgaben sind diese Teile unkenntlich gemacht.

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Verschärfte Zensur nach Angriff auf die Ukraine

Hintergrund sind die mit dem Start des Ukraine-Krieges in Russland massiv ausgeweiteten Zensurgesetze, mit denen das Putin-Regime die Bevölkerung von "westlichen" Ideen fernhalten will. 2022 verschärfte Moskau etwa das Verbot der "Förderung nicht-traditioneller sexueller Beziehungen", also das sogenannte Gesetz gegen "Homo-Propaganda" (queer.de berichtete). Seither kann jede positive oder neutrale Darstellung queerer Lebensweisen strafbar sein. Ein Jahr später verbot die Staatsmacht die vage definierte "internationale LGBT-Bewegung" als "extremistisch" (queer.de berichtete).

Aus Angst vor Strafverfolgung und Schließungen greifen Verlage zunehmend zu Vorzensur und Schwärzungen. Nach Angaben des unabhängigen Mediums "The Insider" wurden seit 2022 rund 600 Buchtitel aus dem Handel verbannt oder stark gekürzt – darunter auch Weltliteratur von Oscar Wilde bis Fjodor Dostojewski, aber auch neuere Unterhaltungsliteratur wie Stephen Kings Bücher.

Inzwischen wurde rund ein dutzend Verfahren rund um queeren "Extremismus" angestrengt, darunter der sogenannte "Verleger-Prozess" gegen ehemalige Mitarbeiter von Popcorn Books (queer.de berichtete). Das größte Verlagshaus des Landes hatte offenbar noch mehrere queere Bücher angeboten. Ein Mitarbeiter erhielt vier Jahre auf Bewährung, zwei weitere warten noch auf ihren Prozess.

Papst war kein queerer Aktivist

Nun trifft die Zensur sogar den Papst, obwohl dieser aus Sicht der queeren Community mit gemischten Gefühlen gesehen wird: So hat der Pontifex, der zwischen 2013 und 2025 die Geschicke der römisch-katholischen Kirche geleitet hatte, zwar wohlwollende Worte in Richtung queerer Menschen gerichtet, aber gleichzeitig die queerfeindliche Kirchenlehre weitgehend unangetastet gelassen. So gab es keine Reform der Sexualethik. Laut dem nach wie vor gültigen Katechismus der katholischen Kirche ist Homosexualität weiter pauschal "in sich nicht in Ordnung". Homosexuelle Handlungen blieben auch unter Franziskus immer Sünde, selbst in monogamen Ehen. Innerkirchlich hat Franziskus am Verbot der gleichgeschlechtlichen Eheschließung festgehalten.

Zudem machte er Stimmung gegen trans Menschen und warnte wiederholt vor einer vermeintlichen "Gender-Ideologie". Der Begriff meist als Kampfwort gegen jegliche Anerkennung von Homosexuellen oder trans Menschen verwendet wird (queer.de berichtete). In der vatikanischen Erklärung "Dignitas Infinita" lehnte Franziskus geschlechtsangleichende Behandlungen und die Akzeptanz von Transidentitäten ausdrücklich ab. (dk)

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