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Neufahrn
AfD-Politiker nennt queere Menschen "psychisch krank"
Der AfD-Fraktionschef in Neufahrn verunglimpft queere Menschen als "psychisch krank" und fordert das Ende eines LGBTI-Jugendtreffs. Der muslimische CSU-Bürgermeister kündigt daraufhin an, beim nächsten Treffen selbst dabei zu sein.

AfD-Fraktionschef Attila Szalontay fordert ein Verbot des "Offenen Queertreffs" (Bild: AfD Neufahrn)
- 20. August 2026, 23:07h 3 Min.
Attila Szalontay, Fraktionschef der AfD im Gemeinderat von Neufahrn im Landkreis Freising, hat queere Menschen als "psychisch krank" verunglimpft und damit für Empörung gesorgt. Szalontay äußerte sich zu einem offenen Treffpunkt für queere Jugendliche, den das Kinder- und Jugendhaus der Gemeinde gemeinsam mit der Gemeindebibliothek seit diesem Jahr anbietet. Über die Entgleisung berichtete zuerst der Münchner "Merkur".
Der "Offene Queertreff" richtet sich an alle Menschen ab zwölf Jahren, die sich der queeren Community zugehörig fühlen oder sie unterstützen wollen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos. Organisiert wird das Format von Henrik Kloth von der Mobilen Jugendarbeit und Raven Knoll von der Bibliothek. Das letzte Treffen fand am 21. Juli statt.
AfD diffamiert Angebot als "ideologische Beeinflussung"
Die AfD fordert ein sofortiges Verbot des wichtigen Angebots: "Wir lehnen jede Art von Frühsexualisierung strikt ab und sehen in dieser Veranstaltungsreihe eine ideologische Beeinflussung, die kindliche Schamgrenzen zerstört, Elternrechte untergräbt und Kinder beeinflusst", schäumt die Rechtsaußenpartei in einer Pressemitteilung. Bei den Kommunalwahlen am 8. März erzielte die AfD in Neufahrn 9,1 Prozent der Stimmen und drei Mandate im Gemeinderat.
"Für mich als Familienvater von zwei minderjährigen Kindern ist eine Veranstaltung wie diese inakzeptabel", wird Szalontay in der Pressemitteilung zitiert. "Ich habe persönlich nichts gegen Queerdenkende, ich akzeptiere deren Lebensweise, dies ist kein Verbrechen, aber ich sehe es als eine psychische Krankheit an. Ich möchte hiermit in aller Öffentlichkeit alle normal denkenden Eltern auffordern, genau darauf zu achten, welche Veranstaltungen auch in öffentlichen Jugendräumen ihre Kinder besuchen", so der Fraktionschef, der auch Mitglied des AfD-Bundesfachausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik ist. "Ich werde alles veranlassen, was in meiner Macht steht, um Veranstaltungen dieser Art zu verhindern."
Bürgermeister verteidigt das Angebot für queere Jugendliche

Erster Bürgermeister Ozan Iyibas (CSU): "Das ist die Herabwürdigung von Menschen" (Bild: CSu Neufahrn)
Neufahrns Erster Bürgermeister Ozan Iyibas stellte sich hinter den "Offenen Queertreff". Eine Debatte über Kinder- und Jugendschutz sowie die Rolle der Eltern sei legitim, erfordere aber sachlichen Austausch statt Denkverbote, sagte der CSU-Politiker gegenüber dem "Merkur".
Mit deutlichen Worten kritisierte Iyibas die Wortwahl des AfD-Fraktionschefs. Eine klare Grenze sei "dort erreicht, wo Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität als 'psychisch krank' bezeichnet und als nicht 'normal denkend' dargestellt werden", so der Bürgermeister. Mit dem Missbrauch des Begriffs "psychisch krank" als abwertende Bezeichnung würden die Menschen herabgewürdigt, die tatsächlich mit einer psychischen Erkrankung leben müssen. Eine solche Stigmatisierung sei gefährlich und habe in unserer Gesellschaft keinen Platz. "Das ist keine sachliche Debatte mehr. Das ist die Herabwürdigung von Menschen."
Der "Offene Queertreff" werde auch weiterhin in der Gemeindebibliothek stattfinden, stellte Ozan Iyibas klar. "Beim nächsten Treffen werde ich selbst dabei sein", kündigte er zudem an. "Nicht, um eine politische Front aufzubauen, sondern um deutlich zu machen: Diese jungen Menschen gehören zu unserer Gemeinde. Sie gehören zu unserer Gesellschaft." Er als Bürgermeister stehe "für ein Neufahrn, in dem alle dazugehören". Iyibas hatte 2020 als erster muslimischer Bürgermeisterkandidat der CSU bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. (mize)













