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"The Shards": Queer, sexy – und doch enttäuschend
Für die neue Serie "The Shards" haben sich zwei schwule Ikonen zusammengetan: Bret Easton Ellis und Produzent Ryan Murphy. Das in den 1980er Jahren angesiedelte Drama um reiche Teens und einen Serienmörder ist zwar hübsch anzusehen, jedoch seltsam blutleer.

Igby Rigney (l.) als Bret und Homer Gere als Robert Mallory in "The Shards" (Bild: FX)
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22. August 2026, 09:30h 5 Min.
Viel schöne Fassade, wenig Substanz und alles ein bisschen fake – so kommt Ryan Murphys Serienadaption von Bret Easton Ellis' halb-autobiografischem Roman "The Shards" daher. Auf den ersten Blick wirkt das Paket durchaus attraktiv: Es gibt viele schöne Menschen und reichlich Sex, die Story ist ziemlich queer, zelebriert die so beliebte 1980er-Jahre-Nostalgie und wird erst noch angereichert mit etwas blutigem Thrill. Dennoch lässt einen das alles irgendwie kalt.
Vielleicht liegt es daran, dass sämtliche Hauptfiguren nicht sonderlich sympathisch sind und ihre modelhafte Attraktivität und ihr Reichtum es erschwert, sich in sie und ihre Probleme reinzufühlen. Dass sie Teenager sein sollen, aber allesamt unübersehbar von Leuten gespielt werden, die mindestens Mitte 20 sind, macht sie zudem noch unauthentischer als ohnehin schon. Und man hat das alles halt schon x-mal gesehen: die Beziehungsprobleme, die Partys, die Drogen, die Angst vor dem Serienkiller, der 80er-Jahre-Soundtrack.
Schwule Hauptfigur, deep in the closet

Poster zur neunteiligen Serie: "The Shards" kann in Deutschland seit dem 6. August 2026 auf Disney+ gestreamt werden
Aber gut, von vorn: Im Zentrum von "The Shards" steht Bret Easton Ellis (Igby Rigney), ein gut situierter Jüngling im Los Angeles des Jahres 1981, dessen Eltern gerade in Europa rumgondeln, weshalb er freie Hand hat, sich mit den anderen Schönen und Reichen zu vergnügen. Bret ist schwul, aber deep in the closet und zur Tarnung mit seiner Klassenkollegin Debbie (Hayes Warner) liiert. Daneben hat er eine heimliche Affäre mit dem Stoner Matt (Owen Painter) und träumt dem attraktiven Ryan (Daniel Dale) hinterher. Zudem verbringt er viel Zeit mit seiner besten Freundin Susan (Kaia Gerber, Tochter des Supermodels Cindy Crawford) und deren Boyfriend Thom (Graham Campbell).
Die vertraute Vierer-Dynamik wird dann durcheinandergewirbelt durch den geheimnisvollen neuen Schüler Robert (Homer Gere, Sohn von Superstar Richard Gere), den Bret gleichermaßen anziehend und gefährlich findet – ja sogar in Verdacht hat, The Trawler zu sein, ein Serienkiller, der seit neustem die Gegend unsicher macht und es auf lokale Teens abgesehen hat. Davon abgesehen passiert zumindest in der ersten Hälfte der neun Episoden nicht viel: Man bewegt sich von Party zu Party, Villa zu Villa, edlem Restaurant zu edlem Restaurant. Der Einzige, der sich wegen des Serienkillers ernstlich sorgt, ist Bret, wohl auch weil sein Lover Matt plötzlich verschwindet und als mögliches Opfer des Trawlers gilt. Derweil beobachtet Thom mit wachsender Eifersucht, wie sehr sich Susan für Robert interessiert, der es wiederum sichtlich genießt, Bret zu irritieren und aufzuziehen.
Sex gegen Filmdeal?
Zu den interessanteren Figuren gehört Debbies Vater Terry Schaffer (Wes Bentley), ein ebenso mächtiger wie schmieriger Filmproduzent, der zwar mit Liz (Evan Rachel Wood) verheiratet ist, sein Schwulsein aber kaum kaschiert. Bret weiß somit, worauf er sich einlässt, als Terry sich für den ersten Roman interessiert, an dem er gerade arbeitet, und ein gemeinsames Essen vorschlägt. Derweil er sich erhofft, für sein Buch einen Filmdeal aushandeln zu können, ist ziemlich rasch klar, dass Terrys Interessen deutlich weiter gehen, obwohl Bret ja hochoffiziell mit seiner Tochter zusammen ist. Die sich übrigens trotz Brets Bemühungen sexuell unterbeschäftigt fühlt und deshalb mit Ryan anbandelt, der nebenbei in Pornofilmen mitspielt und eines Tages Debbies Mutter als neuesten Co-Star auf dem Set wiederfindet.
Ja, so läuft das in "The Shards": Alles ist vage skandalös, und der Serienkiller soll wohl die notwendige Spannung in die Story bringen – das Problem ist nur, dass es im Grunde keine Figur gibt, um die es einen so richtig leidtäte, sollte der Killer sie erwischen. Und Bret selbst ist ja als Erzähler mutmaßlich ohnehin nicht in Gefahr. Schließlich ist sein Alter Ego inzwischen 62 und lebt wohlbehalten mit seinem langjährigen Partner Todd Michael Schultz noch immer in Los Angeles.
Autofiktionale Romanvorlage, frei adaptiert
Als Ellis' Roman "The Shards" 2023 erschien, war es sein erster seit 13 Jahren. Der britische "Guardian" nannte ihn einen "inspirierten 1980er-Fiebertraum, nostalgisch und ekstatisch sowie eine liebevolle Konservierung der damaligen Popkultur". Es lese sich wie ein Roman von Karl Ove Knausgård kombiniert mit einem Film von Dario Argento (ein legendärer italienischer Horror-Regisseur). Die Story verbindet das reale Setting von Ellis' Jugend und der Entstehung seines ersten Romans "Less than Zero" mit komplett fiktionalen Elementen, daher das ungewöhnliche Label "autofiktional".
Ellis ist zudem Produzent und Co-Autor der auf drei Staffeln angelegten Serienadaption, liess Ryan Murphy jedoch freie Hand, daraus "etwas eigenes" zu machen. Murphy war 1981 selbst gerade 16 und erzählte in einem Interview mit "Variety", wie bedeutungsvoll dieses Jahr für ihn war. "Ich fuhr zum ersten Mal Auto, hatte meine erste sexuelle Erfahrung und mein Coming-out in diesem Jahr. Und kurz darauf erschienen die ersten Artikel über Aids." Ellis' popkulturelle Beschreibungen und die ganze Atmosphäre in "The Shards" waren ihm deshalb sehr vertraut.
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Neue Staffel von Murphys "American Horror Story"
Umso bedauerlicher, dass daraus nicht etwas Packenderes und Originelleres entstanden ist. Aber vielleicht steigert sich die Serie in den verbleibenden Episoden der ersten Staffel ja noch. Ansonsten kann man immer noch auf die 13. Staffel von Murphys "American Horror Story" hoffen, die am 24. September startet und ein Wiedersehen mit vielen vertrauten Gesichtern bringen wird, unter anderem Evan Peters, Jessica Lange, Sarah Paulson oder Angela Bassett – und zwar in jenen Rollen, die sie in früheren Staffeln verkörperten. Inhaltlich erwartet das Publikum laut Murphy ein "'Avengers'-artiges Crossover zwischen allen bisherigen Staffeln".
Das allein klingt schon deutlich kreativer als alles, was "The Shards" bisher zu bieten hat.
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