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Sports Romance

Als Deutschlands beliebtester Fußballer geoutet wird

Im Debütroman "Verbotene Pässe" von Tobias Wolf wird ein schwuler Fußball-Profi von der Klatschpresse geoutet. Er flieht in ein Dorf am Rande der Alpen – und lernt dort einen Physiotherapeuten mit unglaublich schönen Augen kennen.


Symbolbild: Regenbogeneckfahne im Fußballstadion (Bild: IMAGO / Poolfoto / Markus Ulmer)

Homosexualität im Profi-Fußball ist noch immer ein Tabuthema. Auch Jahre nach dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger hat noch kein weiterer deutscher Fußballer den Schritt gewagt, und sein Schwulsein öffentlich gemacht. Der Autor Tobias Wolf macht dies zum Aufhänger seines Debütromans "Verbotene Pässe", der unlängst im Main Verlag erschienen ist und von einem Zwangsouting mit Folgen erzählt.

Bono Brandt ist Deutschlands beliebtester Fußballer. Mit ungeheurer Treffsicherheit verhilft er seiner Mannschaft beständig zum Erfolg. Kinder wie Erwachsene reißen sich um sein Trikot und feiern ihn als Nationalhelden. Und dann ist alles anders. Plötzlich weiß jeder Bescheid. Zwangsouting in den Klatschblättern: Bono Brandt ist schwul. Statt aufbauender Worte hat der Vereins-Vorstand nur schnellstmögliche Schadensbegrenzung im Sinn und rät Bono dazu, ein paar Tage abzutauchen.

Von Paparazzi belagert und verfolgt


Der Roman "Verbotene Pässe" ist am 31. Juli 2026 im Main Verlag erschienen

Tatsächlich bleibt dem Profifußballer auch nichts anderes übrig, den kaum ist die große Schlagzeile erschienen, wird er von Paparazzi belagert und auf Schritt und Tritt verfolgt. In einer Nacht- und Nebelaktion macht sich Bono daher auf nach Bergtal, einem verschlafenen Dorf am Fuße der Berge. Dort betreibt seine Jugendfreundin Anna einen Gasthof und verhilft dem Sportler zu einem Unterschlupf.

Doch was als kurzes Intermezzo gedacht war, um den Kopf freizubekommen, wird letztlich zu einem längeren Aufenthalt. Kurz nach Bonos Ankunft läuft ihm ein Kater zu, der im Nu sein Herz erobert. Und dann ist da noch Physiotherapeut Jonah, der die strauchelnde Fußballmannschaft im Ort trainiert und so unglaublich schöne Augen hat… Ist Bono bereit für einen kompletten Neuanfang oder hängt er doch zu sehr an seinem alten Leben?

Weniger spicy als "Heated Rivalry"

"Verbotene Pässe" lässt sich dem Genre Sports Romance zuordnen, das von den Schwierigkeiten erzählt, persönliches Glück mit den Ansprüchen einer Karriere im Profi-Sport zu vereinbaren. Das bekannteste Beispiel der letzten Jahre und gewissermaßen Blaupause für das gesamte Genre ist und bleibt die "Game Changers"-Reihe von US-Autorin Rachel Reid.

Wer es allerdings ähnlich spicy mag wie in den erfolgreichen Hockey-Romanen, ist mit Tobias Wolfs Debüt eher schlecht beraten. Ihm geht es vielmehr um die Gefühlswelt seiner Protagonisten, zarte Zwischentöne und den Zwiespalt zwischen Verantwortungsgefühl und privater Erfüllung. Aus schüchterner Zuneigung wird schnell mehr. Aber kann aus einer Liebelei zwischen einem Promi und einem einfachen Physiotherapeuten und trotz aller Widrigkeiten tatsächlich eine funktionierende Beziehung werden?

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Ein schwules Fußball-Märchen

Nicht unbedingt diese, aber viele andere Fragen bleiben ungeklärt, was vielleicht dem Umfang des Romans von nur 176 Seiten geschuldet ist. Von wem wurde Bono geoutet? Warum konnte er im Dorf so lange unentdeckt bleiben? Wie verhält sich sein Verein in der Folge? Andere wichtige Themen werden zwar angerissen, jedoch nur oberflächlich behandelt. So wird etwa das Thema Homophobie im ländlichen Raum nur am Rande gestreift. Abgesehen von zwei lästernden Damen und einer Handvoll Dorf-Rowdys wird das süddeutsche Alpendorf als paradiesischer Zufluchtsort geschildert.

Auch eine Antwort auf die Frage, ob sich die Fußballwelt zumindest in der Fiktion grundlegend wandelt, bleibt uns der Autor schuldig. Wer hingegen auf etwas Eskapismus aus ist, kann sicherlich seine Freude haben an diesem schwulen Fußball-Märchen, in dem sich die Probleme so schnell in Wohlgefallen auflösen wie in einem Samstagabend-Film. Der Wunsch nach ein wenig Realitätsflucht ist schließlich legitim und nicht verwerflich. Und es wäre ja durchaus wünschenswert, die Realität sähe auch so aus wie in Tobias Wolfs Debüt.

Infos zum Buch

Tobias Wolf: Verbotene Pässe. 176 Seiten. Main Verlag. Frankfurt 2026. Taschenbuch: 16 € (ISBN 978-3-95949-807-4). E-Book: 5,99 €

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