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Ratgeber

Wenn man mehr als einen Menschen liebt

In "Vielfältige Liebe – Polyamorie gestalten" gehen Sonja Bröning und Agostino Mazziotta der Frage nach, ob und wie mehrere Liebesbeziehungen mit dem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten fürsorglich gestaltet werden können.


Symbolbild: Vielfältige Liebe braucht Einvernehmlichkeit, Fürsorge und Raum für individuelle Grenzen (Bild: OpenAI)

Wie viel Freiheit verträgt Verbindlichkeit, und wie viel Sicherheit braucht Liebe? Diese Fragen stellen sich in jeder Beziehung. Besonders präsent werden sie, wenn Menschen mehrere Liebesbeziehungen führen.

In "Vielfältige Liebe – Polyamorie gestalten" gehen Sonja Bröning und Agostino Mazziotta der Frage nach, ob und wie mehrere Liebesbeziehungen mit dem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten fürsorglich gestaltet werden können. Dafür verbinden sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus Beratung und Therapie.

Das Buch spricht sich weder für Polyamorie noch für Monogamie aus. Entscheidend sei nicht, welches Beziehungsmodell Menschen wählen, sondern wie sie darin miteinander umgehen. Schließlich könne jede Beziehungsform achtsam oder rücksichtslos, fürsorglich oder verletzend gelebt werden.

Zwischen Autonomie und Sicherheit


"Vielfältige Liebe – Polyamorie gestalten" ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich

Sonja Bröning ist Entwicklungspsychologin, Therapeutin für Paare, Familien und Sexualität sowie Professorin an der MSH Medical School Hamburg. Sie forscht zu vielfältiger Liebe, Sexualität und Beziehungsdynamiken. Agostino Mazziotta ist Diplompsychologe, Paartherapeut und Sexualtherapeut sowie Professor für Diversity und Community Work an der FH Münster. Er beschäftigt sich mit Queerness, vielfältigen Beziehungsformen und Zugehörigkeit. In ihrer therapeutischen Arbeit begleiten beide Einzelpersonen, Paare und Polyküle.

Das Buch nimmt den Wunsch nach Autonomie ebenso ernst wie das Bedürfnis nach Sicherheit, Verlässlichkeit und Zugehörigkeit. Eifersucht und Verlustangst erscheinen dabei nicht als Zeichen mangelnder Reife, sondern als Gefühle, die verstanden und gemeinsam bearbeitet werden können.

Als Orientierung dient ein "Leitstern vielfältiger Liebe". Werte wie Augenhöhe, Fürsorge, Eigenständigkeit und Beweglichkeit sollen dabei helfen, eigene Prioritäten zu erkennen und unterschiedliche Vorstellungen miteinander auszuhandeln.

Ein Modell mit acht Schritten führt von der Klärung persönlicher Motive über Absprachen und erste Erfahrungen bis zur Gestaltung des Beziehungsalltags. Fallbeispiele veranschaulichen verschiedene Lebensentwürfe und typische Dynamiken. Übungen und Reflexionsfragen sollen Leser*­innen dabei unterstützen, eigene Werte, Wünsche und Grenzen zu erkunden, allein oder gemeinsam mit ihren Beziehungspersonen.

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Ein freies Ja braucht ein mögliches Nein

Besondere Aufmerksamkeit widmen Bröning und Mazziotta den Themen Macht und Einvernehmlichkeit. Zustimmung allein reiche nicht aus. Entscheidend seien auch die Bedingungen, unter denen sie zustande kommt.

Kann eine Person die Öffnung einer Beziehung ablehnen, ohne die Partnerschaft, die gemeinsame Wohnung oder die finanzielle Sicherheit zu verlieren? Welche Rolle spielen ungleich verteiltes Einkommen, Carearbeit und emotionale Abhängigkeit? Solche Fragen betreffen nicht nur polyamore Konstellationen.

Ein echtes Ja setzt die Möglichkeit eines freien Neins voraus. Das gilt für polyamore ebenso wie für monogame Beziehungen.


Agostino Mazziotta und Sonja Bröning (Bild: privat)

Auch die gesellschaftlichen und rechtlichen Bedingungen vielfältiger Beziehungen werden behandelt. Eherecht, Abstammungsrecht, Sorgerecht und Erbrecht orientieren sich weiterhin weitgehend an der Zweierbeziehung.

Damit stellt sich die Frage, welche Formen von Liebe sichtbar sein dürfen, gesellschaftlich anerkannt werden und rechtlichen Schutz als Familie erhalten. Die persönliche Gestaltung von Beziehungen lässt sich schließlich nicht von politischen und sozialen Rahmenbedingungen trennen.

"Vielfältige Liebe – Polyamorie gestalten" (Amazon-Affiliate-Link ) richtet sich an Menschen, die polyamor leben, über eine Öffnung ihrer Beziehung nachdenken oder vielfältige Beziehungsweisen besser verstehen möchten. Auch Fachkräfte aus Beratung, Psychotherapie, Seelsorge und Sozialer Arbeit werden angesprochen. Statt eine allgemeingültige Form des Liebens vorzugeben, versammelt das Buch wissenschaftliche Perspektiven, therapeutische Erfahrungen und Anregungen für informierte, selbstbestimmte Entscheidungen. (dd/pm)

Infos zum Buch

Sonja Bröning und Agostino Mazziotta: "Vielfältige Liebe – Polyamorie gestalten". Springer Fachmedien. Wiesbaden 2026. 611 Seiten. Taschenbuch: 29,99 Euro (ISBN 978-3-658-48371-5). E-Book: 22,99 Euro (ISBN 978-3-658-48372-2).

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