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Scharfe Kritik an Bischof Oster

"Mutige queere Menschen passen nicht in das Weltbild des Bischofs"

Einen knappen Monat nach dem Terroranschlag auf den CSD Berlin kritisierte der Passauer Bischof deutsche Prides als Gefahr für die Demokratie. Queere Katholik*innen und ein Passauer Bundestagsabgeordneter geben Kontra.


Stefan Oster macht Queerfeindlichkeit zu einem der Hauptmerkmale seines Glaubens (Bild: IMAGO / Future Image)

Der Passauer Bischof Stefan Oster hatte bei einer Predigt zu Mariä Himmelfahrt den Atheismus für CSDs verantwortlich gemacht und queere Menschen praktisch beschuldigt, durch ihre Existenz die Demokratie zu gefährden (queer.de berichtete). Das Katholische LSBT+ Komitee, ein Netzwerk für queere Gläubige, sowie der Passauer Bundestagsabgeordnete Luke Hoß (Linke) haben diese Äußerungen inzwischen scharf kritisiert. Hoß legte dem Bischof sogar den Rücktritt nahe.

Das Katholische LSBT+ Komitee bezeichnete die Äußerungen Osters als "abwegig" und kritisierte, dass Oster gerade jetzt sexuelle und geschlechtliche Minderheiten attackiert: "Queere Menschen werden in unserer Gesellschaft zunehmend angegriffen. Der Christopher-Street-Day stellt sich dem entgegen und steht für Sichtbarkeit, gesellschaftliche Akzeptanz, Freiheit und gleiche Rechte. Umso erschütternder ist, dass Bischof Oster kein Wort über den Anschlag auf den Berliner CSD verliert", heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes. "Dieser Angriff hätte eine klare Verurteilung und unmissverständliche Solidarität mit den Betroffenen erfordert. Wo Menschen aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung abgewertet, angegriffen oder ihrer Rechte beraubt werden, ist seine Stimme nicht zu hören."

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Bereits länger Kritik an mangelnder katholischen Reaktion auf Terroranschlag auf CSD

Bereits kurz nach dem Anschlag auf den Berliner CSD, bei dem eine Frau ums Leben gekommen und über 30 Menschen wurden verletzt worden waren, hatte die queere katholische Organisation "Out in Church" das Schweigen der angeblich von Nächstenliebe geprägten Kirche kritisiert. "Als queere Katholik*innen erwarten wir mehr!", hieß es in einer Stellungnahme auf Instagram. Das Schweigen "manifestiert die kirchliche Ablehnung queeren Lebens und bereitet in der Kombination mit christlich-fundamentalistischen Positionen letztlich den Nährboden für Angriffe auf die LGBTIQA+ Community."

Bischof Oster, so das Katholische LSBT+ Komitee weiter, habe sich mit seiner Predigt "als Theologe wie auch als Seelsorger disqualifiziert". "Er hat wohl vergessen, dass Papst Franziskus schon 2013 gefragt hat 'Wer bin ich, zu verurteilen'. Mutige queere Menschen und ihre Verbündeten passen nicht in das Weltbild des Bischofs. Auch queersensible Theologie und Queerseelsorge sind ihm seltsam fremd. Oster, der sich als Evangelisierungsbischof sieht und gerne Klickzahlen generiert, steht nicht an der Seite von Menschen, deren Würde und Rechte tatsächlich angegriffen werden."

Hoß fordert Rücktritt von Oster

Der Passauer Bundestagsabgeordnete Luke Hoß (Linke) empfahl dem Bischof den Rücktritt: "Queer sein ist normal. Leute, die das nicht einsehen wollen, wie Bischof Oster, sind die wahre Gefahr für Demokratie und friedliches Zusammenleben. Sie zahlen ein auf eine gesellschaftliche Stimmung, in der CSDs zunehmend angegriffen werden. Ein Rücktritt Osters ist, nach unzähligen Entgleisungen, mehr als überfällig", so Hoß. Er rief dazu auf, sich an CSDs zu beteiligen.


Luke Hoß ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Der 24-Jährige ist rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion (Bild: Die Linke)

Oster, der seit 2014 Bischof von Passau ist, hat bereits wiederholt gegen queere Menschen polemisiert. So verglich er Homosexualität mit Pädophilie. Er setzte auch Homosexuelle mit Kriminellen gleich, als er 2015 auf Facebook erklärte, dass "sogar zwischen den Mitgliedern einer Gangsterbande" Werte wie "Verlässlichkeit, gegenseitige Fürsorge oder Loyalität" gelebt werden – also Werte wie bei homosexuellen Paaren.

Auch seine Einschätzung von queeren Menschen als undemokratisch teilte er bereits zuvor: 2021 warnte er vor einen queeren "Gesinnungsdiktatur" – und stilisierte er sich selbst gleichzeitig zum Opfer, weil "viele aggressive Äußerungen gegen mich [...] sehr verletzend" seien. (dk)

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