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Milaneo

Auch Stuttgarter Einkaufszentrum untersagte Regenbogen­fahne zum CSD

In Hamburg entschuldigte sich ein Einkaufszentrum, weil Security das Mitführen von Regenbogenfahnen zum CSD verboten hatte. In Stuttgart geschah Ähnliches – hier verteidigt der Centermanager aber das Verbot.


Das Stuttgarter Milaneo ist eine regenbogenfreie Zone – außer für Eigenwerbung, versteht sich… (Bild: IMAGO / Arnulf Hettrich)

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das zentral gelegene Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo Teilnehmenden des CSD am 25. Juli untersagt, mit einer Regenbogen­fahne einzutreten. Das berichtete die "Stuttgarter Zeitung" am Montag (Bezahlartikel). Der Vorfall erinnert an ein ähnliches Verbot in Hamburg: Beim CSD am 1. August war auch in der Europa Passage Menschen mit Regenbogen­fahne der Einlass verwehrt worden (queer.de berichtete).

In der "Stuttgarter Zeitung" berichtet CSD-Teilnehmerin Julia K., dass sie und eine Begleitung auf dem Heimweg von der CSD-Demonstration im Milaneo lediglich etwas essen wollten. Da sie ihre Pride-Flaggen wie Umhänge trugen, schritt jedoch der Sicherheitsdienst ein: Das sichtbare Tragen und Mitführen von Fahnen sei im Center grundsätzlich untersagt; die beiden mussten ihre Flaggen verstecken, um eintreten zu dürfen. Der Vorfall sorgte bei den Betroffenen für Unverständnis und Verärgerung – insbesondere, weil das Einkaufszentrum zur gleichen Zeit auf Bildschirmen, Schaufenstern und Werbeflächen selbst intensiv mit Pride-Symbolik warb.

Julia K. kritisierte die Diskrepanz zwischen kommerziellem Marketing und dem Umgang mit queeren Menschen vor Ort deutlich als moralisch fragwürdiges "Pinkwashing". Wer sich als sogenannter Ally, also als Verbündeter der queeren Community inszeniere, müsse queere Sichtbarkeit gerade in gesellschaftlich angespannten Zeiten auch bei Besucher*­innen zulassen und schützen, anstatt sie einzuschränken.

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Center-Management beruft sich auf Sicherheitskonzept

Auf Anfrage der größten Stuttgarter Tageszeitung wies Milaneo-Centermanager Dirk Keuthen den Vorwurf der Diskriminierung und des Pinkwashings zurück und verteidigte das pauschale Verbot von Regenbogenfahnen auch zum CSD. Das Flaggenverbot sei eine allgemeine Hausregel, die unabhängig von Botschaft, Herkunft oder Motiv durchgesetzt werde – egal ob es sich um Landes-, Fußball-, Politik- oder Pride-Flaggen handele. Ziel sei ein sicherer und störungsfreier Betrieb im stark frequentierten Center. Das Center unterstütze Vielfalt aktiv, eigene Marketingaktionen stünden laut Keuthen jedoch nicht im Widerspruch zu den Verhaltensregeln für Besuchende.

Anders als in Stuttgart hat sich das Hamburger Einkaufszentrum für sein Regenbogenfahnenverbot entschuldigt (queer.de berichtete). Center-Manager Karsten Bärschneider erklärte kurz nach dem Vorfall, dass es nie eine Anweisung gegeben habe, Pride-Fahnen zu verbieten. Auch würden Mitarbeitende, "die die Regeln bewusst überinterpretiert haben und andere Menschen diskriminiert haben", zukünftig nicht mehr eingesetzt. In Hamburg hatte es auch Kritik an teils rabiaten Methoden der Security gegeben, ebenso wie an der hinzugerufenen Polizei (queer.de berichtete).

CSD-Anwalt: Regenbogenfahnen-Verbot rechtens, aber "widersprüchlich"

Der Stuttgarter CSD-Anwalt Konrad Philipp Volkwein erklärte, das Einkaufszentrum dürfe zwar mit seinem Hausrecht Fahnen pauschal verbieten. Er kritisierte das Milaneo aber scharf: "Gerade vor dem Hintergrund, dass das Milaneo selbst Pride-Symbolik zu Marketing- und Werbezwecken einsetzt, halte ich es für widersprüchlich und gesellschaftlich kritikwürdig, CSD-Teilnehmenden das Zeigen entsprechender Flaggen zu untersagen." (cw)

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