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"Wir sollen einander genau so lieben, wie wir sind"
Abschied von ihrer Ikone: Schwule US-Community trauert um Dolly Parton
Dolly Parton hatte insbesondere viele schwule Fans – und unter Dragqueens war sie Kult. Wie hat eine gläubige Christin aus dem nicht gerade queerfreundlichen Südstaaten das geschafft?

Dolly Parton: "Ich sage, es ist gut, dass ich ein Mädchen war, sonst wäre ich eine Dragqueen" (Bild: IMAGO / Capital Pictures)
- Von Paul Blake, AFP
26. August 2026, 12:30h 4 Min.
Im Western-Outfit sitzt Cameron Austin in der Ecke einer Schwulenbar in Washington und nippt zu Dolly Partons Song "When I'm Gone" an seinem Drink. "Ich bin nicht mit der Musik vieler Schwulenikonen aufgewachsen, an die man normalerweise denkt, aber sie ist diejenige, die mich von Anfang an begleitet hat", sagt der 28-Jährige aus Tennessee am Dienstagabend auf einer Party, die nach der Nachricht über den Tod der 80-jährigen Country-Musikerin zu ihren Ehren organisiert wurde. "Dolly war immer für mich da."
Dolly Parton gehört zu den wenigen verbindenden Kräften in den tief gespaltenen Vereinigten Staaten. Sie wird von US-Präsident Donald Trump und in als Honky-Tonks bezeichneten Bars im weitgehend konservativen Süden der Vereinigten Staaten ebenso verehrt wie in den Schwulenbars des Landes.
In der mit aufgedonnerten, schlagfertigen Country-Queen sahen viele Schwule und Lesben eine unerwartete, aber unerschütterliche Verbündete, die sich für ihre Würde und ihre Rechte einsetzte – lange bevor es populär wurde.
"Ich glaube, sie hat in vielerlei Hinsicht einfach alle Erwartungen übertroffen", sagt Austin. "Ich denke, wenn viele von uns Familien haben, zu denen wir vielleicht nicht die besten Beziehungen pflegen, die vielleicht aus dem (konservativen) Süden stammen oder religiös sind, dann weckt die Tatsache, dass jemand aus genau diesen Verhältnissen kommen und dennoch akzeptierend sein kann, in uns die Sehnsucht nach etwas, das wir vielleicht nie hatten."
Partons enge Beziehung mit Dragqueens
Parton, die sich aus bitterer Armut in den ländlichen Appalachen hocharbeitete und jahrzehntelang eine feste Größe in der Country-Szene war, hatte offenbar nie vor, eine Schwulenikone zu werden. Sie nahm diese Rolle aber voll und ganz an und zeigte dabei besondere Wertschätzung für Drag-Künstlerinnen. Einmal nahm sie heimlich an einem Dolly-Parton-Dragqueen-Doppelgänger-Wettbewerb teil – und verlor.
"Ich habe mich einfach in die Schlange gestellt, bin rübergegangen und sie dachten einfach, ich wäre so ein kleiner, schwuler Kerl, und ich bekam den wenigsten Applaus", erzählte Parton 2012 mit einem Kichern dem Sender ABC News. "Aber innerlich habe ich mich totgelacht." Sie fuhr fort: "Ich sage, es ist gut, dass ich ein Mädchen war, sonst wäre ich eine Dragqueen."
Ihr Lied "Family" aus dem Jahr 1991 fordert ausdrücklich Toleranz gegenüber Schwulen – zu Zeiten, als die schwule Community insbesondere angesichts der Aids-Krise Stigmatisierung erlebte.
Im Kontrast zu ihrem lebhaften Auftreten zeigte sich Parton bei anderen Themen der Tagespolitik auffallend zurückhaltend und verwies darauf, dass sie Fans aus allen politischen Lagern habe. Ihr Engagement für die queere Community verpackte sie in die moralische Sprache des US-Südens.
"Schwule wissen, dass ich sie nicht verurteile"
"Ich glaube, ich wurde in der schwulen Community immer akzeptiert, weil ich sie akzeptiere", sagte Parton einmal dem Sender CNN. "Sie wissen, dass ich sie nicht verurteile. Ich denke, Menschen sind, wie sie sind, und ich bin nicht Gott, ich bin kein Richter. Wir sollen einander genau so lieben, wie wir sind."
Die Kulturwissenschaftlerin und Queer-Expertin Nadine Hubbs von der University of Michigan sagt, es sei Partons religiöse Erziehung gewesen, die ihre wohlwollende Haltung gegenüber der queeren Community geprägt habe, anstatt sie von dieser zu entfremden. "Ihr Großvater war Pfingstprediger und sie wuchs damit auf, in dieser Kirche zu singen, und sprach immer sehr deutlich über ihren Glauben", sagt Hubbs.
"Dolly lebte vor, wie man nicht nur liebevoll und akzeptierend gegenüber anderen und sich selbst sein kann, sondern dies auch innerhalb eines tief christlichen Rahmens tut", analysiert Hubbs. Dies habe in den tief religiösen Südstaaten eine einzigartige Anziehungskraft gehabt.
Dolly Parton ging ungezwungen und beherzt mit dem Thema um. Bei einem Auftritt in einer Late-Night-Show im Jahr 2019 änderte sie den berühmten Text ihres Hits "Jolene" in "Dragqueen! Dragqueen!". Als texanische Politiker 2023 versuchten, viele Drag-Auftritte unter Strafe zu stellen, unterstützte Parton eine Dragqueen, die gegen das Gesetz kämpfte.
"Sie ist eine Diva", sagt die 34-jährige Dragqueen Brigitte Bandit aus dem texanischen Austin, die nur unter ihrem Künstlernamen genannt werden möchte, bewundernd über Dolly Parton. "Ich hoffe, die Menschen nehmen sich einen Moment Zeit, um ihrer Botschaft zuzuhören und ein bisschen mehr wie Dolly sein."














