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Deutschland-Premiere

Dämon jagt queere Teenager

Im australischen Horrorfilm "Leviticus" nimmt ein mörderischer Dämon die Gestalt der Person an, die man gerade am meisten liebt – und schlägt dann überraschend zu. Nach einem religiösen Ritual hat er zwei frisch verliebte Jungs im Visier.


Szene aus "Leviticus": Der Horrorthriller von Regisseur Adrian Chiarella hat noch keinen regulären bundesweiten Kinostart in Deutschland, feiert seine Deutschlandpremiere jedoch im September 2026 als Eröffnungsfilm beim Fantasy Filmfest (Bild: Neon)

Für die meisten Menschen sind Dämonen Fantasiegestalten, die es nur in Horrorfilmen gibt. Anders in einigen christlichen Glaubensgemeinschaften: Dort finden immer wieder mal reale Exorzismen statt, um Menschen von angeblichen Dämonen zu befreien – teils auf eigenen Wunsch der Leute, die selbst glauben, besessen zu sein. Auch sehr gläubige Eltern queerer Teenager sind durchaus schon auf die Idee gekommen, ihr Kind zum Exorzisten zu bringen, insbesondere wenn die Konversionstherapie – oh Überraschung – mal wieder nicht gefruchtet hat.

Der neue australische Horrorfilm "Leviticus" – Eröffnungsfilm beim bundesweiten Fantasy Filmfest im September – spielt mit diesen Themen und stellt sie quasi auf den Kopf: Natürlich steckt hinter der Queerness der Teens kein Dämon, den man austreiben könnte – stattdessen öffnet ein wegen ihres Schwulseins durchgeführtes religiöses Ritual erst die Tür für ein besonders perfides Exemplar, das es nun auf die Jungs abgesehen hat.

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Ein tragischer Verrat

Naim (Joe Bird) und Ryan (Stacy Clausen) leben auf dem Land in einer kleinen Gemeinschaft, in der Religion eine wichtige Rolle spielt. Sie sitzen denn auch jeweils brav im Gottesdienst des lokalen Pastors (Ewen Leslie). Was dort jedoch niemand ahnt: Die Jungs haben sich kürzlich beim Rumalbern in einer stillgelegten Fabrikanlage erstmals geküsst, und zumindest Naim ist ziemlich verliebt. Jedenfalls bis er heimlich beobachtet, wie Ryan dasselbe mit Hunter (Jeremy Blewitt) macht, dem Sohn des Pastors.

Verletzt und eifersüchtig verrät er die beiden beim Pastor, der kurz darauf einen so genannten Befreiungsheiler (Nicholas Hope) aufbietet. Dieser unterzieht Ryan und Hunter während des nächsten Gottesdiensts einem religiösen Ritual, bei dem sie am Ende beide zuckend am Boden liegen – im Beisein des schockierten Naim, der ein entsprechend schlechtes Gewissen hat.

Erst Kuss, dann Mordversuch

Doch das ist erst der Anfang. Denn in den folgenden Tagen macht Naim mehrere beunruhigende Beobachtungen. Er sieht erst Ryan, dann Hunter in offensichtlicher Interaktion mit einem unsichtbaren Gegenüber – zuerst einvernehmlich, dann sich heftig wehrend. Derweil Ryan verletzt überlebt, wird Hunter vor Naims Augen in die Dunkelheit geschleppt und später tot aufgefunden. Außerdem hat Ryan plötzlich Angst vor ihm. Und weil Naim dennoch regelmäßig dessen Gesellschaft sucht, schöpft seine Mutter (Mia Wasikowska) Verdacht, dass auch ihr Sohn schwul sein könnte und bringt ihn ebenfalls zum Befreiungsheiler. Trotz erheblicher Gegenwehr muss er das Ritual über sich ergehen lassen.

Als Naim kurz danach anlässlich von Hunters Trauerfeier draußen vor dem Haus allein auf Ryan trifft, zeigt sich dieser unerwartet zugänglich. Die beiden küssen sich, doch dann, aus heiterem Himmel, greift Ryan ihn an. Naim gelingt es nur knapp, zu den anderen Gästen zu flüchten. Doch einer der ersten, der ihm dort entgegenkommt, ist Ryan. Dieser berichtet ihm dann von einem ähnlichen Angriff auf ihn – ausgeführt von jemand, der aussah und sich verhielt wie Naim.

Aus Angst Abstand halten?

Ihre weiteren Recherchen ergeben, dass das religiöse Ritual die Tür für einen Dämon geöffnet hat, der jeweils die Gestalt jener Person annimmt, die einem aktuell die allerliebste im Leben ist. Der jedoch nur auftaucht, wenn man allein ist, was in ihrer dünn besiedelten Region nur schwer zu vermeiden ist. Für Naim und Ryan ist dies die Bestätigung ihrer gegenseitigen Liebe – denn sonst würde der Dämon ja nicht bei beiden jeweils die Gestalt des anderen annehmen.

Gleichzeitig wird ihnen bewusst, in welcher Gefahr sie schweben. Im Grunde gibt es nur zwei Lösungen: Entweder pausenlos zusammen sein oder sich örtlich komplett trennen – wenn der andere dann dennoch auftaucht, kann es nur der Dämon sein. "Das war es genau, was sie wollten", sagt Ryan einmal, "dass wir Angst voreinander haben". Die Frage ist nun, was stärker ist: die Angst, die Liebe oder der Dämon?

Der Filmtitel spielt auf das Buch Levitikus im Alten Testament an, das bei Diskussionen um die christliche Haltung zur Homosexualität eine zentrale Rolle einnimmt. Darin heißt es, ein Mann solle nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau. Diesem Grundsatz folgt so ziemlich das gesamte Umfeld von Ryan und Naim – insbesondere dessen Mutter, die offenbar genau weiß, in welche Gefahr sie ihren Sohn bringt, als sie ihn zum Befreiungsheiler zwingt.

Die Gnadenlosigkeit besonders gläubiger Eltern

"Leviticus" funktioniert bestens als Horrorfilm und hält sich weitgehend an die Konventionen des Genres. Dass er gleichzeitig die Herausforderungen queerer Jugendlicher aufgreift, die in religiösen Familien aufwachsen, macht ihn für ein queeres Publikum zusätzlich sehenswert. Und es ermöglicht dem schwulen Regisseur und Drehbuchautor Adrian Chiarella, die Gnadenlosigkeit zu entlarven, mit der diese queeren Teens in der Realität konfrontiert sind: Statt christlicher Werte wie Nächstenliebe und Mitgefühl erfahren sie ausgerechnet in diesen tiefgläubigen Familien nur kalte Ablehnung oder Hass – letztlich sind solche Eltern nicht viel besser als der fiktionale Film-Dämon.

Chiarella erklärte in mehreren Interviews, dass er für seinen Film von der Realität inspiriert worden sei: vom politischen Backlash gegenüber Queers in den letzten Jahren, aber auch von den zahlreichen Vorfällen realer Exorzismusversuche und Konversionstherapien. Daneben sei "Leviticus" jedoch auch eine Liebesgeschichte, betont der Regisseur. "Es gibt zwar die Horrorelemente, doch am Ende geht es darum, die erste Liebe zu finden." Glücklich darf sich schätzen, bei wem das ganz ohne Dämonen ablief.

Infos zum Film

Leviticus. Horrorthriller. Australien 2026. Regie: Adrian Chiarella. Cast: Joe Bird, Stacy Clausen, Mia Wasikowska, Tyallah Bullock, Ewen Leslie. Laufzeit: 88 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Deutschland-Premiere im September 2026 beim Fantasy Filmfest
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