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Im Alter von 89 Jahren gestorben

Ein Monarch der Mitmenschlichkeit: König Harald V. ist tot

Norwegen trauert um König Harald. Der Monarch ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit seinem Tod verliert das skandinavische Land nicht nur ein prägendes Staatsoberhaupt, sondern auch eine weltweite Symbolfigur für gesellschaftliche Offenheit.


König Harald V. war seit 1991 Staatsoberhaupt von Norwegen (Bild: IMAGO / All Over Press Finland)

Er war der älteste regierende Monarch Europas – und hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Krankheiten zu kämpfen. Jetzt ist der norwegische König Harald V. im Alter von 89 Jahren im Reichskrankenhaus von Oslo gestorben. Er sei am Freitagmorgen um 6.35 Uhr friedlich eingeschlafen, teilte das norwegische Königshaus mit. Mit ihm verliert das Land einen Monarchen, der über Jahrzehnte vor allem durch seine leisen Töne überzeugte – und auch in der queeren Community beliebt war. Nach seinem Tod erbt sein Sohn Haakon den Thron.

Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie – einer Form der Blutarmut – war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.

Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Außerdem hatte er häufig mit Atemwegs-Erkrankungen zu tun. Im Februar war der Monarch während eines Urlaubs auf Teneriffa mit seiner Frau, Königin Sonja, wegen einer Infektion ins Krankenhaus gekommen.

Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer. Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt.

Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art – und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner. Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors. Er galt als begeisterter Segler und Wintersportler.

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Harald V. machte der queeren Community Mut

In der queeren Community bleiben vor allem zwei Ereignisse in Erinnerung: So hatte Harald am 1. September 2016 bei einem Gartenfest im Osloer Schlosspark anlässlich seines 25. Thronjubiläums eine Grundsatzrede über Identität, Toleranz und Vielfalt gehalten. Darin definierte er, was es bedeutet, Norweger zu sein, und bezog queere Menschen ausdrücklich mit ein: "Norwegen, das seid ihr. Norwegen, das sind wir. Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben, Jungen, die Jungen lieben, und Mädchen und Jungen, die einander lieben. Norweger glauben an Gott, an Allah, an alles und an nichts." Dass sich ein amtierender europäischer Monarch derart unmissverständlich und poetisch für sexuelle Vielfalt, queere Rechte und religiösen Pluralismus aussprach, war historisch.

Auch nach dem queerfeindlichen Terroranschlag im Juni 2022 auf den queeren Club "London Pub" in Oslo stellte sich König Harald V. sofort und entschlossen an die Seite der Betroffenen. Er verurteilte den Angriff scharf und betonte: "Wir müssen zusammenstehen, um unsere Werte zu verteidigen: Freiheit, Vielfalt und Respekt füreinander. Wir müssen uns weiterhin dafür einsetzen, dass sich alle Menschen sicher fühlen können."

Den Thron hatte Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen. Seine große Liebe Sonja heiratete er schon 1968 – obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Kronprinz Haakon heiratete mit Mette-Marit eine ganz normale Norwegerin. Seine Tochter Märtha Louise ist inzwischen in zweiter Ehe mit dem selbst ernannten Schamanen Durek Verrett verheiratet, einem offen bisexuellen Mann (queer.de berichtete).

Unsichere Zukunft für die norwegische Monarchie

Ohne Harald V. ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie steuert. Denn während der König in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Kronprinzenfamilie zuletzt stark erschüttert. Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. Nach dem Tod des Königs wird die 53-Jährige laut Aussagen von Verfassungsrechtlern nicht automatisch Königin – die Entscheidung über ihre Rolle obliegt dem neuen König Haakon.

Mette-Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Viele Norweger*innen sind seitdem unsicher, ob Mette-Marit wirklich das Zeug zu einer Königin hat. (dpa/spot/dk)

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