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Alternative Fakten

US-Regierungs-"Studie": "Gender-Ideologie" macht Linke gewalttätig

Die Trump-Regierung veröffentlicht eine angeblich wissenschaftliche Untersuchung, wonach Queerfreundlichkeit Menschen autoritär und gewalttätig mache. Was ist an dem Papier dran?


Wenn das eigene Weltbild nicht mit der Realität übereinstimmt, schafft sich die Regierung von US-Präsident Donald Trump einfach ihre eigenen Fakten (Bild: Gage Skidmore / flickr)

Eine kürzlich vom amerikanischen Gesundheitsministerium veröffentlichte Studie soll angeblich beweisen, dass "Gender-Ideologie" zu mehr linksextremer Gewalt führt. In rechten Medien wird das Papier gefeiert – auch international. Das österreichische Online-Magazin "Exxpress", das wie "Nius" in Teilen dem deutschen Millionär Frank Gotthardt gehört, titelte etwa: "Trans-Ideologie fördert linke Gewaltbereitschaft".

Das Papier behauptet anhand einer Umfrage, dass Menschen, die "geschlechtsaffirmierende" Prinzipien befürworten (also trans Menschen anerkennen), auch deutlich höhere Werte für "linken Autoritarismus" aufweisen würden. Zudem würden sie politische Gewalt eher akzeptieren. Akzeptanz von queeren Menschen führe also zu weniger Demokratie und mehr politisch motivierter Kriminalität, so das Resümee. In dem Bericht wird "Gender-Ideologie" als "ideologischer Brandbeschleuniger" für Gewalt bezeichnet.

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Bericht ist keine Studie

Was allerdings in rechten Blogs verschwiegen wird: Das Papier gilt im wissenschaftlichen Sinne nicht als etablierte oder breit anerkannte Fachstudie, sondern ist lediglich ein Bericht regierungsnaher Thinktanks und Organisationen. So gab es keine Peer-Review, also keine Begutachtung eines renommierten psychologischen oder soziologischen Fachjournals.


Der Bericht ist als PDF-Datei erhältlich

An der Vorgehensweise der Untersuchung gab es zudem viel Kritik: So wurde in einer Online-Umfrage unter rund 1.200 Personen nur gemessen, ob jemand hypothetischen Aussagen über Gewalt zustimmt. Damit ließen sich keine Rückschlüsse zu, ob jemand tatsächlich Gewalt ausgeübt oder geplant hatte.

Zudem könne das Querschnitts-Design nur Korrelationen feststellen und keine Kausalität. Das bedeutet: Die Untersuchung beweist nicht, dass die Beschäftigung mit queeren Themen Menschen gewalttätig oder autoritär macht. Genauso plausibel könnte sein, dass Menschen, die ohnehin politisch radikal oder wütend sind, sich einfach an aktuelle polarisierende Themen anhängen.

Bericht: Nur Gewalt gegen Rechte abgefragt

Des weiteren wird kritisiert, dass selektive Gewaltszenarien abgefragt worden seien: Bei der Thematik der Rechtfertigung politischer Gewalt wurde nämlich fast ausschließlich Gewalt gegen prominente rechtskonservative Persönlichkeiten oder Institutionen abgefragt, was die Ergebnisse bei Befragten mit linken Grundhaltungen stark verzerrt.

Außerdem hätten Fragen nach der Zustimmung zu "Gender-Ideologie" mehrfach nur gemessen, ob eine Person den Stand der Wissenschaft akzeptiert. So lautete eine abgefragte These etwa: "Wird die Geschlechtsidentität einer transgeschlechtlichen Person nicht anerkannt, erhöht dies für die betroffene trans Person das Risiko schwerer psychischer Belastungen." Dies sei keine ideologische Frage, denn es sei wissenschaftlich bereits nachgewiesen worden, dass bei vielen Minderheiten Ablehnung das Risiko von psychischen Krisen erhöht. Wer also diesen etablierten medizinischen Leitlinien zustimmt, wird im Bericht also automatisch in die Ecke von "linkem Autoritarismus" und "Gewaltbefürwortung" gerückt.

Human Rights Campaign: "MAGA-Republikaner wollen Hass gegen unsere Mitbürger säen"

LGBTI-Organisationen kritisieren den Bericht scharf: "Seit fast zwei Jahren nutzen die Trump-Regierung und Amtsträger wie [Gesundheitsminister] Robert F. Kennedy Jr. unsere eigene Regierung als Knüppel gegen queere Personen und zunehmend ganz gezielt gegen die Trans-Community", erklärte Kelley Robinson, die Chefin der Human Rights Campaign. "Diese sogenannte Studie, finanziert von einer extrem rechten Interessengruppe, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass das gewünschte Ergebnis die Forschung diktiert – MAGA-Republikaner wollen Hass gegen unsere Mitbürger säen, in dem verzweifelten Versuch, im Vorfeld der Zwischenwahlen von ihren eigenen Misserfolgen abzulenken." Die Zwischenwahlen finden am 3. November statt; laut Umfragen haben die Demokraten gute Chancen, im Repräsentantenhaus und möglicherweise auch im Senat den Republikanern die Mehrheit abzunehmen.

Die Trump-Regierung geht seit ihrem Amtsantritt am 20. Januar 2025 insbesondere gegen trans Menschen vor, etwa durch Sport-Verbote oder das pauschale Verbot für trans Menschen, im Militär zu dienen. Zuletzt verschärfte die Regierung den Ton: Trans-Akzeptanz wird in einem Papier zur amerikanischen Anti-Terror-Strategie sogar als Indikator für Terrorismus angesehen (queer.de berichtete).

-w-