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Österreich
Vergewaltigte trans Frau zweimal von Krankenhäusern abgewiesen
Nach einer Vergewaltigung wurde eine trans Frau in Linz von zwei Spitälern abgewiesen – erst durch Druck der Polizei bekam sie Hilfe. Der Fall zeigt exemplarisch die massiven Mängel in der medizinischen Versorgung von trans Personen in Österreich.

Nicht besonders barmherzig: Das Ordensklinikum Elisabethinen ist eines der beiden Krankenhäuser, die eine Behandlung der trans Frau verweigerten (Bild: IMAGO / Daniel Scharinger)
- Von Christian Höller
28. August 2026, 15:50h 5 Min.
Ein unglaublicher Skandal sorgt gerade in der queeren Community für Empörung. Nach einer Vergewaltigung wurde eine trans Frau in Linz zweimal von Spitälern abgewiesen. Erst auf Druck der Polizei wurde die Frau im dritten Krankenhaus behandelt. Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. Bei der medizinischen Versorgung von trans, inter und nichtbinären Personen versagt das Gesundheitssystem in Österreich oft. Queere Organisationen fordern hier seit Jahren Reformen. Doch leider kommt es zu keinen gravierenden Änderungen.
Der Skandal um die verweigerte Behandlung der trans Frau namens Viola in Linz hat sich schon im Mai 2026 ereignet, doch er wurde erst jetzt bekannt. Berichtet hat darüber nun das kritische, progressive Online-Magazin moment.at, das sich in Österreich für eine nachhaltige und gerechtere Gesellschaft einsetzt.
Viola erlitt ein schreckliches Martyrium. Sie wurde vergewaltigt, vermutlich wurden ihr K.O.-Tropfen in ein Getränk gemischt. Sie schaffte es zu einer Freundin, die sofort die Polizei alarmierte. Denn bei K.O.-Tropfen kommt es auf jede Minute an. Sie können im Körper nur kurz nachgewiesen werden. Um Beweise zu sichern, ist es notwendig, dass schnell das Blut und/oder Urin untersucht werden. Hinzu kommt, dass Viola nach der Vergewaltigung Schmerzen hat. Die Polizist*innen rufen daher sofort einen Rettungswagen, um die Frau in ein Spital zu bringen.
Doch dann kam es im Gesundheitssystem zu einem massiven Systemversagen. Viola sagte, sie sei nach der Vergewaltigung "zum zweiten Mal durch die Hölle gegangen". Dabei rühmt sich Österreich gerne, über ein besonders gutes medizinisches System zu verfügen. Doch bei der Behandlung und Versorgung von trans, inter und nichtbinären Menschen sieht die Situation anders aus. Die Abweisung von Viola in zwei Spitälern erfolgte nicht in einem kleinen Spital auf dem Land, sondern in Linz, der drittgrößten Stadt Österreichs.
Keine Behandlung, weil "keine phänotypische Frau"
Das erste Problem war der Rettungswagen, der nach 45 Minuten noch immer nicht kam. Daher entschieden sich die Polizist*innen, Viola im Polizeiauto in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder zu bringen. Laut Viola stellte eine Ärztin dort die Frage: "Wenn wir zwischen ihre Beine schauen, was finden wir dann vor?"
Diese Frage ist nach Ansicht von Expert*innen in einer solchen Situation mehr als unangemessen. Denn die Frage zeigt, dass bei der Behandlung von trans Personen oft in erster Linie das trans sein im Vordergrund steht und nicht das konkrete gesundheitliche Anliegen. Hinzu kommt, dass es sich hier um einen Notfall handelte. Viola sagte der Ärztin, dass sie eine trans Frau sei. Daraufhin wurde ihr die Behandlung verweigert. Als Grund habe die Ärztin laut Viola angegeben, dass sie "keine phänotypische Frau" sei. Die Ärztin berief sich in der Verweigerung auf interne Leitlinien.
Viola musste wieder 45 Minuten warten. Es wurde keine Hilfe geleistet. Ihr Zustand verschlechterte sich. Sie bekam Panikattacken, wie im entsprechenden Bericht der Polizei festgehalten wird.
Auch im zweiten Spital keine Behandlung
Schließlich wurde die Frau mit dem Krankenwagen in das Ordensklinikum Elisabethinen gebracht. Die anwesenden Polizist*innen betonten dort, dass dringend die Spuren gesichert werden müssen. Doch wieder wurde die Behandlung und Untersuchung verweigert. Viola ging es gesundheitlich immer schlechter. Sie wurde in weiterer Folge ins Kepler Universitätsklinikum gebracht. Viola leidet unter Epilepsie. Während der Fahrt ins dritte Spital bekam sie einen Krampfanfall. Im Kepler Universitätsklinikum sei Viola laut Polizeibericht zu Beginn in einen "Abstellraum" untergebracht worden. Dort musste die Patientin eine Stunde warten, obwohl sie an Schmerzen litt. Daraufhin reagierten die Polizist*innen. Sie übten Druck auf das Personal im Krankenhaus aus und verlangten, dass endlich Hilfe geleistet wird. Erst jetzt wurden die Untersuchung und die Behandlung durchgeführt.
Viola möchte, dass sich in Österreich das medizinische System ändert. Sie hat Strafanzeige gegen alle drei Spitäler erstattet. Bei Viola haben sich weitere Personen gemeldet, die ähnliche Erfahrungen durchgemacht haben.
Queere Organisationen sprechen von "Gesundheitsnotstand"
Die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien, die größte queere Organisation in Österreich, fordert gemeinsam mit Partnerorganisationen seit vielen Jahren einen diskriminierungsfreien, barrierefreien und kassenfinanzierten Zugang zur Gesundheitsversorgung für trans, inter und nichtbinäre Menschen in Österreich. Laut dem LGBTIQ*-Forderungskatalog der HOSI Wien und ihren Kampagnen weist das aktuelle Gesundheitssystem erhebliche Mängel bei der Versorgung von trans Personen auf.
Erst im November 2025 hat die sozialdemokratische Organisation SoHo von einem "Gesundheitsnotstand in der Transgender-Medizin" gesprochen. Laut der SoHo-Resolution ist in Österreich der Zugang von trans, inter und nichtbinären Menschen zu medizinischer Versorgung, psychologischer Unterstützung und geschlechtsangleichenden Maßnahmen "durch strukturelle Hürden, lange Wartezeiten und einen Mangel an qualifizierten Fachkräften massiv eingeschränkt".
Zwar konnten aufgrund des Drucks von NGOs, Aktivist*innen und politischen Organisationen wie der SoHo punktuelle Verbesserungen in der medizinischen Versorgung erreicht werden, "allerdings sind diese Maßnahmen leider höchstens ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es ist dringend notwendig, dass diese massive Unterversorgungskrise strukturell anerkannt und umfassend bearbeitet wird, um jedem Menschen in Österreich – unabhängig von Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechtsmerkmalen – einen sicheren und selbstbestimmten Zugang zur notwendigen Gesundheitsversorgung zu garantieren", betont die SoHo.
Massiver Reformbedarf
Viele Studien, Erhebungen der Europäischen Menschenrechtsagentur, Berichte von Selbstvertretungsgruppen und -organisationen sowie eine Umfrage der SoHo zeigen den Reformbedarf auf. "Bereits simple Hausarztbesuche können für Betroffene aufgrund von mangelndem Fachwissen, Unsicherheiten der Mediziner*innen oder offener Diskriminierung durch das Gesundheitspersonal zur Tortur werden", heißt es im Bericht der SoHo. Spezifisch notwendige Behandlungen "werden oftmals sogar verweigert, in vielen Fällen führen die erlebten Diskriminierungen aber auch zum Abbruch von Behandlungen und damit zur Errichtung von Barrieren rund um das Gesundheitssystem".
Viele Ärzt*innen und Therapeut*innen verfügten zudem nur über unzureichendes Wissen über transspezifische Gesundheitsbedürfnisse. Häufig würden Patient*innen mit Unverständnis, Misgendering oder offener Ablehnung konfrontiert. "Diese Umstände und die langanhaltenden Wartezeiten sind nicht hinnehmbar", so die SoHo.















