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Förderprogramm "Demokratie leben!"
Prien: "Ich habe verstanden, dass wir für den Schutz queerer Gruppen etwas tun müssen"
Trotz anhaltender Kritik verteidigt Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) den Umbau des Förderprogramms "Demokratie leben!" – behauptet aber, verstanden zu haben, dass die LGBTI-Community besonderen Schutz braucht.

Karin Prien (CDU) ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Merz (Bild: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
- 30. August 2026, 08:19h 3 Min.
Trotz vielfältiger Kritik zeigt sich Familienministerin Karin Prien zufrieden mit ihrem Umbau des Förderprogramms "Demokratie leben!". "Wir haben sehr erfreuliche Beteiligungszahlen mit über 1.300 Interessenbekundungen", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem 4. September würden Jurys die Projekte begutachten und förderwürdige zur Antragstellung auffordern. "Dann sind wir sehr optimistisch, dass wir rechtzeitig zum 1. Januar die Förderbescheide versenden können", sagte Prien.
Das Bundesprogramm für Demokratie und Vielfalt läuft seit 2014 und hat in diesem Jahr ein Volumen von etwa 190 Millionen Euro. Prien hat das Programm neu ausgerichtet, nach eigenem Bekunden, um die Mitte der Gesellschaft stärker zu erreichen. Damit läuft die Förderung von rund 200 Projekten zum Jahresende aus, was bei vielen – auch queeren – Trägern Sorge und Kritik auslöste (queer.de berichtete).
"Dinge laufen, wie ich es mir vorgestellt habe"
"Was man jetzt schon sagen kann: Wir haben eine etwas breitere Bewerberlage, weil auch die Förderkriterien breiter und gleichzeitig die Ziele klarer sind", sagte die Ministerin. Es gebe großes Interesse an digitalen Projekten, ein Thema, das bisher bei Extremismusprävention und Demokratiebildung nicht hinreichend berücksichtigt gewesen sei.
"Insofern laufen die Dinge so, wie ich sie mir vorgestellt habe", sagte Prien. "Ich habe auch den Eindruck, dass die Kritik weniger geworden ist." Doch sagte sie auch, sie bedaure die Unruhe in der Szene.
Mehr tun zum Schutz queerer Gruppen
Auf die Frage, ob sich ihr Blick verändert habe, sagte die CDU-Politikerin: "Ich habe in vielen Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern in den ostdeutschen Bundesländern verstanden, dass viele zivilgesellschaftliche Strukturen hier weniger stark entwickelt sind und deshalb mehr Unterstützung brauchen." Das werde im Programm berücksichtigt, etwa über die Förderung der Partnerschaften für Demokratie im Osten.
"Ich habe auch verstanden, dass wir zum Beispiel für den Schutz queerer Gruppen etwas tun müssen, weil sie sich in ihrem Umfeld bedroht fühlen oder auch objektiv bedroht sind", fügte sie hinzu. "Solchen Anliegen tragen wir Rechnung, auch durch die Förderrichtlinien."
Sechs Millionen für Deradikalisierung
Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin hatte Prien angekündigt, das Programm nachzuschärfen und mehr Geld für Deradikalisierungsprogramme einzuplanen (queer.de berichtete). Das werde konkret, sagte sie jetzt. "Es sind statt fünf sogar sechs Millionen Euro", sagte Prien. "Im Moment stimmen wir uns mit dem Bundesinnenministerium ab. Es ist von entscheidender Bedeutung, durch Prävention zu verhindern, dass Menschen sich radikalisieren. Neben der Notwendigkeit natürlich, im Einzelfall repressiv schlicht zu verhindern, dass Straftaten begangen werden können."
Priens antiqueerer Kulturkampf
Karin Prien hatte seit ihrem Amtsantritt im Mai 2025 mehrfach ihre Distanz zu queeren Rechten betont. So sagte sie im März: "Gesellschaftliche Vielfalt ist grundsätzlich positiv – aber als staatliches Förderziel sehe ich das nicht" (queer.de berichtete). Zudem machte sie sich stark für eine Abwicklung des Aktionsplans Queer oder für ein Genderverbot und strich den Begriff "Queerpolitik" aus ihrem hauseigenen Queer-Referat.
Anfang dieses Jahres betonte sie bereits, dass Queerpolitik im Koalitionsvertrag von Union und SPD schlicht nicht vorkomme (queer.de berichtete). Zudem stauchte sie die in ihrem Haus angesiedelte Queerbeauftragte Sophie Koch (SPD) öffentlich zusammen, weil diese die transfeindliche Haltung von Personen wie J.K. Rowling, Alice Schwarzer und Donald Trump kritisiert hatte (queer.de berichtete). Im Juli wurde bekannt, dass das queere Jugendnetzwerk Lambda nach 36 Jahren keine Fördergelder mehr vom Bundesfamilienministerium bekommt. (mize/dpa)














