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Steglitz-Zehlendorf

Demo gegen Dragverbot in Berlin

Eine Berliner CDU-Stadträtin untersagt in ihrem Bezirk Drag-Lesungen – und erhält sogar Unterstützung von queeren Konservativen. Dagegen formiert sich jetzt Widerstand. Am Montagnachmittag ist eine Demo angesetzt.


Ginge es nach einer CDU-Kommunalpolitikerin, sollen Dragqueen-Lesungen pauschal verboten werden (Bild: Runder Tisch Queeres Steglitz-Zehlendorf)

Der Runde Tisch Queeres Steglitz-Zehlendorf wird am Montagnachmittag von 16 bis 18 Uhr auf dem Hermann-Ehlers-Platz eine Kundgebung gegen die "zensorischen Eingriffe" von Kulturstadträtin Malgorzata Sijbrandij abhalten. Hintergrund ist, dass die CDU-Kommunalpolitikerin zwei Drag-Lesungen absagen ließ, angeblich um Kinder zu schützen (queer.de berichtete).

"Wir wollen auf die Eingriffe aufmerksam machen, weil wir davon überzeugt sind, dass Bibliotheken Orte für alle im Bezirk sind und als solche geschützt werden müssen", teilten die Demo-Organisator*­innen mit. "Politiker*­innen dürfen sie nicht als Schauplatz für einen Kulturkampf nutzen – insbesondere nicht, indem sie Narrative von rechtsaußen propagieren." Weiter heißt es: "Nicht jeder Programmpunkt muss konservativen Traditionalisten gefallen."

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Sijbrandij: Dragqueens ziehen Kinder "in eine öffentliche Auseinandersetzung"

Sijbrandij hatte gegenüber der Berliner "Morgenpost" (Bezahlartikel) argumentiert, dass sich ihr Verbot "weder gegen queere Menschen noch gegen die Beschäftigung mit geschlechtlicher Vielfalt" richte. Sie halte es auch "ausdrücklich für wichtig, Kindern und Jugendlichen Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen zu vermitteln". Man müsse aber berücksichtigen, "ob eine absehbare Kontroverse die Veranstaltung selbst überlagert und die teilnehmenden Kinder unfreiwillig in eine öffentliche Auseinandersetzung hineinzieht". Der Runde Tisch Queeres Steglitz-Zehlendorf wirft der Politikerin hingegen vor, die Draglesung "als Schauplatz für einen Kulturkampf" zu nutzen.

Sijbrandij scheint dabei nicht nur Dragqueens als Problem für Kinder anzusehen, sondern alle queeren Menschen: So bemängelte sie etwa, dass in einer Pressemitteilung die von der Bibliothek eingeladene Autorin Magda Wystub unter anderem als lesbisch vorgestellt wurde. Die CDU-Politikerin verlangt seither, dass Pressemitteilungen vor Veröffentlichung erst über ihren Tisch gehen.

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Auch LSU-Chef für Dragverbot

Die Verbotsfantasien von Sijbrandij finden sogar Unterstützung bei den Schwulen und Lesben in der Union. So erklärte der Berliner LSU-Chef René Powilleit, dass das Verbot der Kommunalpolitikerin "die richtige Entscheidung" gewesen sei (queer.de berichtete).

Das Konzept der Dragqueen-Lesung, die "Drag Queen Story Hour", wurde erstmals 2015 in einer Bücherei San Francisco durchgeführt. Damit wollen Dragqueens bei Kindern dafür werben, Bücher zu lesen – außerdem soll ihnen schon früh gezeigt werden, dass die Gesellschaft vielfältig ist. Vorgelesen werden dabei stets altersgerechte Kinderbücher.

Dennoch werden die Lesungen problematisiert, in Deutschland seit Jahren insbesondere von der AfD. Die rechtsextreme Partei spricht dabei von "Dragqueen-Sumpf" oder "linker Propaganda" (queer.de berichtete). Der Hass entlud sich insbesondere 2023 bei einem Protest gegen eine Lesung in der Stadtbibliothek München-Bogenhausen, als etwa auch Teile der CSU ein Verbot von Draglesungen forderten (queer.de berichtete). Damals machte sogar der zuvor als queerfreundlich geltende damalige Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Stimmung gegen Dragqueens (queer.de berichtete). (cw)

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