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NRW-Landtagswahl 2027
Volles Risiko: Arndt Klocke wagt das Ströbele-Manöver
Zur NRW-Landtagswahl 2027 will es Arndt Klocke wissen: Der schwule Spitzenpolitiker möchte mit einem Direktmandat erneut ins Parlament einziehen und sich nicht über einen Listenplatz absichern.

Arndt Klocke ist seit 2010 Mitglied des Landtags von Düsseldorf (Bild: IMAGO / Sven Simon)
- 1. September 2026, 12:37h 3 Min.
Der NRW-Spitzenpolitiker Arndt Klocke setzt alles auf eine Karte: Der 55-jährige grüne Landtagsabgeordnete will für die Wahl im kommenden Jahr wie schon 2022 seinen Wahlkreis gewinnen, um ins Parlament einzuziehen – und verzichtet dabei auf eine Absicherung: Er werde sich nicht mehr auf einen Platz bei der Landesliste der Grünen bewerben, kündigte er im "Kölner-Stadtanzeiger" an. Sollte er seinen Wahlkreis dann nicht gewinnen, würde er nach 17 Jahren aus dem Landtag in Düsseldorf ausscheiden. Die Grünen werden ihre Liste für die Landtagswahl beim Landesparteitag Mitte November in Essen wählen. Die Landtagswahl soll dann am 25. April 2027 stattfinden.
"Ich setze darauf, dass ich meinen Wahlkreis wie 2022 direkt gewinnen kann", so der Grünenpolitiker. "Das ist zwar nicht ohne Risiko, aber ich sehe das als sportliche und politische Herausforderung."
Sein Vorbild ist dabei Grünen-Ikone Christian Ströbele (1939-2022). Dieser konnte 2002 erstmals für die Grünen ein Direktmandat auf Bundesebene erobern. 2013 entschied er sich bewusst dazu, ohne Listenabsicherung anzutreten, weil er durch eine Bewerbung auf der Landesliste keinen aussichtsreichen Listenplatz blockieren wolle. Ströbele konnte damals seinen Berliner Wahlkreis mit mehr als 18 Prozentpunkten Vorsprung gewinnen.
2022 erzielte Klocke das beste grüne Ergebnis in NRW
Der Schritt ist riskant, auch wenn Klocke bei den letzten Landtagswahlen das beste grüne Ergebnis in seinem Wahlkreis Köln III erzielen konnte. Der Wahlkreis umfasst den eher alternativ gestimmten Stadtbezirk Ehrenfeld sowie Teile des Stadtbezirks Lindenthal.
Klocke hatte 2022 den Wahlkreis mit 41,6 Prozent deutlich vor dem Sozialdemokraten Jochen Ott gewonnen (25,9 Prozent). Ott ist dieses Jahr Spitzenkandidat der NRW-SPD. Auf Platz landete mit 13,8 Prozent der Christdemokrat Nathanael Liminski, der langjährige Chef der Staatskanzlei unter den Ministerpräsidenten Armin Laschet und seinem Nachfolger Hendrik Wüst (beide CDU).
Auch wenn das Ergebnis vor vier Jahren sehr deutlich war: Klocke war zuvor bereits zwischen 2005 und 2017 vier Mal in dem Wahlkreis angetreten – und unterlag vier Mal dem Kandidaten bzw. der Kandidatin der SPD. Zwar sind die Grünen laut Umfragen derzeit etwas schwächer unterwegs als 2022 – allerdings schwächelt die eigentlich traditionell in Nordrhein-Westfalen starke SPD noch mehr. Derzeit kämpfen die Sozialdemokrat*innen mit Grünen und AfD um den zweiten Platz in der Parteienlandschaft, Platz eins scheint nach derzeitigem Stand sicher an die CDU zu gehen.
Klocke gehört zu den prominentesten grünen Landespolitikern in NRW, konnte jedoch 2022 nach der Bildung der schwarz-grünen Koalition nicht ins Kabinett einziehen (queer.de berichtete). Heute ist er Fachsprecher der Grünen-Fraktion für Bauen und Wohnen sowie mentale Gesundheit.
Zuvor war Klocke von 2006 bis 2010 Landeschef der Grünen und von 2017 bis 2020 Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion sowie langjähriger verkehrspolitischer Sprecher.
2024 heiratete Klocke seinen langjährigen Freund, den grünen Bundestagsabgeordneten Sven Lehmann (queer.de berichtete). Lehmann war von 2022 bis 2025 erster Queerbeauftragter der Bundesregierung. (dk)













