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Kinotipp

Manchmal braucht es einfach die ganz großen Gefühle!

Die schwule Romcom "A Nice Indian Boy" behandelt kulturelle Unterschiede und die Magie der großen Liebe – zuckersüß und garantiert mit Happy End. Eine gute Prise glitzerndes Bollywood gibt's sogar noch dazu.


"A Nice Indian Boy" erzählt die Geschichte des indisch-stämmigen Amerikaners Naveen (Karan Soni, r.), der mit Jay (Jonathan Groff) endlich den Mann fürs Leben findet (Bild: Cinemien)

Elefantenkopf, rundlicher Bauch, vier Arme: So wird die Gottheit Ganesha meistens dargestellt. Kaum eine hinduistische Gottheit ist außerhalb Indiens so bekannt. Ganesha ist auch Naveens Lieblingsgott. Er wird meist gefragt, wenn man Glück oder Erfolg braucht.

Beides braucht Naveen, zumindest wenn es um die Liebe geht. Der Arzt ist im Job erfolgreich, doch mit den Männern funktioniert es nicht. Gleichzeitig ist der Druck groß: Schon bei der Hochzeit seiner Schwester Arundhathi zwinkern ihm alle zu: Du bist der Nächste!

Ganesha erhört die Gebete

Ausgerechnet in einem Ganesha-Tempel lernt der Anfang 30-Jährige also den Mann kennen, der tatsächlich seine große Liebe werden könnte. Naveen betet, bemerkt jemanden hinter ihm. Er dreht sich um und erblickt Jay. Groß, blond, Zahnpastawerbungs-Lächeln. Kein Flirt, nur ein Blick. Aber was für einer.

Die Annäherung folgt ein paar Tage später: Der Fotograf Jay soll neue Fotos vom Krankenhauspersonal machen. Naveen ist dran – und Jay erkennt ihn wieder. Jetzt ist Zeit zum Flirten. Ganesha hat gewirkt: Die beiden verabreden sich für ein Date.

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Jay hat immerhin einen indischen Nachnamen


Poster zum Film: "A Nice Indian Boy" startet am 3. September 2026 in ausgewählten Kinos

Dabei kommt raus, was für Naveen ein Jackpot ist: Jay wurde von einer indischstämmigen Familie adoptiert – deshalb geht er auch in den Tempel. Er heißt Kurundkar mit Nachnamen, er versteht die Sprache Hindi, liebt den Bollywood-Klassiker "Dilwale Dulhania Le Jayenge".

Naveen ist das gar nicht so wichtig. Aber er weiß, dass es seinen Eltern eigentlich am liebsten wäre, wenn er einen Inder heiraten würde. So wie seine Schwester Arundhathi, deren Partner die Eltern ausgesucht haben – noch ein kultureller Unterschied, den der Film thematisiert. Jay erfüllt die Erwartungen zumindest so halb. Und trotzdem traut sich Naveen lange nicht, Jay seinen Eltern vorzustellen.

Die Gespräche, die man vor dem Spiegel übt

Die Romcom "A Nice Indian Boy" kennt die Regeln des Genres sehr genau. Dazu gehört nicht nur, dass Figuren klare Funktionen haben. Es gibt auch einige Szenen, die einfach vorkommen müssen: Streits, nach denen sich auf einmal alles klärt. Schwierige Gespräche, die man vor einem Spiegel einübt. Dramatische Ansprachen, bei denen Geheimnisse ans Licht kommen, die alles ändern.

Das ist ja auch der Reiz klassischer Erzählmuster und Stoffe: Man weiß schon so grob, was man bekommt – und freut sich genau darüber. Dennoch muss das Ganze gut gemacht sein, um wirklich Freude daran zu haben. Und das löst "A Nice Indian Boy" definitiv ein.

Die überdrehte Mutter, der teilnahmslose Vater

Der große Konflikt in dem Film ist nicht, dass Naveen schwul ist. Das hat er längst hinter sich. Nein, das Problem ist kultureller Natur. So kommt eine Culture-Clash-Komödie ins Rollen, die oft unterhaltsam ist, weil die kulturellen Unterschiede nicht als albern dargestellt werden.

Lustig sind vielmehr die Figuren selbst – allen voran Naveens Mutter Megha, gespielt von der bekannten US-indischen Stand-up-Komikerin Zarna Garg. Sie ist ein bisschen überdreht und sehr bestimmt. Ihr Mann Archit (Harish Patel) wirkt zunächst sehr unbeteiligt und so, als könnte er nicht viel Freude ausstrahlen. Doch das ändert sich.

"Wir sind beide schwul und indisch"

Der kanadische Regisseur Roshan Sethi, der sich selbst als "Gay Indian" bezeichnet und wie seine Hauptfigur ebenfalls als Arzt arbeitet, verarbeitet auch eigene Erlebnisse: Es sei für seine Familie schwer gewesen, sich ein erfülltes Leben für ihn vorzustellen, sagte er dem kanadischen Sender CBC. Er sei mit den großen Bollywood-Hochzeiten aufgewachsen, die er sich selbst immer gewünscht hat.

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Ob er schließlich selbst eine opulente indische Hochzeit feierte, ist nicht bekannt. Aber für die Hauptrolle Naveen arbeitete er wieder mit seinem eigenen Mann zusammen, Karan Soni. Das Drehbuch, das auf einem Theaterstück von Madhuri Shekar basiert, hat die beiden sofort angesprochen: "Ganz offensichtlich, denn wir sind beide schwul und indisch."

Manchmal braucht es zuckersüße Liebesschwüre

Schwule Romcoms gibt es mittlerweile einige: "Bros", "Fire Island" oder "Royal Blue". Gut so, denn nach wie vor erzählt das queere Kino häufig von unerfüllter Liebe, schwierigen Coming-outs oder traumatischer Ausgrenzung.

Dabei braucht es manchmal einfach die ganz großen Gefühle, die zuckersüßen Liebesschwüre, das Happy End, auf das man hinfiebert. Bei "A Nice Indian Boy" gibt's noch eine gute Prise glitzerndes Bollywood dazu – umso besser.

Infos zum Film

A Nice Indian Boy. Romantische Komödie. USA 2024. Regie: Roshan Sethi. Cast: Karan Soni, Jonathan Groff, Sunita Mani, Zarna Garg, Harish Patel, Peter S. Kim. Sas Goldberg. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: English (optional). FSK 12. Verleih: Cinemien. Kinostart: 3. September 2026
Galerie:
A Nice Indian Boy
12 Bilder
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