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Erstes Yiannopoulos-Interview in England

"Ex-schwuler" Rechtsextremist schämt sich nach Abschiebung für Trump-Unterstützung

Milo Yiannopoulos gibt sich in seinem ersten Interview nach seiner Abschiebung kleinlaut – und sieht die "Brutalität" durch die Abschiebungsbehörde plötzlich kritisch. Auch zu seiner sexuellen Orientierung äußert sich der 41-Jährige.


Milo Yiannopoulos, der früher Abschiebungen dufte fand, spricht über seine Todesangst in der Abschiebungshaft (Bild: Youtube)

Jahrelang fungierte der britische Rechtsaußen-Provokator und "Ex-Schwule" Milo Yiannopoulos als Galionsfigur der extremen Rechten und forderte Massendeportationen im Akkord. Nun traf es ihn selbst: Nach seiner Festnahme durch die US-Einwanderungsbehörde ICE und der Abschiebung nach Großbritannien zeigt sich der 41-Jährige in einem Interview plötzlich geläutert – und "beschämt" über seine Unterstützung für Donald Trump.

In einem aus London gesendeten und am Dienstag veröffentlichten YouTube-Interview mit dem britischen Moderator Piers Morgan beschrieb Yiannopoulos seine Erfahrung in US-Abschiebehaft als "demütigend", "körperlich erniedrigend" und "erschreckend". Er habe zum ersten Mal gespürt, was es heiße, wirkliche Todesangst zu haben. Die staatliche "Brutalität" in den USA sei derart institutionalisiert, dass jede verhaftete Person behandelt werde wie ein Schwerverbrecher: "Es tut sehr viel mehr weh, als es im Fernsehen aussieht."

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Widersprüchliche Angaben zum Aufenthaltsstatus

Yiannopoulos war am Freitag aus den USA abgeschoben worden (queer.de berichtete). Nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums war Yiannopoulos 2019 legal eingereist, habe jedoch sein Visum überzogen und damit gegen Einwanderungsgesetze verstoßen. Da er einem Termin vor dem Einwanderungsgericht im Juli ferngeblieben sei, sei ein rechtskräftiger Abschiebungsbefehl erlassen worden.

Yiannopoulos widersprach dieser Darstellung: Er sei mit einem US-Bürger verheiratet und habe sich im regulären zweijährigen Verlängerungsprozess einer Green Card befunden.

In dem Gespräch ging Yiannopoulos auch auf seine sexuelle Orientierung ein. Der Brite hatte einst als schwules Aushängeschild für den rechten Rand gegolten und trat etwa bei Veranstaltungen wie "Gays für Trump" auf (queer.de berichtete). Später fiel er in rechten Kreisen in Ungnade, weil er Pädophilie verharmlost hatte. Daher erklärte er 2021, dass er nun "Ex-Gay" sei, also von seiner Homosexualität "geheilt" (queer.de berichtete). Einen angeblich 125.000 Dollar teuren Verlobungsring habe anschließend ins Meer geschmissen, behauptete er damals (queer.de berichtete).

Yiannopoulos: "Ich mache die [schwulen] Sex-Sachen nicht mehr"

Im Interview bestätigte er nun aber, dass er weiter mit einem Mann verheiratet sei. Er schränkte jedoch ein: "Ich mache die Sex-Sachen nicht mehr." Weiter erklärte er, dass sein Ehemann weiterhin im gemeinsamen Haus in Los Angeles lebe, allerdings "am anderen Ende des Flurs".

Er nutzte seine angeblich überwundene Homosexualität auch, um frauenfeindliche Äußerungen zu rechtfertigen: "Fällt es mir schwer, Zuneigung für Frauen aufzubringen? Ja, manchmal. Wahrscheinlich hat das viel mit meiner Mutter zu tun, wahrscheinlich viel damit, dass ich einen großen Teil meines Lebens homosexuell war." Früher hatte Yiannopoulos Feminismus als "Krebsgeschwür" bezeichnet, sich wiederholt über das Aussehen von Frauen lustig gemacht und sexuelle Gewalt verharmlost.

Yiannopoulos verlangte noch letztes Jahr, "Abermillionen von Menschen" abzuschieben

Noch im vergangenen Jahr hatte Yiannopoulos in den sozialen Medien vehement Trumps radikalen Kurs gegen Einwanderung verteidigt. Unter anderem forderte er, "Millionen und Abermillionen von Menschen" abzuschieben, und verlangte ICE-Kontrollposten vor Supermärkten und Tankstellen, um Verdächtige direkt auszuweisen.

Im Gespräch mit Piers Morgan gab sich Yiannopoulos nach eigener Inhaftierung kleinlaut: Früher sei er wohl "etwas leichtfertig" mit den Traumata anderer umgegangen, nun wünsche er diese Erfahrung niemandem mehr. Seine Unterstützung für Trump bereue er heute zutiefst: "Hätte ich auch nur die geringste Ahnung gehabt, dass so etwas im Entferntesten möglich ist, hätte ich mich niemals für Trump engagiert. Ich schäme mich sehr dafür." (dk)

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