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Die tragische Geschichte der lesbischen Boxikone Christy Martin

Fast ihr ganzes Leben lang musste die Boxerin Christy Martin ihre Homosexualität verstecken – auch vor Familie und Ehemann. Das Biopic "That's Why The Lady Is A Champ" zeigt ihre Kämpfe im Ring wie mit ihrem manipulativen Umfeld.


Unter ihrem Trainer, Manager und späteren Ehemann Jim Martin (Ben Foster) steigt Christy (Sydney Sweeney) zur Knockout-Königin auf (Bild: Tobis)

"Das" und "was die Leute sagen": Was genau die Mutter so sprachlos macht, so entsetzt und erzürnt, bekommt sie nicht einmal über die Lippen. So schrecklich findet sie, dass ihre 21-jährige Tochter angeblich mit einer Frau zusammen ist. Sie wünsche sich doch nur ein glückliches und normales Leben für Christy (Sydney Sweeney). Deshalb sollte sie zum Priester gehen. Es ist 1989, in einem Kaff in West Virginia sind solche lesbenfeindlichen Tiraden wohl keine Ausnahme.

Christy denkt nicht daran. Die junge Frau weiß, was sie will. Aber sie ist auch abhängig vom Geld ihrer Eltern. Aber es tut sich eine Chance auf: Neulich hat sie ihren ersten Boxkampf gewonnen, bei dem sie einfach so aus Spaß antrat. Jetzt soll sie wieder in den Ring steigen, 300 Dollar könnte sie verdienen.

Sie will an die Spitze

Das Biopic "That's Why The Lady Is A Champ" (der Originaltitel lautet schlicht "Christie") braucht nicht lange, um seine Hauptfigur Christy zur professionellen Boxerin werden zu lassen. Sie soll dem Trainer Jim (Ben Foster) vorgestellt werden, doch der hat überhaupt keine Lust auf eine Frau in seinem Boxclub. Ende der 1980er Jahre ist Frauenboxen noch unbekannt. Doch Christy wird das ändern. Sie weiß, dass Jim nichts von ihr hält. Für sie ist er ein Arschloch. Sie wird Recht behalten, doch gerade ist er ihre Chance, Karriere zu machen.

Und auch Jim wird schnell klar, dass er ein Talent vor sich hat. Sie entschuldigt sich sogar bei ihrem Sparringspartner, als sie ihn umlegt. Es wird eine ganze Weile dauern, bis sie es fassen kann, wenn sie einen Kampf gewinnt. Doch Christy merkt, dass Boxen genau ihr Ding ist. Sie trainiert hart, weil sie an die Spitze will. Sie will, dass Frauenboxen ernst genommen wird.

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Ein Heiratsantrag gegen das Lesbischsein


Poster zum Film: "That's Why The Lady Is A Champ" startet am 3. September 2026 bundesweit im Kino

Vielleicht ist eine Boxkarriere das, was dem Amerikanischen Traum in seinem Wesen am nächsten kommt: Ganz und gar aus eigener Kraft ist es möglich, bis nach oben zu kommen. Dafür muss man viel austeilen, aber auch einstecken können.

Christy lernt schnell, wie Austeilen geht: Zu ihren Rivalinnen ist sie aufmüpfig und frech. Sie hat eine große Klappe – und einen starken Schlag dahinter. Einstecken muss sie vor allem im Privatleben: Ihr Trainer Jim, 25 Jahre älter als sie, ahnt, dass hinter dem Treffen mit einer Frau mehr steckt als nur ein gemeinsamer Kaffee. Also macht er ihr einen Heiratsantrag – und Christy nimmt ihn an.

Christy kämpft und gewinnt

Ihr Ehemann macht ihr klar: Sie darf keine Frauen treffen. Und muss ihre Haare wachsen lassen. Eine Butch wolle niemand im Ring sehen. Sie wird zur Hausfrau am Tag und zur Boxikone bei Nacht, die Titelblätter ziert. Jim kontrolliert ihr Privatleben immer mehr – und zwingt Christy, ihre sexuelle Orientierung zu unterdrücken. Themen wie lesbische Sichtbarkeit, Closeting und die männliche Kontrolle klingen hier aber nur an.

Denn "That's Why The Lady Is A Champ" konzentriert sich in seinen ersten eineinhalb Stunden fast ausschließlich auf Christys Boxkarriere: Sie kämpft, sie gewinnt, sie kämpft in größeren Hallen, sie kommt schließlich unter Vertrag beim bekannten Promoter Don King. Sie wird immer selbstbewusster, doch von ihrem Innenleben erzählt der Film kaum etwas.

Aus dem Sportfilm wird ein heftiges Beziehungsdrama

Stattdessen setzt Regisseur David Michôd ganz auf spannungsgeladene Boxszenen. Wer Sportfilme mag, kann das wahrscheinlich wertschätzen, ansonsten nutzen sich diese Bilder doch relativ schnell ab. Das liegt auch daran, dass das Biopic absolut konventionell erzählt. Über weite Strecken fehlt dem Film die Kraft, über die Christy verfügt. Sie schwitzt, sie blutet, sie kämpft – aber das überträgt sich zu wenig auf die Art, wie die Geschichte erzählt wird.

Nach mehreren Zeitsprüngen von insgesamt über 20 Jahren – nach denen Hauptdarstellerin Sydney Sweeney irritierenderweise kaum verändert aussieht – wechselt das Genre plötzlich: Aus dem Sportfilm wird ein heftiges Beziehungsdrama mit Thriller-Elementen. Plötzlich entlädt sich all das, was sich in der manipulativen Ehe zwischen Jim und Christy aufgestaut hat.

Der Film wird der echten Geschichte nicht gerecht

"That's Why The Lady Is A Champ" basiert auf dem echten Leben von Christy Martin, dennoch soll nicht die ganze Geschichte verraten werden. Nur so viel: Mit ihrer Intuition, dass Jim ein Arschloch ist, soll sie Recht behalten. Er wird brutal, ein wirklich schauderhafter Anblick. Und ein furchtbares Beispiel dafür, wie schwierig der Ausweg aus häuslicher Gewalt sein kann. Auch ihre Mutter bleibt ein homophobes Ungeheuer, das man als Publikum nur hassen kann.

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So bemerkenswert die Geschichte der lesbischen Boxikone Christy Martin, die das Frauenboxen populär gemacht hat, auch ist: Der Film wird dem nicht gerecht. Die 135 Minuten Laufzeit verlaufen immer wieder zäh, und auch das emotionale und aufwühlende letzte Drittel wirkt ungelenk angehängt.

Ein Flop im Kino

In den USA floppte "That's Why The Lady Is A Champ" an den Kinokassen. Christy Martin verteidigte daraufhin Hauptdarstellerin Sydney Sweeney auf Instagram: "Syd hat sich nicht nur für diesen Film den Arsch aufgerissen – sondern auch für mich. Für meine Geschichte. Für so viele andere, die im Stillen leiden."

Die Performance von Sydney Sweeney – bekannt aus "Euphoria" oder "White Lotus" – ist sicher nicht für den Misserfolg verantwortlich. Der Film hat klare dramaturgische Schwächen, das ist offensichtlich. Er hätte radikaler erzählen müssen. Aber vielleicht trifft ein Biopic über eine lesbische Boxerin, die sich aus einer toxisch-brutalen Beziehung mit einem Mann befreite, auch einfach nicht mehr den Zeitgeist.

Infos zum Film

That's Why The Lady Is A Champ. Biopic. USA 2026. Regie: David Michôd. Cast: Sydney Sweeney, Ben Foster, Merritt Wever, Katy O'Brian, Ethan Embry, Jess Gabor. Laufzeit: 135 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: Tobis. Kinostart: 3. September 2026
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