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Sie wurde 92 Jahre alt
Feminismus-Ikone Gloria Steinem ist tot
Sie kämpfte Jahrzehnte für Gleichberechtigung: Jetzt ist Gloria Steinem gestorben. Die Aktivistin prägte die moderne Frauenbewegung wie kaum eine andere. Anders als andere Feministinnen wie Alice Schwarzer setzte sie zuletzt nicht mehr auf Queerfeindlichkeit.

Gloria Steinem kämpfte jahrzehntelang für Frauen – und auch für queere Menschen (Bild: Gage Skidmore / flickr)
- 3. September 2026, 13:26h 4 Min.
Gloria Steinem ist tot. Die amerikanische Journalistin, Autorin und Aktivistin, die zu den bekanntesten Gesichtern der modernen Frauenbewegung gehörte, starb am Mittwoch in ihrem Zuhause in New York. Das teilte ihr Umfeld über ihren offiziellen Instagram-Account mit. Steinem sei friedlich und im Kreise geliebter Menschen eingeschlafen. Eine Todesursache wurde zunächst nicht genannt.
"Gloria" habe fast ein Jahrhundert gelebt und sich bis zuletzt für Gleichberechtigung eingesetzt, heißt es in der Mitteilung. Besonders hervorgehoben wird darin ihre Fähigkeit, anderen zuzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, gesehen und gehört zu werden.
Journalistin und Ikone der Frauenbewegung
Steinem wurde am 25. März 1934 in Toledo im US-Bundesstaat Ohio geboren. Nach ihrem Studium am Smith College arbeitete sie zunächst als Journalistin. Schon früh konzentrierte sie sich auf Themen, die das Leben von Frauen und gesellschaftliche Ungleichheiten betrafen.
Einen ihrer bekanntesten journalistischen Einsätze absolvierte sie 1963. Für ein zweiteiliges Exposé arbeitete Steinem elf Tage lang undercover als "Playboy Bunny" im Playboy Club in New York. Ihr Bericht machte öffentlich, unter welchen Bedingungen die sogenannten Bunnys arbeiteten, und sorgte für große Aufmerksamkeit.
Steinem entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der prominentesten Stimmen der amerikanischen Frauenbewegung. Sie schrieb Bücher und zahlreiche Artikel, hielt Vorträge und setzte sich unter anderem für reproduktive Rechte, den Kampf gegen häusliche Gewalt und sexuelle Gewalt sowie für queere Rechte ein. Auch gegen weibliche Genitalverstümmelung und die Ausbeutung von Frauen wandte sie sich.
Steinem lernte bei trans Menschen dazu
Gloria Steinems Haltung zur queeren Bewegung zeichnet sich durch frühe Unterstützung für Lesben und Schwule aus, während ihre Position zu Trans-Rechten eine bemerkenswerte Entwicklung von anfänglicher Skepsis in den 1970er-Jahren hin zu ausdrücklicher Solidarität und Selbstkritik durchlief. Im Feminismus dieser Zeit war das Verhältnis zur Homosexualität stark umstritten. Prominente Stimmen wie Betty Friedan fürchteten damals, dass lesbische Aktivistinnen ("Lavender Menace") die Bewegung diskreditieren und bürgerliche Unterstützung kosten würden. Steinem plädierte aber schon früh dafür, den Kampf für Frauenrechte und die Rechte Homosexueller als denselben Kampf gegen patriarchale Rollenbilder zu verstehen
Schwieriger tat sie sich zunächst mit trans Menschen: 1977 verfasste Steinem einen vieldiskutierten Essay sprach Steinem trans Menschen ihre Existenz ab. körperliche Angleichungen seien demnach oft der Versuch, sich chirurgisch in rigide, gesellschaftlich vorgegebene Geschlechterrollen einzufügen, anstatt diese Rollen abzuschaffen.
Später bedauerte sie diese transfeindliche Haltung: 2013 entschuldigte sie sich im queeren Magazin "The Advocate" für diese Haltung und erklärte: "Trans Menschen, einschließlich jener, die transitioniert sind, leben echte, authentische Leben. Diese Leben sollten gefeiert und nicht hinterfragt werden." Viele andere Feministinnen, etwa die deutsche Ikone Alice Schwarzer, halten jedoch weiterhin an ihrer pauschalen Ablehnung von trans Menschen fest (queer.de berichtete).
Mitbegründerin des Magazins "Ms."
Gemeinsam mit anderen Feministinnen war Steinem Anfang der 1970er Jahre an der Gründung des Magazins "Ms." beteiligt. Die Publikation wurde zu einem wichtigen Sprachrohr der Frauenbewegung und behandelte Themen, die in etablierten Medien zu dieser Zeit häufig kaum vorkamen.
Darüber hinaus gründete Steinem gemeinsam mit anderen Aktivistinnen den National Women's Political Caucus, der sich für eine stärkere politische Beteiligung von Frauen einsetzte.
Ihr Aktivismus beschränkte sich allerdings nicht auf Frauenrechte. Steinem engagierte sich unter anderem gegen den Vietnam- und den Golfkrieg und unterstützte später Bewegungen wie Black Lives Matter sowie die Time's-Up-Initiative.
Auch im hohen Alter aktiv
Steinem blieb ihrem Aktivismus bis ins hohe Alter treu. Auch mit über 90 Jahren äußerte sie sich weiterhin zu politischen und gesellschaftlichen Fragen. Zuletzt arbeitete sie an einem neuen Memoirenband mit dem Titel "An Unexpected Life". Das Buch soll nach ihrem Tod am 22. September erscheinen.
2021 wurde Steinem mit dem Prinzessin-von-Asturien-Preis für Kommunikation und Geisteswissenschaften ausgezeichnet. Die Jury würdigte damit ihre jahrzehntelange Arbeit als Journalistin, Schriftstellerin und Aktivistin. (spot/cw)














