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Neue Zahlen
Queerfeindliche Hasskriminalität: Städtevergleich zeigt große regionale Unterschiede
Eine Datenanalyse ergibt widersprüchliche Entwicklungen in Deutschland bei queerfeindlicher Hasskriminalität.

Insgesamt meldete das BKA einen Anstieg der queerfeindlichen Hasskriminalität um 13 Prozent (Bild: maxfleischmann / unsplash)
- 4. September 2026, 13:30h 3 Min.
Während deutschlandweit die registrierten queerfeindlichen Straftaten weiter zulegen, zeichnet ein neuer Städtevergleich ein uneinheitliches regionales Bild: Während in Bremen die erfassten Zahlen drastisch nach oben schnellen, melden Städte wie Nürnberg oder Berlin leichte Rückgänge. Das geht aus einer Datenrecherche der Erotik-Plattform Erobella hervor, für die Polizeidienststellen deutscher Großstädte direkt zu den Jahren 2024 und 2025 befragt wurden.
Im Mai hatte das BKA die offiziellen bundesweiten Zahlen für queerfeindliche Übergriffe veröffentlicht: Demnach hatte es 2025 insgesamt 2.377 gegen queere Menschen gerichtete Fälle von Hasskriminalität gegeben – 13 Prozent mehr als im Vorjahr (queer.de berichtete). Erfasst wurden dabei die Delikte im Rahmen der sogenannten "Politisch motivierten Kriminalität" (PMK Hasskriminalität) in den Unterkategorien "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene Diversität". Das Spektrum reicht von Beleidigung, Bedrohung und Sachbeschädigung über Volksverhetzung bis hin zu schweren Körperverletzungen.
Da es keine zentrale Bundesdatenbank gibt, die Zahlen standardisiert und öffentlich nach Kommunen aufschlüsselt, basiert die Erobella-Auswertung auf Direktantworten der örtlichen Polizeipressestellen. Von den bisher ausgewerteten sieben Städten meldeten vier einen Anstieg und drei einen Rückgang. Berlin meldete etwa einen Rückgang von sechs Prozent – verzeichnete aber trotzdem mehr als drei Mal so viele Fälle wie in Hamburg und fast sechs Mal so viele Fälle wie in Köln. Die Hanse- und die Domstadt verzeichneten dennoch jeweils Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich.

(Bild: Erobella)
Städte zählen unterschiedlich
Die Zahlen müssen mit Vorsicht genossen werden, da es keine bundesweit einheitliche Zählweise gibt. So erfassen nicht alle Kommunen queerfeindliche Motive gesondert. Städte wie Stuttgart und Dortmund gaben auf Anfrage an, entsprechende Daten nicht separat auszuweisen oder herauszugeben. Die Landespolizei in der Bundeshauptstadt Berlin macht hingegen seit Jahren mögliche Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt publik.
Ob rückläufige Zahlen in einzelnen Städten auf eine reale Entspannung der Sicherheitslage hindeuten oder vielmehr auf ein verändertes Anzeigeverhalten und sinkendes Vertrauen in Behörden zurückgehen, lässt sich aus der Kriminalstatistik allein nicht ableiten. Community-Monitoringstellen weisen regelmäßig darauf hin, dass ein Großteil verbaler und körperlicher Übergriffe mangels Vertrauens in Ermittlungserfolge gar nicht erst gemeldet wird. So würden geschätzt neun von zehn Fälle queerfeindlicher Hasskriminalität gar nicht angezeigt.
Die Mehrheit der Betroffenen gibt in Befragungen an zu glauben, dass eine Anzeige "ohnehin nichts bringt" oder das Verfahren mangels identifizierbarer Tatpersonen rasch eingestellt wird. Zudem befürchten viele queere Menschen in Polizeidienststellen Vorurteile, Bagatellisierung, Misgendern oder Diskriminierung durch die Beamt*innen. Immerhin hatte die Polizei Schwule bis 1994 nach dem Paragrafen 175 wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt.
Schwarz-Rot zeigt weniger Interesse an queerfeindlicher Hasskriminalität als Ampel zuvor
Eigentlich sah der von der Ampel-Koalition eingeführt Aktionsplan "Queer leben" vor, die Statistik einheitlicher zu gestalten, um alle Fälle zu erfassen. Teile der neuen Bundesregierung wollen diesen Weg aber nicht weiterverfolgen: So erklärte Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) im Januar, dass queere Rechte im Koalitionsvertrag nicht vereinbart worden seien und der Aktionsplan daher nicht fortgeführt werde (queer.de berichtete). Dem widersprach aber die SPD-Queerbeauftragte Sophie Koch (queer.de berichtete). (pm/dk)














