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Kinotipp

Zwei schwule Geflüchtete, die für ihre Liebe alles riskieren

In "We'll find Happiness" erzählt die kanadische Regisseurin Léa Pool vom beschwerlichen Weg zweier queerer Flüchtlinge aus dem Iran und Marokko – und davon, wie das Streben nach Glück zur moralischen Zerreißprobe wird.


Szene aus "We'll find Happiness" (Bild: Cinemien)

Blicke treffen sich auf der Tanzfläche. Neugierige Augenpaare bleiben einen Hauch zu lange an ihrem Gegenüber haften. Der Iraner Reza (Aron Archer) hat gerade geheiratet, doch seine Augen sind nicht etwa auf seine junge Frau, sondern auf deren Bruder gerichtet. Schon in der Hochzeitsnacht stiehlt er sich ins Bett des anderen Mannes.

Doch das Glück währt kurz. Eine Nachbarin hat die beiden Männer beobachtet und ruft die Sittenpolizei auf den Plan. Währen Reza in letzter Minute die Flucht gelingt, wird sein Geliebter an Ort und Stelle erschossen. Als Reza in der Morgendämmerung untertaucht, lassen sich unweit von ihm zwei erhängte Männer an einem Baukran ausmachen. Glück bleibt Männern wie Reza im Iran verwehrt. Homosexuellen droht nicht selten die Todesstrafe.

Regisseurin Léa Pool wählt einen drastischen Einstieg für ihr Flüchtlingsdrama und macht die prekäre und ausweglose Situation vieler Migrant*innen gleich zu Beginn spürbar.

Auf der Suche nach dem Glück


Poster zum Film: "We'll find Happiness" startet am 10. September 2026 im Kino

Nach einem Schnitt befinden wir uns in Montreal und lernen Saad (Mehdi Meskar) kennen. Einen jungen Marokkaner, der seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer bestreitet. Eines Tages chauffiert er Laurent (Alexandre Landry), den Pressesprecher der Ministerin für Migration, und verdreht ihm schnell den Kopf.

Saad und der anfangs noch recht schüchterne Laurent gehen eine Beziehung ein. Schnell wird jedoch klar, dass der Marokkaner damit ein Ziel verfolgt. Er will seiner großen Liebe Reza zu einer Aufenthaltsgenehmigung verhelfen. Beide haben sich auf der Flucht kennen und lieben gelernt, doch Reza soll wieder in den Iran abgeschoben werden, wo ihm der sichere Tod droht.

Kein Platz für Moral

"We'll find Happiness" ist nicht nur der Titel des Films, sondern auch das Mantra der beiden Flüchtlinge. Kurz scheint es so, als hätten sie in Kanada tatsächlich ihr Glück gefunden, doch die Realität holt die beiden Männer rasch wieder ein. Zu den eindringlichsten Szenen des Films gehört die peinliche Befragung der kanadischen Asylkommission, während der Reza intimste Details über sein Sexualleben und seine Gefühlswelt offenlegen soll. Ein Moment, der über Leben und Tod entscheidet und von bürokratischer Kälte erzählt.

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Immer wieder werden Szenen in den Film eingestreut, die Saads und Rezas gemeinsame Flucht nachzeichnen. Auch diese Szenen sind besonders intensiv und machen auf diese Weise Saads verzweifelten Versuch, seinen Liebhaber zu retten, tatsächlich nachvollziehbar. Wenn es um Leben und Tod geht, bleibt für Moral kein Platz. Dabei lässt Regisseurin Léa Pool offen, ob die Gefühle, die Saad für Laurent hegt, tatsächlich nur gespielt sind. Und ob dessen Liebe für Reza nicht vielleicht längst schon reinem Verantwortungsgefühl gewichen ist. Das Gefühlsleben aller Figuren bleibt ambivalent, was ungemein zur Authentizität des Films beiträgt.

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Starkes Drehbuch, starke Schauspieler

Neben dem starken Drehbuch des kanadischen Dramatikers Michel Marc Bouchard, der ebenso wie Regisseurin Léa Pool bereits in der Vergangenheit mehrere denkwürdige queere Geschichten erzählt hat, ist es vor allem den drei Hauptdarstellern zu verdanken, dass der Film so glaubhaft und die Dreieckskonstellation so vielschichtig geworden ist. Besonders Aron Archer verleiht der Figur Reza eine besondere Tiefe und zeigt dessen Zerrissenheit zwischen dem legitimen Wunsch nach persönlichem Glück und dem schlechten Gewissen, Schande über seine Familie gebracht und seine Ehefrau im Iran belogen zu haben.

Das politische Drama "We'll find Happiness" startet genau zur richtigen Zeit und wurde in diesem Jahr unter anderem mit dem Publikumspreis des Sofia Pride Film Festivals und sowie dem Publikums- und Jurypreis des Miami OUTShine LGBTQ+ Film Festivals ausgezeichnet.

Infos zum Film

We'll find Happiness. Drama. Kanada, Luxemburg 2026. Regie: Léa Pool. Cast: Alexandre Landry, Aron Archer, Mehdi Meskar. Laufzeit: 116 Minuten. FSK 16. Verleih: Cinemien. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Kinostart: 10. September 2026
Galerie:
We'll Find Happiness
12 Bilder
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