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Verstoß gegen Datenschutz

HIV-Daten weitergegeben: Grindr muss 30 Millionen Euro zahlen

Grindr hatte Daten von Nutzer*innen weitergegeben, darunter auch den HIV-Status. Dafür muss das US-Unternehmen nun tausende Menschen in Großbritannien entschädigen.


Grindr ist lange Zeit sehr unvorsichtig mit den Daten seiner Nutzer*­innen umgegangen (Bild: IMAGO / Rüdiger Wölk)

Die weltgrößte queere Dating-App Grindr hat sich in Großbritannien auf einen millionenschweren Vergleich geeinigt: Das Unternehmen zahlt 26 Millionen Pfund (rund 30,5 Millionen Euro), um eine Sammelklage von tausenden Nutzer*innen beizulegen.

Der Vorwurf wog schwer: Die Plattform soll jahrelang hochsensible Profildaten – darunter den angegebenen HIV-Status, das Datum des letzten Tests, die ethnische Zugehörigkeit und die sexuelle Orientierung – unerlaubt zu kommerziellen Zwecken an Drittanbieter weitergegeben haben.

Grindr zahlt die Summe in zwei Tranchen von jeweils 13 Millionen Pfund bis Ende Dezember und Ende März 2027. Ein Schuldeingeständnis ist laut den bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen nicht damit verbunden.

Rund 12.000 Personen schlossen sich der Sammelklage an

Die Klage war von der britischen Kanzlei Austen Hays im April 2024 eingereicht worden – beim Londoner Gericht High Court, das besonders schwerwiegende Zivilklagen sowie Fälle mit hohen Streitwerten in den Landesteilen England und Wales bearbeitet. Der Sammelklage hatten sich zwischen 11.000 und 12.000 Grindr-Nutzende angeschlossen, die zwischen 2016 und 2020 die kostenlose Version der App genutzt hatten. Ihnen stünde nun bei einer gleichmäßigen Auszahlung jeweils mehr als 2.500 Euro zu.

Die Argumentation: Grindr habe mit seinem Vorgehen britische Datenschutzgesetze verletzt, indem Nutzerdaten an Analyse- und Werbedienstleister wie Apptimize und Localytics flossen, um zielgerichtete Werbung zu schalten. "Grindr-Nutzer sind möglicherweise davon ausgegangen, dass die an die App übermittelten Informationen nur für andere Nutzer der App zugänglich waren", erklärt Austen Hays auf ihrer Website.

Grindr hatte die freiwillige Angabe des HIV-Status und des letzten Testdatums einst mit dem Ziel eingeführt, Stigmatisierung abzubauen, offene Kommunikation zu fördern und informierte Entscheidungen beim Safer Sex zu erleichtern. Dass genau diese Daten – potenziell verknüpft mit IP-Adressen und GPS-Standorten – an Werbenetzwerke gelangten, löste erhebliche Verunsicherung aus. Chaya Hanoomanjee, die leitende Anwältin des Verfahrens, betonte, dass viele Betroffene unter massiver psychischer Belastung gelitten hätten. Das Unternehmen stehe in der Pflicht gegenüber der Community, für diesen Vertrauensmissbrauch einzustehen.

Dabei handelt es sich nicht um die erste Zahlung von Grindr aufgrund laxen Datenschutzes: Vor zwei Jahren bestätigte ein norwegisches Gericht bereits eine Geldbuße in Höhe von rund sechs Millionen Euro gegen die Dating-App (queer.de berichtete).

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Grindrs Reaktion: "Historische Praktiken"

Grindr weist eine rechtliche Haftung weiterhin zurück, räumte in einer Börsenmitteilung jedoch ein, dass man die Belastung und den Vertrauensverlust der betroffenen Nutzenden in Großbritannien anerkenne.

Das Unternehmen betont, dass sich die Vorwürfe auf Praktiken vor 2020 beziehen – jene Zeit, in der das Netzwerk noch der chinesischen Tech-Firma Beijing Kunlun gehörte. Seit einer amerikanischen Übernahme und dem anschließenden Börsengang im Jahr 2022 habe man die Datenschutzrichtlinien und Sicherheitsstandards grundlegend überarbeitet, um die Plattform wieder zu einem verlässlichen Safe Space für queere Menschen zu machen. (dk)

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