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  • 13. Februar 2004, noch kein Kommentar

In San Francisco sind überraschend die ersten Ehen zwischen schwulen und lesbischen Paaren geschlossen worden - aber sind sie gültig?

Von Norbert Blech

San Francisco In der kalifornischen Homo-Metrople San Francisco sind am Donnerstag überraschend die ersten Ehen zwischen schwulen und lesbischen Paaren geschlossen worden. Den 87 Paaren sowie einigen bereits registrierten Paaren wurden erstmals in Amerika Ehezertifikate ausgestellt. San Franciscos neu gewählter Bürgermeister Gavin Newsom hatte erst Mitte der Woche angekündigt, die Zertifikate auszustellen - trotz eines Gesetzes in Kalifornien, das nach einem Bürgerentscheid die Ehe als Partnerschaft zwischen Mann und Frau definiert. Konservative Gruppen haben für Freitag bereits gerichtliche Schritte angekündigt. Ein Richter soll eine einstweilige Verfügung gegen die Gültigkeit der Zertifikate erlassen - die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Als erstes gleichgeschlechtliches Paar in San Francisco gaben sich Del Martin (83) und Phyllis Lyon (79) das Jawort (Bild rechts). Die Frauen sind seit über 50 Jahren zusammen. Statt zu "Mann und Frau" erklärte die Standesbeamtin die Heiratswilligen zu "Ehepartner fürs Leben", in den Heiratspapieren wurden die Worte "Braut" und "Bräutigam" durch "Antragsteller" ersetzt. Nach Angaben der Stadtverwaltung gelten für die Homo-Ehen die gleichen Rechte und Verpflichtungen wie für herkömmliche Paare - allerdings wohl nur auf regionaler Ebene. Bundesweite Rechte und Pflichten, die beispielsweise das Steuerrecht betreffen, galten bisher nur für Paare, die ein Ehezertifikat vorweisen konnten. Schwulen und lesbischen Paaren wurden bisher keine ausgestellt.

Ob die Behörden nun die ersten Zertifikate von lesbischen und schwulen Paaren akzeptieren werden, ist jedoch fraglich. Es ist zudem damit zu rechnen, dass die Republikaner jetzt erst recht eine Verfassungsänderung anstreben, die bundesweit die Definition vorschreibt, wonach nur gemischtgeschlechtliche Paare eine solche Ehe eingehen können. Kleiner Lichtblick: Im US-Bundesstaat Massachusetts, in dem nach dem Urteil des Verfassungsgerichts in wenigen Wochen ebenfalls Ehezertifikate an Homo-Paare ausgestellt werden müssen, haben sich - auch am Donnerstag - die Juristen und Parlamentarier nach einem zweitägigen Beratungsmarathon nicht auf eine entsprechende Verfassungsänderung einigen können. Im März wird weiter diskutiert, vermutlich erneut unter Protesten vor der eigenen Tür wie in den letzten beiden Tagen (Bild links).

In San Francisco haben die Behörden die Frisch-Verheirateten bereits darauf aufmerksam gemacht, dass ihnen wohl ein langer Kampf vor den Gerichten bevorsteht. Sie erhielten auf lokaler Ebene zwar alle Rechten und Pflichten, die auch für Eheleute in San Francisco gelten, aber würden wohl auch nur in der Stadt als Eheleute anerkannt. Vertreter des Staates hielten sich am Donnerstag mit Äußerungen zurück, auch Gouverneur Arnold Schwarzenegger schwieg vor der Presse über sein weiteres Vorgehen.
13. Februar 2004, 11.50 Uhr