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Kahlschlag mit Ansage
Studie: LGBTI-Organisationen aus ärmeren Ländern durch US-Kürzungen in Existenznot
Der Stopp von US-Hilfsgeldern unter Donald Trump trifft die globale queere Zivilgesellschaft mit voller Wucht: Laut einer Studie haben fast 90 Prozent der befragten Gruppen weltweit dramatische finanzielle Einbußen erlitten.

"America First": Donald Trump, hier am Mittwoch beim republikanischen Parteitag in Dallas, beendete die Förderung ausländischer queerer Hilfsorganisationen (Bild: IMAGO / UPI Photo)
- 11. September 2026, 13:34h 3 Min.
Unter dem Titel "Breaking Point" (zu Deutsch: Belastungsgrenze) hat die queere Menschenrechtsorganisation Outright International die bislang umfassendste Bestandsaufnahme zu den Auswirkungen der amerikanischen Fördermittelkürzungen vorgelegt. Seit dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2025 hat Washington 15 Jahre kontinuierlicher Unterstützung für internationale queere Communitys abrupt beendet. Die Untersuchung, für die 229 Organisationen in 94 Ländern befragt sowie vertiefende Interviews geführt wurden, belegt: 203 der befragten Gruppen (rund 89 Prozent) verloren im Zuge dieser Kehrtwende existenzsichernde Fördergelder. Die Kürzungen treffen queere Organisationen in autoritären Staaten oder Ländern des Globalen Südens.
Die Kürzungen sind sehr schmerzhaft: 49 Prozent der betroffenen Organisationen haben mehr als die Hälfte ihres gesamten Etats verloren. Drei Viertel büßten mindestens ein Viertel ihrer Mittel ein.
Laut der Studie arbeiten 73 Prozent der betroffenen Initiativen mit Jahresbudgets von unter 250.000 US-Dollar. Sie verfügten über keinerlei Reserven, um derartige Einbrüche abzufedern.
Besonders fatal: Der finanzielle Rückzug schlägt dort am härtesten ein, wo staatliche Diskriminierung und Gewalt gegen queere Menschen ohnehin an der Tagesordnung sind. In queerfeindlichen oder sehr armen Staaten gibt es weder staatliche Unterstützung noch eine Gesellschaft, die diese Spenden ausgleichen kann. Die Gruppen waren also auf internationale Hilfe angewiesen.
Weniger Hilfe für HIV-Positive und Opfer von Gewalt
Die Konsequenzen für Hilfesuchende sind drastisch: Die Hälfte der betroffenen Organisationen musste Gesundheitsangebote und psychosoziale Betreuung zusammenstreichen. 45 Prozent reduzierten oder beendeten HIV-Präventions- und Behandlungsprogramme.
Auch die Notfallhilfe oder die Schaffung von Schutzräumen ist vielerorts nicht mehr möglich: 63 Prozent können bei akuten Gewalttaten, willkürlichen Verhaftungen oder Notlagen nicht mehr eingreifen. In Kriegs- und Krisengebieten liegt dieser Wert sogar bei 73 Prozent. Nach Angaben der Organisationen tragen trans und nichtbinäre Menschen (71 Prozent) sowie lesbische, bisexuelle und queere Frauen (61 Prozent) die schwersten Folgen der Leistungskürzungen.
Jede dritte Organisation vor dem Aus
Die Prognosen für das kommende Jahr sind alarmierend: Lediglich drei Prozent der befragten Initiativen schätzen ihre aktuelle Lage noch als stabil ein. 40 Prozent stufen sich selbst als schwer oder unmittelbar bedroht ein – und 36 Prozent geben an, dass sie ihren Betrieb innerhalb der nächsten zwölf Monate voraussichtlich komplett einstellen müssen, wenn keine neuen Geldquellen erschlossen werden.
Outright International warnt vor einem irreversiblen Zusammenbruch der globalen queeren Infrastruktur. Die Organisation appelliert dringend an andere demokratische Regierungen, internationale Entwicklungsagenturen und private Stiftungen, die entstandenen Finanzierungslücken rasch zu schließen. Bleibe eine internationale Gegeninitiative aus, drohe die Arbeit von Jahrzehnten innerhalb kürzester Zeit zunichtegemacht zu werden.
Die Trump-Regierung hatte den Stopp der Hilfsgelder primär mit einer Mischung aus "America First"-Haushaltspolitik und einem erklärten Kulturkampf gegen angebliche "Gender-Ideologie" und Antidiskriminierungsprogramme begründet. Das Weiße Haus argumentierte, Washington habe über Jahre hinweg eine woke und radikale gesellschaftliche Agenda ins Ausland exportiert, die man nun beende. US-Steuergelder dürften im Ausland künftig nur noch dort eingesetzt werden, wo sie direkt messbaren strategischen und sicherheitspolitischen Interessen der USA dienten – das Wohlergehen queerer Menschen gehört offensichtlich nicht dazu. (dk)














