https://queer.de/?59571
Brunold fährt Sieg ein
Erstmals schwules Finale bei ATP-Turnier
Zwei Spieler sind im Profi-Tennis out – und beide spielten am Wochenende in Österreich um den Sieg: Der Schweizer Mika Brunold ging dabei als Sieger gegen den Brasilianer João Lucas Reis da Silva hervor.

Mika Brunold kann sich über einen ATP-Sieg in einem historischen Spiel freuen (Bild: IMAGO / BSR Agency)
- 15. September 2026, 13:26h 3 Min.
Beim ATP-Challenger-Turnier in Tulln (Niederösterreich) hat der Schweizer Nachwuchsstar Mika Brunold (21) am Sonntag seinen ersten Titel auf dieser Ebene gefeiert. Im Finale besiegte der aus der Qualifikation gestartete 21-Jährige den Brasilianer João Lucas Reis da Silva (26) glatt in zwei Sätzen mit 6:4 und 6:3. Der Einzelsieger erhält ein Preisgeld von 20.630 Euro sowie 100 Weltranglistenpunkte. Die ATP-Challenger-Tour ist die offizielle 2. Liga des professionellen Männertennis.
Abseits des sportlichen Triumphs schrieb die Partie Tennisgeschichte: Es handelte sich um das erste bekannte Finale auf der ATP-Tour, in dem zwei offen schwule Profis gegeneinander antraten.
Brunold hatte sich Ende Dezember 2025 auf Social Media als schwul geoutet (queer.de berichtete). Damals schrieb der 21-Jährige auch, dass das Thema Homosexualität im Tennissport zu wenig behandelt werde. "Schwul zu sein bedeutet nicht nur, jemanden mit dem gleichen Geschlecht zu lieben. Man muss sich auch mit Dingen beschäftigen, die andere nicht kennen: Sorgen, dass man nicht akzeptiert wird; Druck, dass man schweigen muss; das Gefühl, dass man anders ist", so Brunold.
João Lucas Reis da Silva ist bereits ein Jahr länger out: Er hatte im Dezember 2024 auf Instagram ein Bild mit seinem Partner Gui Sampaio Ricardo, einem Schauspieler und Model, geteilt. Reis Da Silva schrieb dazu: "Alles Gute zum Geburtstag. Glückliches Leben. Ich liebe dich sehr" (queer.de berichtete). In anschließenden Interviews (u. a. mit The Athletic und dem Tennis-Magazin CLAY) sprach er sehr offen über die Reaktionen und die Spontaneität des Moments. So sagte er gegenüber "The Athletic": "Ich dachte einfach: Wow, mein Freund hat Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, ich liebe dich. Und plötzlich: Bumm! Für mich war das so normal, dass ich überhaupt nicht groß darüber nachgedacht hatte."
Brunold dankt Gegner für sein Coming-out
Brunold erklärte nach seinem Sieg, dass ihn das Coming-out von Reis Da Silva inspiriert habe: "Du bist eine große Inspiration für mich. Ich bin sehr stolz auf uns. Wir können für so viele Menschen da sein, die mit ihrer Sexualität kämpfen. Danke dir und viel Glück für deine Zukunft."
/ thegaytennispodWHAT A MOMENT
The Gay Tennis Pod (@thegaytennispod) September 13, 2026
During the Tulln Challenger trophy ceremony, Mika Brunold thanks Joao Lucas Reis da Silva for inspiring him to come out and says they can help people struggling with their sexuality.
Never thought Id see the day! pic.twitter.com/NOKsT2Q6bk
In der ATP-Weltrangliste steht Brunold derzeit auf Platz 260. Sein unterlegener Gegner Reis Da Silva hat es sogar auf den 216. Platz geschafft. Angeführt wird die Liste vom Italiener Jannik Sinner, gefolgt von US-Open-Sieger Alexander Zverev aus Deutschland sowie Carlos Alcaraz aus Spanien.
Brunold und Reis da Silva sind gerade die einzigen männlichen Tennisprofis, die sich geoutet haben. Andere, etwa der Amerikaner Bobby Blair, outeten sich erst Jahre, nachdem sie ihre aktive Tenniskarriere beendet hatten. Im Frauentennis wird Queerness dagegen weit offener gehandhabt: Die Exil-Russin Darja Kassatkina outete sich etwa im Jahr 2022 (queer.de berichtete). Da ihr Heimatland Homosexuelle nicht akzeptiert, spielt sie inzwischen für Australien (queer.de berichtete). (cw)














