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Katholische Kirche
Der Vorreiter bei der Segnung queerer Paare
Kardinal Reinhard Marx gilt als erster deutscher Kardinal, der Segensfeiern für homosexuelle Paare offiziell erlaubt hat. Am kommenden Montag feiert der Münchner Erzbischof sein 30-jähriges Bischofsjubiläum – mit Reformdiskussion im Gepäck.

Kardinal Reinhard Marx wurde vor 30 Jahren zum Weihbischof geweiht (Bild: IMAGO / Ulmer II)
- 16. September 2026, 06:37h 4 Min.
Johannes Paul II. hat ihn zum Weihbischof, Benedikt XVI. zum Erzbischof und Kardinal gemacht, und unter Franziskus ist er zu einem wichtigen Berater der Kurie geworden. Und nun unter Papst Leo XIV.? Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, gehört zu den profiliertesten Köpfen der katholischen Kirche in Deutschland – und gilt als Vorreiter der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Vor 30 Jahren, am 21. September 1996, wurde er in Paderborn zum Weihbischof geweiht. Seitdem ging es noch weiter nach oben auf der kirchlichen Karriereleiter.
Sein Bischofsjubiläum feiert Marx am kommenden Montag mit einem Gottesdienst in München, er wird an diesem Tag auch 73 Jahre alt – doch zuvor gibt es eine durchaus bemerkenswerte Veranstaltung in der Katholischen Akademie Bayern. Unter der Überschrift "Der synodale Bischof: Das Leitungsamt der Kirche unter dem Anspruch der Synodalität neu denken" will Marx am Wochenende selbst mitdiskutieren. An seiner Seite stehen eine ganze Reihe von Expert*innen, die über die Bedeutung des Bischofsamts nachdenken wollen und darüber, wie Reformen auf diesem Feld gelingen könnten.
Reizbegriff "Synodal"
Denn Fakt ist: Die katholische Kirche ist durch und durch hierarchisch geprägt. Viele Reformvorschläge setzen genau hier an: Müssten nicht die Gläubigen stärker eingebunden werden in die Frage, wer eine Diözese leitet? Welche Eigenschaften muss ein Bischof mitbringen in Zeiten von sinkenden Mitgliederzahlen?
"Synodal" ist dabei inzwischen in der katholischen Kirche zu einem Reizbegriff geworden. Papst Franziskus hatte eine Weltsynode installiert, um über die Zukunft der Kirche nachzudenken. Konkreter wurde die katholische Kirche in Deutschland: Als Konsequenz auf den Missbrauchsskandal wurde der Synodale Weg eingerichtet, Bischöfe und Lai*innen wollten dabei gemeinsam nach Wegen aus der Krise suchen. Bislang ist aber völlig offen, wie es mit diesem Projekt weitergehen kann, der Vatikan blickt skeptisch auf die Bemühungen, heftiger Gegenwind kommt auch aus konservativen Kreisen.
Franziskus lehnten seinen Rücktritt ab
Und Marx? Der war mittendrin. Von 2014 bis 2020 leitete er die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und initiierte auch den Synodalen Weg mit. Doch fast wäre es mit der Kirchenkarriere von Marx bereits 2021 vorbei gewesen, im Zuge des Missbrauchsskandals hatte er dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Doch Franziskus lehnte ab.
Als in Marx' früherem Bistum Trier vor knapp einem Jahr eine Missbrauchsstudie vorgestellt wurde, räumte er Fehler ein. Es sei ihm immer deutlicher geworden, "dass ich in meiner Zeit als Bischof von Trier die Thematik sexualisierter Gewalt und sexuellen Missbrauchs nicht so umfassend und klar wahrgenommen habe, wie das angemessen gewesen wäre", schrieb Marx in einer Stellungnahme. Er bitte die Menschen um Verzeihung, "denen ich nicht gerecht geworden bin".
Vorreiter bei der Segnung queerer Paare
Auch für die queere Community hat sich Marx wiederholt profiliert. Bereits Ende 2023 bezeichnete er die vatikanische Erklärung "Fiducia supplicans", die erstmals Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare öffnete, als großen Schritt für die Weltkirche (queer.de berichtete). Im April 2026 setzte Marx dem dann Taten folgen: Als erster deutscher Kardinal empfahl er den Seelsorger*innen in seinem Erzbistum München und Freising offiziell die Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der Katholiken als Grundlage ihres pastoralen Handelns – und ermöglichte damit Segensfeiern für schwule und lesbische ebenso wie für geschiedene und wiederverheiratete Paare in seinem Bistum (queer.de berichtete).
Damit ging Marx weiter, als es der Vatikan mitträgt: Papst Leo XIV. machte kurz nach Marx' Vorstoß deutlich, dass der Heilige Stuhl förmliche Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare nicht billige (queer.de berichtete). Auch innerkirchlich bleibt die Praxis umstritten – während das Erzbistum Köln unter Kardinal Rainer Maria Woelki den Beschluss bewusst nicht umsetzt, gilt München-Freising als eines der liberaleren deutschen Bistümer in Fragen von Homosexualität und Kirche. Bereits 2019 hatte Marx in einem Interview mit dem "stern" betont, dass die Kirche jahrelang treu zusammenlebende homosexuelle Paare nicht "mit einem Minuszeichen" versehen dürfe – eine kirchliche Eheschließung bleibe für sie aber weiterhin ausgeschlossen.
Klare Worte gegen die AfD
Marx hat als Kardinal zweimal am Konklave zur Papstwahl teilgenommen, er gilt als rhetorisch stark und jemand, der klare Worte findet und sich nicht auf salbungsvolle Sätze beschränkt. Er fordert Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und Frieden – erst jüngst nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt betonte er: Völkischer Nationalismus sei mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar.
Im Pontifikat des 2025 gestorbenen Franziskus hatte Marx auch in der Weltkirche großen Einfluss. Inzwischen ist es ruhiger geworden um ihn. Gleichwohl findet er lobende Worte für Papst Leo XIV., so etwa zum Jahrestag der Papstwahl im Mai. Leo sei eine "Stimme der ganzen Menschheit", der Papst handle "ohne nationale und ökonomische Interessen, da ist kein Staatsoberhaupt über ihm, er ist frei. Welch eine großartige Institution!" (dpa/cw)














