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Studie
Häufiger Ältere von sexuell übertragbaren Infektionen betroffen
Geschlechtskrankheiten treten in Deutschland immer mehr bei älteren Jahrgängen auf. So verdoppelte sich der Anteil von Syphilis in der Gruppe der 60- bis 64-Jährigen binnen weniger Jahre.
- 22. September 2026, 13:48h 3 Min.
Wer bei sexuell übertragbaren Infektionen (STI) nur an junge Menschen denkt, verkennt die Realität in Clubs, Darkrooms und auf Dating-Apps: Eine Auswertung von rund 84.000 RKI-Meldedaten zwischen 2019 und 2025 durch das Erotikportal Erobella zeigt: Das Durchschnittsalter bei STI-Diagnosen in Deutschland steigt kontinuierlich an – und verschiebt sich spürbar in Richtung der über 50-Jährigen.
Der Median bei Syphilis-Diagnosen liegt inzwischen bei 41 Jahren. Fast jede dritte Neudiagnose betrifft mittlerweile Menschen über 50. Der Anteil der 60- bis 64-Jährigen hat sich seit 2019 sogar verdoppelt. Syphilis macht sich etwa durch ein Hautgeschwür bemerkbar.
Auch HIV trifft vermehrt Ältere: Die meisten HIV-Neudiagnosen entfallen auf die Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen. Wichtig für die Einordnung: HIV wird oft erst Jahre nach der tatsächlichen Übertragung festgestellt – das reale Infektionsalter liegt also meist jünger.
Die häufig symptomlos verlaufende Gonorrhö (Tripper) ist allerdings weiterhin eher bei jüngeren Jahrgängen anzutreffen. Die häufigste Gruppe ist die der 25- bis 29-Jährigen, der Median liegt bei 32 Jahren. Da bundesweit nur resistente Erreger erfasst werden, bilden diese Zahlen jedoch nur die Spitze des Eisbergs ab. Denn seit 2001 gibt es keine bundesweite Meldepflicht mehr für Gonorrhö. Eine 2022 beschlossene neue Meldepflicht ist noch nicht umgesetzt, weil das elektronische Meldesystem fehlt.
Fallzahlen versus reales Pro-Kopf-Risiko
Dass immer mehr Fälle in höheren Altersklassen gemeldet werden, liegt zum Teil an der Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer*innen sind schlicht zahlenmäßig größer. Rechnet man die Zahlen auf das Risiko pro 100.000 Einwohner*innen um, zeigt sich die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Infektion mit den drei sexuell übertragbaren Krankheiten nach wie vor zwischen 25 und 39 Jahren.
Der "PrEP-Effekt": Wer testet, findet
Die Analyse betont einen Faktor, der besonders Schwule direkt betrifft: Menschen, die die HIV-Prophylaxe PrEP nutzen, lassen sich alle drei Monate routinemäßig auf sexuell übertragbare Infektionen screenen. Asymptomatische Infektionen – insbesondere Syphilis und Gonorrhö im Rachen oder Enddarm -, die sonst unbemerkt geblieben wären, fallen in der Community daher viel schneller auf. Ein Anstieg der Meldezahlen ist somit nicht automatisch ein Zeichen für sorgloseres Verhalten, sondern oft das Ergebnis funktionierender Vorsorge- und Teststrukturen. Der Anteil der Männer, die Sex mit Männern haben, liegt bei der PrEP-Nutzung laut dem Robert-Koch-Institut zwischen 97 und 99 Prozent.
Die Ergebnisse bestätigen den Ansatz von Aidshilfen, die sich in der Prävention vermehrt an ältere Menschen wenden. Sie werben dafür, sich in jedem Alter testen zu lassen, denn Syphilis und Gonorrhö sind mit Antibiotika meist gut heilbar, auch wenn eine hohe Resistenzentwicklung bei letzterem manchmal zu größeren Problemen führen kann. Zudem ist HIV unter Therapie nicht übertragbar (siehe queer.de-Interview mit Experte Holger Wicht). (cw)
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