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"Die Schlampen"
Verlag klagt gegen die Indizierung von preisgekröntem queeren Buch
Die Jugendschutzbehörde hat die deutsche Version des über 20 Jahre alten preisgekrönten schwulen Buches "The Sluts" indiziert. Der Verlag wehrt sich nun dagegen.

Das Buch "Die Schlampen" wurde von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz indiziert (Bild: Archiv, Luftschacht)
- 28. September 2026, 15:12h 3 Min.
Der Verlag Luftschacht wehrt sich gegen die Indizierung des Romans "Die Schlampen" von Dennis Cooper durch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz. Man habe deshalb beim Verwaltungsgerichtshof Köln Klage dagegen erhoben, teilte der Verlag mit.
Das Buch mit dem amerikanischen Originaltitel "The Sluts" stammt aus dem Jahr 2004. Dabei handelt es sich um einen verstörenden, experimentellen Roman über digitale Entfremdung, Voyeurismus, Missbrauch und die Auflösung von Wahrheit im Internet. Der Roman besteht vollständig aus fiktiven Webseiten-Einträgen, Kundenrezensionen, Forenbeiträgen und Chat-Verläufen einer Bewertungsplattform für schwule Escorts aus der Ära des frühen Internets. Der Werk gilt als schonungslose Dekonstruktion der Internetkultur.
"The Sluts" wurde mehrfach ausgezeichnet: So erhielt es den Lambda Literary Award, einen der wichtigisten amerikanischen Literaturpreise für queere Literatur. Außerdem wurde es mit dem französischen Buchpreis Prix Sade ausgezeichnet, der Werke ehrt, die sich in der Tradition des Marquis de Sade mit Tabubrüchen, Erotik und philosophischen Grenzüberschreitungen auseinandersetzen. Cooper war der erste amerikanische Autor, der diese Auszeichnung erhielt. In Deutschland erschien "Die Schlampen" im Jahr 2021 (queer.de berichtete). In der deutschen Presse wurde das Buch positiv aufgenommen – so heißt es in einer Rezension des Deutschlandfunks, es handle sich um "einen schmerzhaften Roman, der den Irrsinn digitaler Kommunikation perfekt parodiert".
Verlag klagt "für die Freiheit der Kunst"
"'Die Schlampen' ist kein Buch für Kinder oder Jugendliche. Es ist ein anspruchsvoller, formal komplexer und inhaltlich außergewöhnlicher Roman, der sich gezielt an ein erwachsenes literarisches Publikum richtet", erklärte der Verlag Luftschacht. Man wehre sich gegen die Indizierung, weil das Indizierungsverfahren nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden sei, aber vor allem klage man "für die Freiheit der Kunst".
Der Verlag argumentiert: "Unserer Überzeugung nach hat die Bundeszentrale das Verhältnis von Jugendschutz und Kunstfreiheit fehlerhaft bewertet." So reduziere sie "in ihrer widersprüchlichen Begründung den Roman auf einzelne explizite Passagen, statt seine literarische Form, seinen Gesamtzusammenhang, seine Ironie und seine gesellschaftsanalytische Dimension angemessen zu würdigen". Die extremen Inhalte seien "nicht Selbstzweck, sondern Teil einer kritischen literarischen Untersuchung darüber, wie Gewalt, Sexualität, Lüge und Identität in digitalen Räumen erzählt, erzeugt und instrumentalisiert werden".
Indizierung bedeutet Einschränkungen im Verkauf
Die Indizierung eines Buches ist in Deutschland kein Verkaufsverbot, allerdings führt es zu weitereichenden Werbe-, Präsentations- und Vertriebsbeschränkungen. Hauptsächlich werden in der Liste der jugendgefährdenden Medien rechtsextreme und antisemitische Schriften, gewaltverherrlichende Bücher oder Pulp-Comics und Splatter aufgenommen. Laut dem Verlag werde ihr Buch mit der Indizierung "aus dem öffentlichen literarischen Leben gedrängt, seine Sichtbarkeit massiv eingeschränkt und der Zugang für erwachsene Leserinnen und Leser erschwert. Für einen kleinen unabhängigen Verlag wie uns ist das besonders gravierend", so Luftschacht.
Verlag bittet um Spenden
Der Verlag Luftschacht bittet angesichts des teuren Verfahrens um Spenden: "Die Kosten der anwaltlichen Vertretung, der Aufbereitung wissenschaftlicher und literaturkritischer Materialien sowie mögliche Gerichtskosten sind für einen kleinen unabhängigen Verlag erheblich. Mit eurer Unterstützung können wir das Verfahren finanzieren", heißt es in einer extra eingerichteten GoFundMe-Seite. Bislang sind knapp 1.900 Euro an Spenden eingegangen. (cw)
Links zum Thema:
» GoFundMe-Seite des Verlags
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