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Minneapolis
Tödliche Schüsse durch Trump-Beamten: Renee Goods Familie verklagt US-Regierung
Im Januar tötete ein Beamter der paramilitärischen Einwanderungsbehörde ICE eine queere Mutter, die gerade ihr Kind zur Schule gebracht hatte. Ihre Familie will nun die Trump-Regierung zur Rechenschaft ziehen.

In vielen amerikanischen Städten demonstrierten Menschen gegen die Tötung von Renee Good (Bild: IMAGO / ZUMA Press)
- 2. Oktober 2026, 10:47h 4 Min.
Nach den tödlichen Schüssen auf die 37-jährige Renee Nicole Good durch einen US-Grenzschutzbeamten geht ihre Familie juristisch in die Offensive. Am Donnerstag reichten die Hinterbliebenen zwei Zivilklagen gegen die US-Regierung ein. Im Zentrum der juristischen Schritte stehen nicht nur Vorwürfe unverhältnismäßiger Polizeigewalt, sondern auch das Leid ihrer Partnerin Becca Good, die die Tat mitansehen musste und nun den gemeinsamen sechsjährigen Sohn allein großzieht.
Renee Good war im Januar in Minneapolis von Jonathan R., einem Beamten der Einwanderungsbehörde ICE, in ihrem Auto mit mehreren Schüssen getötet worden (queer.de berichtete). Die amerikanische Staatsbürgerin hatte gerade ihren jüngsten Sohn zur Schule gebracht und war auf dem Heimweg. Während Bundesbehörden damals behaupteten, Good habe ihr Fahrzeug als Waffe eingesetzt, widersprechen Videoaufnahmen dieser Darstellung.
In den sozialen Medien verbreitete Videos des Vorfalls zeigen, wie die dreifache Mutter versucht, wegzufahren, während vermummte ICE-Beamte sich ihrem Fahrzeug nähern wollten. Als sie ihr Auto wendete, feuerte R. mehrfach auf die 37-Jährige. In einem weiteren Video ist die Ehefrau der Erschossenen zu sehen, die verzweifelt und weinend sagte: "Sie haben meine Frau getötet. Ich weiß nicht, was ich tun soll."
Der Beamte hat sich bislang nicht öffentlich zur Tötung geäußert. Auf Videos war seine Stimme lediglich nach den Schüssen zu hören. Er beschimpfte dabei die sterbende Frau als "fucking bitch" (verdammte Schlampe).
Schmerzensgeld und schweres Trauma der Partnerin
Die erste Klage richtet sich direkt gegen die US-Regierung wegen "widerrechtlicher Tötung". Sie argumentiert, dass der Beamte gegen behördliche Richtlinien und den vierten Verfassungszusatz verstoßen habe, der Bürger*innen vor ungerechtfertigten Durchsuchungen, Beschlagnahmen und Verhaftungen durch den Staat schützt. Neben Schadensersatz für Goods Todeskampf fordert die Klage Entschädigung für ihre Partnerin Becca Good. Sie erlitt durch das Miterleben der Tötung ein schweres Trauma.
Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Minneapolis trat Becca Good erstmals öffentlich auf und beschrieb den schmerzhaften Alltag als queere Mutter ohne ihre Partnerin: Im August habe sie ihren sechsjährigen Sohn allein für die erste Klasse vorbereitet und den ersten Elternabend ohne Renee bestreiten müssen. "Sie hat nie einen Moment verpasst. Und dieses Halloween werde ich mit unserem Sohn um die Häuser ziehen – ohne ihre Hand in meiner."
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Historisches Anti-Klan-Gesetz gegen Trumps Führungsriege
Die zweite Klage stützt sich auf den "Ku Klux Klan Act" aus dem Jahr 1871 – ein historisches Gesetz zum Schutz von Bürgerrechten. Das Anwaltsteam wirft führenden Regierungsvertreter*innen eine illegale Verschwörung vor: Goods Tod sei das vorhersehbare Ergebnis einer gezielten Kampagne gegen migrantische Communitys sowie gegen diejenigen gewesen, die diesen staatlichen Druck dokumentierten und protestierten. Das 155 Jahre alte Gesetz diente einst dazu, den paramilitärischen Terror und die gewaltsamen Übergriffe des gewalttätigen Geheimbundes Ku Klux Klan sowie anderer rassistischer Milizen zu bekämpfen.
Zu den namentlich Beklagten zählen neben dem Schützen hochrangige Köpfe der Trump-Regierung, darunter Chefberater Stephen Miller, der Koordinator für Grenzpolitik Tom Homan sowie die damalige Heimatschutzministerin Kristi Noem.
Keine strafrechtlichen Ermittlungen
Die Zivilklagen folgen auf monatelanges behördliches Schweigen: Weder auf Bundes- noch auf Landesebene wurden bislang strafrechtliche Ermittlungen oder Anklagen gegen den Schützen und zehn weitere maskierte Beamte vor Ort erhoben. Washington hatte der lokalen Polizei sogar verboten, in diesem Fall zu ermitteln, außerdem beschlagnahmten Bundesbehörden sämtliche Beweise.
Laut Berichten starben seit dem erneuten Amtsantritt Donald Trumps mindestens neun Menschen durch Einwanderungsbeamte. Das ICE-Personal wird dabei von der Trump-Regierung vor allem in Städte geschickt, die mehrheitlich für die oppositionellen Demokraten gestimmt haben. Dabei nehmen sie dort laut Kritiker*innen fast ausschließlich Menschen fest, die ein nichtweißes Aussehen haben, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft.
Das Weiße Haus kündigte an, sich gegen die Klagen energisch zur Wehr zu setzen. Donald Trump und seine Regierung machten Good selbst für ihre Tötung verantwortlich. Trump behauptete etwa, dass Good den Beamten absichtlich angefahren habe – selbst als Journalist*innen ihn auf Videoaufnahmen ansprachen, die anderes zeigten, hielt der Staatschef an seiner Version fest. Vizepräsident JD Vance sprach von einer "Tragödie, die sie selbst verschuldet hat". (dk)















