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Der Spitz, der Pfau und das gute, alte West-Berlin

Ein Spitz namens Napoleon, ein Alter Ego namens Lady Peacock und eine rote Linie: Carla und Sven vom Spitz+Pfau sprechen mit anuux on the hunt über ihr queerfreundliches Lokal in Berlin-Charlottenburg.


Seit 2021 führen Sven und Carla das Lokal Spitz+Pfau in der Knesebeckstraße in Berlin-Charlottenburg (Bild: Andrada Predescu)

anuux on the hunt hat für euch nicht nur Tanz, Zweithaar und Sinnlichkeit in der Auslage, sondern auch Kulinarik mit viel Herz und einer ordentlichen Portion Chichi. Wo dies zu finden ist? Im Spitz+Pfau an der Knesebeckstraße 20/21, im altehrwürdigen Berlin-Charlottenburg. Kuchengabeln gewetzt – und hinein in eine Welt aus Charme, Patina und wohlschmeckender Küche!

Carla und Sven, der Spitz und der Pfau sozusagen. Woher stammt dieser schrille Name?

Sven: Knackig und kurz sollte der Name sein. Aus zwei Teilen bestehen – der eine Teil für die eine und der andere Teil für den anderen. Zu Anfang dachten wir an Lady Pomeranian and Mister Peacock. Eine Freundin mahnte zur Vereinfachung, deswegen Spitz+Pfau.

Carla: Der Spitz kommt von mir, und natürlich gibt es ihn auch wirklich. Napoleon ist sein Name, neun Jahre jung und manchmal auch hier anzutreffen. Er liebt Menschen über alles, andere Hunde dagegen eher gar nicht. Er hat eben seinen ganz eigenen Kopf und weiß ziemlich genau, wen er mag, wen nicht und von wem er auch mal Streicheleinheiten einfordern kann.

Sven: Dann bin ich wohl der Pfau. Etwas Eitelkeit und farbenfrohe Garderobe gehören dazu. Zudem gibt es ein Alter Ego – Lady Peacock -, die manchmal ihr Unwesen treibt.

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Sind eure Besucher*innen nur queer?

Carla: Nein, komplett gemischt.

Sven: Queer, schwul, lesbisch, straight, transident, nonbinär, jung, nicht mehr jung, schwarz, weiß, groß, klein. Alle sind herzlich willkommen.

Carla: Warte! Bis auf eine ganz bestimmte Sparte, die hier nicht gerne gesehen ist!

Sven: Stimmt! Es gibt eine rote Linie. Wir stehen ein für Diversität, Respekt, Toleranz, Akzeptanz und stellen uns gegen jegliche Form der Diskriminierung, Intoleranz, Abwertung und des Hasses. Egal, aus welcher Richtung. Haltung ist hot.

Euch gibt es seit 2021. Ende September habt ihr euren fünften Geburtstag gefeiert. Das heißt: Ihr habt euch während der Corona-Krise gegen die bedrohliche Allgemeinsituation aufgelehnt und nicht gerade wenig riskiert – mit Erfolg, wie wir sehen können. Woher der Antrieb?

Carla: Wir hatten bereits vor Corona den Plan, ein eigenes Lokal zu eröffnen. Allerdings in einem ganz anderen, aber auch tollen Kiez. Schlussendlich haben wir uns zum Glück dagegen entschieden und dafür hier etwas Tolles geschaffen. Ich habe direkt nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement in einem kleinen Café angefangen zu arbeiten und habe es total lieben gelernt. Da ich selbst jetzt noch an meinen freien Tagen gerne koche – und am liebsten direkt für viele Personen – bin ich echt froh, für mich den richtigen Beruf gefunden zu haben. Einen Beruf, in dem ich einfach aufgehen kann und der mir, trotz des ganzen Stresses, immer noch total viel Spaß macht.

Sven: Ich komme, beruflich betrachtet, aus der Jugend-Sozialpädagogik, kenne mich deswegen mit Resilienzen und Frustrationstoleranz aus. Ein Lokal zu eröffnen war bereits unser Plan vor dem ersten Lockdown. Wir mussten unsere Pläne aber erstmal auf Eis legen. Es folgte in dieser Zeit schließlich eine berufliche und eine persönliche Lebenskrise und ich war bestrebt, etwas völlig Neues zu unternehmen, ja zu wagen. Carla und ich hielten die Augen offen nach möglichen passenden Gewerbeeinheiten. Zeitgleich mit der SARS-CoV-2-Variante Omikron sind wir auf die Räume hier im Kiez gestoßen und wussten: Das soll es sein. Support in vielerlei Hinsicht gab es im Freund*innen- und Familienkreis.

Das klingt nach "Es musste einfach sein". Hattet ihr schon immer den Traum des eigenen Lokals?

Carla: Da ich, sobald ich das Kochen von meinem Vater gelernt hatte, eigentlich immer für alle kochen wollte, war schon ziemlich früh klar, dass ich irgendwann irgendwas in diese Richtung machen werde. Der Traum vom eigenen Lokal hat sich also tatsächlich schon sehr früh herauskristallisiert. Ich liebe es einfach, neue Sachen auszuprobieren und für viele Menschen zu kochen – je mehr, desto besser. Und irgendwie ist es natürlich besonders schön, wenn man das Ganze dann irgendwann im eigenen Laden machen kann.

Sven: Ich koche schon mein ganzes Leben lang gerne, backe mal mehr, mal weniger. Während und nach dem Studium konnte ich immer wieder in die Gastronomie eintauchen. Nach meinem Umzug nach Berlin habe ich jahrelang während meiner eigentlichen Tätigkeit sonntags in einer kleinen Bar im Prenzlauer Berg gearbeitet. Vor meiner Selbständigkeit habe ich mit großer Freude oft und regelmäßig Essen und Gesellschaften ausgerichtet. In meiner Familie und unter uns Freund*innen ist gelebte Gastfreundschaft selbstverständlich. Kurz gesagt: Ja, der Traum, ein eigenes Lokal zu führen, hatte seit langer Zeit bestanden.

Du möchtest das ganze Interview genießen? Dann schau auf anuux.de vorbei. Du möchtest Carla und Sven live im Spitz+Pfau erleben? Dann ab in die Knesebeckstraße nach Charlottenburg!

-w-