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Oktober 2026
Heiliger des Monats: Finnian
Einmal monatlich verneigen wir uns vor schwulen Heiligen. Im Oktober vor Finnian – einem der sechs Heiligen aus dem Eis.

Den Heiligen Finnian mussten wir für unsere Freund*innen vom Jugendschutz leider etwas entschärfen (Bild: F. G. Borghi)
- Von Björn Koll
4. Oktober 2026, 04:02h 3 Min.
Das Coffee-Table-Book "Unholy" von F. G. Borghi (Bild) und Björn Koll (Text) ist die erste "fast vollständige Hagiographie der schwulen Heiligen" – und wie es sich für devotionale Kunst gehört, gibt es die ikonischen Mannsbilder inzwischen nicht mehr nur als Buch, sondern auch als Postkartenheft oder als Kalender. Und bei uns. Einmal monatlich verneigen wir uns vor den schwulen Heiligen des Monats. Im Oktober vor dem Heiligen Finnian.
Im Sommer 1890 brach unter großem Jubel der schwulen Gemeinschaft eine Gruppe von sechs unerschrockenen Männern in die Antarktis auf. Das Ziel war der Südpol, der am 14. Dezember 1891 auch erreicht wurde. Es ist ja bekannt, dass fast alle großen naturwissenschaftlichen Expeditionen von abenteuerlustigen schwulen Männern durchgeführt wurden und – von Reinfällen wie der Reise der Bounty mal abgesehen – auch meist ein gutes Ende nahmen. Solche Expeditionen wurden früher gerne mit Spenden aus der Community finanziert, denn die Entdeckung neuer Länder, Lebensformen und Männer ist nun mal im Interesse aller Schwulen. Dass sich am Südpol nicht besonders viele Männer rumtreiben, ahnten die charmanten Polarforscher natürlich, aber sie wollten sich selbst davon überzeugen.
Die sechs stammten aus dem kleinen irischen Dorf Cloonbigeen bei Galway und hatten sich auf einem Rave kennengelernt. Einer von ihnen war Finnian, was sinngemäß übersetzt "Der Helle, der Blonde" bedeutet. Die weiteren waren Kevyn (Der Hubsche, der Anmutige), Lorcan (Der kleine Wilde), Lugh (Der Leuchtende), Ronan (Kleine Robbe) und Sioda (Der Sanfte). Gemeinsam mit diesen Fünf bildete Finnian ein unschlagbares Team.
Die Reise zum Südpol verlief dementsprechend reibungslos: Man packte die Hunde aus, setzte sich auf die Schlitten und schlüpfte des Nachts jeweils zu zweit in einen Schlafsack zwecks gegenseitiger Erwärmung. So erreichte man am 14. Dezember den Pol, das Ganze mit einem kleinen Rave und trat anschließend fröhlich den Rückzug an. Die verdiente Anerkennung blieb leider aus, denn am 15. Mai 1891 erließ Leo XIII. ja seine schwulenfeindliche Enzyklika und tilgte alle schwulen Heiligen aus der Geschichte. Zu allem Überfluss stiftete der Papst 1911 dann auch noch Roald Amundsen und Robert Falcon Scott zu einem völlig unnötigen Wettrennen zum Südpol an, das auf Seiten von Scott zu einem katastrophalen Ausgang mit fünf Toten führte.
Hätte er sich an die Zwei-Mann-in-einem-Schlafsack-Regel unserer sechs Heiligen gehalten, wäre das sicher nicht passiert. Unser Sextett machte auf dem Rückweg von der Dezember-Expedition jedenfalls noch länger Ferien in Brasilien und kehrte dann nach Hause zurück, um die irische Gesellschaft mit Abenteuergeschichten und Körperwärme zu versorgen. Unsere sechs Männer im Eis befeuern jugendlichen Abenteuergeist. Wir feiern Finnian am 4. Oktober.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Unholy" von F.G. Borghi (Illustrationen) und Björn Koll (Text), das bei Salzgeber erschienen ist. In der Vorbemerkung heißt es: "Was Sie in diesem Buch lesen, gehört in die Kategorie Historische Fiktion, einige würden vielleicht auch von Historischem Blödsinn sprechen. Will sagen: Keiner der hier beschriebenen Heiligen hat je gelebt und nichts von dem, was über sie behauptet wird, stimmt." Alle "Unholy"-Produkte sowie viele weitere nichtheteronormative Bücher und Filme gibt es u.a. im Salzgeber.Shop.
F. G. Borghi, Björn Koll: Unholy. An Almost Complete Hagiography of Gay Saints. Texte auf Deutsch und Englisch. 192 Seiten. Salzgeber. Berlin 2025. Hardcover: 59 € (ISBN 978-3-95985-713-0)
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